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Schippertreffen in Elmshorn : Traditionssegler beleben den Hafen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Buntes Programm lockt hunderte Besucher an die Krückau. Platt-Konzert und Frühschoppen auf der „Klostersande“.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Von der einen Seite schallt Kerstin Boos’ Akkordeon über das Nordufer des Elmshorner Hafens. Ein paar Schritte weiter tönen Schellack-Platten von André Konietzkos Grammofon, das er nach jedem Lied per Handkurbel auflädt. „Die Platten habe ich von meinem Vater und meinem Großvater“, erzählt der Leiter der Klassik-Sparte im Fahrradverein Rückenwind und Co-Organisator des dritten Elmshorner Schippertreffens, das am Wochenende stattfand.

„Wir versuchen, ein bisschen Leben in den Hafen zu bringen“, sagt André Konietzko. Mit einigen alten Fahrrädern auf dem Ufer beteiligt sich die Klassik-Sparte daran. Im Wasser liegen elf Traditionsschiffe, „das ist viel“, findet Mitveranstalter Hans Barzel: „Die finden es toll, weil es hier keinen Kommerz gibt.“

„Diese Treffen sind wunderschön, es gibt immer was zu schnacken“, sagt Harry Sakalas aus Hamburg. Er lümmelt in der Plicht seines Plattbodenschiffs und guckt sich in Ruhe den Betrieb an. Sein besonderes Schiff ist für ihn „reine Leidenschaft“. Das Raumangebot sei größer als bei einem „Joghurtbecher“, einer modernen Yacht aus Kunststoff. Sakalas’ „Beagle“ segelt im Gegenzug nicht so toll wie neu designte Schiffe, aber: „Es reicht, wenn wir langsam segeln.“ Und vor allem: „Ich finde sie wunderschön.“

Ruhig geht es an der Krückau mitten in der Stadt zu. Die alten Schiffe stehen zur Besichtigung offen, am Ende der Pier führt Jürgen Albers historische Techniken zum Be- und Entladen der Ewer vor, kleiner Segelschiffe, mit denen Waren aller Art entlang der Elbe bis in die Hamburger Fleete transportiert wurden. Albers’ Giekewer wurde 1909 in Wewelsfleth gebaut, das knapp 24 Meter lange Schiff kann 50 Tonnen Ladung transportieren. Wie die Kisten, Fässer und Säcke an und von Bord kamen, zeigt Peters: Der Großbaum wird hoch angedirkt, unten dran wird eine Talje befestigt – ein Flaschenzug – und dann dient er   als Ladebaum. „Den Fass-Schlag haben wir jetzt drauf“, betont Peters, den Knoten, mit dem ein Fass sicher am Haken befestigt wird.

Das Schipperfest wirkt klein und gemütlich. Wer am Nordufer entlang spaziert, findet jede Menge Interessantes und viele Gesprächspartner für Fragen rund um alte Schiffe oder Karbidlampen für alte Fahrräder. Auffallend sind am Sonnabendnachmittag die vielen blauen T-Shirts auf der Pier: Schüler aus fünf Schulen im Kreisgebiet demonstrieren an einem Stand ihr Projekt „Schulen für eine lebendige Umwelt“. Sie analysieren das Krückauwasser und messen einen pH-Wert von 5. Chemisch gesehen, ist die Krückau sauer. „Am besten wäre neutral, das ist 7“, erklärt der 16-jährige Tom Heinfling aus Uetersen. Er hat am Nachmittag schon vielen Besuchern erläutert, was es mit dem „virtuellen Wasser“ auf sich hat: Für Produktion und Handel einer einzigen Banane werden 200 Liter Wasser verbraucht. „Viele waren erstaunt, dass das wirklich so viel ist“, sagt Heinfling, der auch gleich dazu aufruft, nicht jeden Tag Fleisch zu essen, bei dessen Herstellung ebenfalls viel Wasser verbraucht wird.

Im Laderaum des Frachters „Klostersande“ haben die Unterelbe-Schulen eine Ausstellung aufgebaut, im Nebenraum präsentieren die Elmshorner Schiffsmodellbauer ihre Werke. Deren Sprecher Claus-Peter Jäger zeigt sein „Kamera-Boot“, den Nachbau eines klassischen amerikanischen Holz-Motorboots. Auf dem ferngesteuerten Modell montiert er seine Kamera und filmt damit andere Boote.

Am Sonnabend luden die Veranstalter zum Abendprogramm auf die „Klostersande“, dort sangen Helmut Hamke und Joachim Theege plattdeutsch und die Gregor Wilczek Band spielte Oldies und Schlager. Gestern waren die King Street Jazzmen zum Frühschoppen da. Für die Verpflegung engagierten sich die angehenden Bäcker und Fleischer der Berufsschule, Zelt, Kuchen und Equipment kamen vom Biobauern.

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