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Friedhof Elmshorn : Traurig: Diebe plündern ein Grab

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Auf dem Friedhof der Stadt Elmshorn in Kölln-Reisiek werden vermehrt Pflanzen entwendet. Handelt es sich um einen Diebstahl aus Geldnot?

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Unverständnis, Entsetzen, Hilflosigkeit – all das empfindet Monika Rauhöft, wenn sie auf dem städtischen Elmshorner Friedhof in Kölln-Reisiek vor dem Grab ihrer Mutter steht. Unbekannte haben die schlichte und gepflegte Ruhestätte verwüstet. „Ich kann einfach nicht verstehen, warum jemand sowas macht“, sagt die 70-Jährige.

Vor zwei Jahren wurde ihre Mutter Irene Liskow (1915-2012) auf dem Friedhof beigesetzt. Alle 14 Tage besucht Monika Rauhöft das Grab, kümmert sich darum, dass es hübsch aussieht. Vor kurzem hatte sie Chrysanthemen zwischen die Besenheide gepflanzt – in Gelb, Rosa und Weiß leuchteten die Blüten. Jetzt klaffen dort, wo die Blumen eingesetzt waren, nur noch sechs Löcher. Unbekannte haben die Chrysanthemen gestohlen.

„Ich bin einfach nur traurig“, sagt Monika Rauhöft. An Vandalismus glaubt die Elmshornerin aber nicht. „Ich denke, da hat jemand die Blumen ausgegraben und mit nach Hause genommen“, sagt sie. Die Pflanzen seien mit Bedacht und sorgfältig entfernt worden. Monika Rauhöft hat den Vorfall der Friedhofsverwaltung gemeldet. „Man hat mir dort gesagt, dass der Diebstahl kein Einzelfall ist“, so die 70-Jährige.

Diese Aussage bestätigt Hermann Stieler. Er verwaltet mit seinem Team den städtischen Elmshorner Friedhof in Kölln-Reisiek. „Das man so etwas tut, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich muss aber sagen, dass derartige Fälle bei uns zunehmen“, sagt Stieler.

Genauso wie Monika Rauhöft glaubt auch er nicht an bloße Zerstörungswut. Stieler hat eine andere Erklärung, die aber nicht weniger traurig stimmt: Immer mehr ältere Menschen seien nicht mehr in der Lage, mit ihrer schmalen Rente die Kosten für die Pflege der Gräber verstorbener Angehöriger aufzubringen, so der Friedhofsverwalter. Es sei betrüblich, aber durchaus vorstellbar, dass Rentner, die sich aus Geldnot nicht anders zu helfen wüssten, Blumen auf fremden Gräbern ausgraben, um sie dann auf den Ruhestätten ihrer Angehörigen wieder einzusetzen.

Der Unterhalt eines Urnengrabes auf dem Friedhof der Stadt Elmshorn kostet im Jahr rund 150 Euro, bei größeren Gräbern sind es dann bis zu 300 Euro. „Es kommt schon vor, dass Rentner das Geld für die Grabpflege bei uns in Raten abbezahlen“, sagt Hermann Stieler.

Seine Mitarbeiter, so der Friedhofsverwalter, hätten sogar beobachtet, dass Pflanzen, die bereits auf dem Kompost gelandet seien, von älteren Menschen mitgenommen und wieder eingesetzt wurden.

„Jemanden beim Pflanzendiebstahl zu erwischen, ist wirklich fast ausgeschlossen, das Gelände ist einfach zu weitläufig“, sagt Hermann Stieler. Der Elmshorner Friedhof hat eine Fläche von rund 12,5 Hektar. Mehr als 8000 Gräber sind zurzeit dort angelegt. An den Wochenenden, wenn besonders viele Menschen auf dem Friedhof unterwegs sind, ist dort kein Personal eingesetzt.

Der Friedhof wurde 1969 an der Kölln-Reisieker Stabeltwiete als so genannter Rasenfriedhof eingeweiht. Charakteristisch für das Gelände sind der große Baumbestand und die vielen weitläufigen Grünzonen. Die Hauptwege sind behindertengerecht ausgebaut. Die Gräber des Friedhofs befinden sich unter Rasen und können je nach Grabart bepflanzt oder mit Grabmalen versehen werden. Viele Besucher nutzen den Friedhof für Spaziergänge.

Für Monika Rauhöft ist das zurzeit wenig tröstlich. Die Chrysanthemen sind weg, die Ruhestätte ihrer Mutter geschändet. Die Elmshornerin wird neue Blumen pflanzen, sich dabei aber fragen: „Wie kann jemand Freude an Pflanzen haben, die er von einem Grab gestohlen hat?“

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