zur Navigation springen

In der Fankurve der HSG : Trommeln in der „Hölle Horst“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Handball: Bei Spielen der HSG heizen die Zuschauer ihrem Team ordentlich ein. Am 18. März könnte die Mannschaft aufsteigen.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Horst | „Auf geht’s, HSG, kämpfen und siegen!“, skandieren ein paar Hundert Kehlen. Trommeln geben den Rhythmus für den Sprechchor vor, nach einigen Durchläufen ebbt er ab. Aber die Mädchen greifen ihn mit ihren hellen Stimmen wieder auf, die Trommeln setzen erneut ein, bald formt sich ein Wechselgesang zwischen den hohen Mädchenstimmen und den rauen Männerkehlen. HSG, das ist die Handballspielgemeinschaft des MTV Horst und Rot Weiß Kiebitzreihe. So lautet die offizielle Bezeichnung, aber die Herrenmannschaft bezeichnet sich lieber als „Haie“. Folgerichtig müssen sich die Gegner von den HSG-Fans als „Haifischfutter“ schmähen lassen: „Hier regiert die HSG“, stellen die Schlachtenbummler im Chor klar. Die Zuschauer hauen der Gastmannschaft auch gleich noch um die Ohren, wo die HSG in der Tabelle steht: „Spitzenreiter, Spitzenreiter!“

Heimspiele der HSG in der „Hölle Horst“, der Sporthalle an der Jacob-Struve-Schule, sind Events, die meist mehrere hundert Besucher anlocken. „Vor drei Jahren hatten wir 100 Zuschauer“, berichtet Hallensprecher Michael Schwarz. Inzwischen seien die 360 Plätze auf der Tribüne regelmäßig ausverkauft. Im Foyer gibt es an der „Haifischbar“ Bier für zwei Euro, draußen steht eine Gulaschkanone in einem Pkw-Anhänger, an der Burgunderbrötchen und Erbsensuppe im Angebot sind. Vor dem Eingang ist ein Zelt aufgebaut, dort gibt es Platz zum Essen, Trinken und Rauchen an Stehtischen.

Vor sechs Jahren haben Horst und Kiebitzreihe ihre Handballsparten zusammengelegt. Christopher Süß aus Horst war schon vorher mit seiner Trommel dabei, und er sitzt immer noch bei jedem Heimspiel mit dem Schlegel in der Hand, den er eigentlich nur ablegt, um Bier zu trinken. „Wir trommeln die ganze Zeit“, erklärt Süß: „Wir versuchen, die Offensive anzufeuern. Gute Aktionen in der Defensive belohnen wir mit Trommeln.“ Sechs Trommeln gehören inzwischen zum Bestand der Handballsparte; Süß’ Instrument und eine weitere große sind mit schwarzem Klebeband geflickt, der Dauereinsatz und die heftige Beanspruchung zeigen Spuren.

Heute geht es vergleichsweise ruhig zu in der „Hölle Horst“. Gegner der HSG ist Kronshagen, der Tabellenletzte; der Sieg der Gastgeber ist nie gefährdet und fällt mit 41 zu 24 üppig aus. Getrommelt und skandiert wird trotzdem viel. Hallensprecher Michael Schwarz gibt seinen Anteil zur Stimmung dazu: Er verkündet die Torschützen der HSG im Stil eines amerikanischen Boxkampf-Ansagers mit lang gezogenen Vokalen: „Nummer 25, Mirkooo Haaahn!“ Einen Siebenmeter für die Gäste untermalt er mit der Musik aus dem James-Bond-Vorspann, immer wieder lässt er Jingles über die Anlage laufen. Als die letzte Minute des Spiels anbricht, fordert er alle Zuschauer zum Aufstehen auf und lässt sie klatschen.

„Das war eine Schnapslaune, wie immer“, erzählt Schwarz nach dem Spiel. Die Schnapsidee aus der eingeschworenen Truppe, die sich seit 30 Jahren um den Horster Handball kümmert: Es solle doch mal jemand „ein paar Tore ansagen und eine CD einlegen“. Den Job übernahm Schwarz, ein Mann mit Dreitagebart und wild gegelter Frisur, der sehr oft: „Alles gut“ sagt. Er begnügt sich nicht mit ein paar Ansagen; er bringt sein eigenes Mischpult mit und heizt dem Publikum ein. Er schwärmt von der Horster Handball-Erfolgsgeschichte: „Du saugst so viel Nektar daraus: Du machst was, und die Leute kommen.“

Besonders stolz ist Schwarz, dass viele Jugendliche zu den Spielen gehen. Und bleiben: Nach dem Spiel, wenn die Spieler ihre Fans abgeklatscht haben, herrscht Hochbetrieb an der Bar und im Zelt. Ein Kronshagener Spieler ist ins Gespräch mit einem Horster vertieft. Die HSG-Fans und -Spieler träumen vom Aufstieg, seit sechs Jahren schon wollen sie die Landesliga Mitte hinter sich lassen, erzählt Christopher Süß: „Wir haben auf jeden Fall die Qualität.“ Hallensprecher Schwarz gibt sich zurückhaltend, als er über die Chancen spricht; aber dann kann er seine Begeisterung kaum noch verbergen: „Am 18. März könnte dieses Supergau-Spiel sein.“ Damit meint er, dass die HSG nach dieser Partie – einem Heimspiel gegen Büdelsdorf – schon als Aufsteiger feststehen könnte, obwohl hinterher noch zwei Spieltage zu absolvieren sind.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert