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Im Interview : Torsten Albig spricht über das Engagement der Bürger für Flüchtlinge, Privates und Ärger im Job

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ist derzeit häufig zu Besuch in der Region. Die Elmshorner Nachrichten nutzten des Besuch des Ministerpräsidenten für ein Interview.

von
erstellt am 10.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) ist derzeit häufig zu Besuch in der Region. Schon am Montag ist der Landesvater wieder in Elmshorn zu Gast. Die Eröffnung der Erich Kästner Gemeinschaftsschule (KGSE) steht an. Die Elmshorner Nachrichten nutzten einen Besuch des Ministerpräsidenten bei der Elmshorner Landtagsabgeordneten Beate Raudies (SPD) für ein Interview. Darin äußert sich Albig zu Themen wie Flüchtlingspolitik und Kinderbetreuung, aber auch zu ganz privaten Themen wie Familie, Werte und Träume.

Ministerpräsident in Schleswig-Holstein zu sein, ist...
sehr viel schöner als ich es mir jemals habe vorstellen können.

An meinem Job als Ministerpräsident nervt mich...
dass mein Terminkalender manchmal zu wenig Zeit für spontane Begegnungen mit Menschen lässt und ich zu oft auf Veranstaltungen immer die gleichen 100 Leute treffe.

Der schönste Moment in meiner Zeit als Ministerpräsident war...
als ich eine Grundschulklasse bei mir im Büro zu Besuch hatte und eines der Mädchen mir am Ende ein kleines, selbstgemachtes Geschenk gab und sagte: „Du bist doch der Bestimmer von Schleswig-Holstein.“ Den Schlüsselanhänger mit der Aufschrift „Bestimmer“ in unseren Landesfarben trage ich als Glücksbringer seitdem immer bei mir. Dieses Mädchen war so voller Idealismus und Offenheit – da war nichts von dem Zynismus, den wir Erwachsenen so oft haben. Das Gefühl zu haben, für solche Kinder Politik zu machen: Das war ein schönes Gefühl.

Die Wiederwahl 2017 ist...
ein wichtiges Ziel für mich. Weil ich glaube, dass man Spuren und Veränderungen nur hinterlässt, wenn man auch länger regieren kann. Und in zehn Jahren können wir eine Menge Positives für Schleswig-Holstein bewirken.

Am CDU-Kandidaten Ingbert Liebing gefällt mir...
Da ich ihn eigentlich gar nicht kenne, kann ich das nicht wirklich beantworten. Er scheint aber ganz nett zu sein.

Wenn ich an die Diskussion um die Unterbringung von Asylbewerbern denke, dann ärgert mich...
dass zunehmend wieder Ressentiments in die Debatte eingeführt werden, obwohl wir wissen, dass sie völlig überflüssig sind und uns überhaupt nicht weiter helfen. Ich weiß, dass wir vor großen Herausforderungen stehen. Aber wir können sie gemeinsam bewältigen. Für die Kommunen ist natürlich vor allem die Frage nach Wohnraum von entscheidender Bedeutung. Wir können nicht auf Dauer Flüchtlinge in Obdachlosenheimen und in umgebauten Schulgebäuden leben lassen. So kann Integration nicht gelingen. Also werden wir Stück für Stück einfache und preiswerte Wohnungen bauen müssen.

Wenn ich an die Diskussion um die Unterbringung von Asylbewerbern denke, dann freut mich...
dass es so viele Menschen in unserem Land gibt, die sich gegen Ressentiments wenden. Sie sehen die Menschen, die Frauen und Männer, die Jungen und Alten, die aus unfassbar schweren Bedingungen zu uns kommen. Und sie begrüßen sie mitten in der Nacht mit Willkommensplakaten und Ballons, mit Teddybären für die Kinder am Bahnhof. Sie sortieren Kleidung und schmieren Brötchen. Einen so wunderbaren Zusammenhalt in unserem Land habe ich erhofft. Aber dass er genau so kommt, das ist wundervoll.

Der Bau der A 20 ist für mich...
gesetzt. Sie wird kommen. Und wir werden zeigen, dass auch eine schnelle Autobahn mit Fledermausschutz vereinbar sein kann.

Eine kostenlose Kinderbetreuung ist für mich...
ein wichtiges politisches Ziel. Und der Einstieg 2017 mit unserem Krippengeld, das wir dann kontinuierlich ausbauen, trägt wesentlich mehr zur Entlastung für viele Familien in unserem Land bei, als jede Solidaritätszuschlags-Abschaffungsdebatte oder Kindergelderhöhung es jemals tun wird.

In die Politik bin ich gegangen, weil...
ich gerne etwas verändere und Schwierigkeiten damit habe, zu akzeptieren, dass die Dinge so sind wie sie sind, nur weil sie es immer schon waren.

Am meisten regt mich an der Politik auf, dass...
wir im politischen Streit miteinander oft völlig überflüssige Schaukämpfe führen, die nur die Medien beeindrucken sollen, aber überhaupt keinen Wert haben. Und leider glauben dann ganz viele Menschen, Politik sei so. Dabei ist gute Politik alles andere als Polit-Show!

Mein Lebensmotto ist...
Bisher bin ich auch ganz gut ohne ein Lebensmotto ausgekommen.

Mein größter Fehler ist...
Jede Antwort auf diese Frage läuft Gefahr, selbstgefällig zu sein. Das mögen andere beurteilen.

Kritik ist für mich...
dann wichtig und notwendig, wenn sie konstruktiv gemeint ist. Auch wenn niemand gerne kritisiert wird, ist ein Feedback zur eigenen Arbeit wichtig.

Charakterstärke ist für mich...
ein wichtiges Zeichen guter Politik, weil wir viele Dinge zu tun haben, wo ich nicht morgens A sagen kann und abends B.

Wütend macht mich...
Dummheit. Und gerade Dummheit, wenn sie sich mit Arroganz paart. Das ist in der Politik leider immer mal wieder anzutreffen.

Begeistern kann ich mich für...
Arminia Bielefeld. Mein Fußballverein, da ich in Bielefeld aufgewachsen bin, seit ich 14 Jahre alt war.

Als Kind war mein Traumberuf...
Ich hatte keinen Traumberuf als Kind.

Heute ist mein Traumberuf...
Ich bin glücklich, Ministerpräsident zu sein. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich in einer späteren Lebensphase noch irgendwas ganz anderes Spannendes machen werde. Ich komme aus einer Generation, die nicht mehr denkt: Du bist für ewig Politiker und musst als solcher auch sterben. Doch im Augenblick ist es ein großes Geschenk das zu machen, was ich mache.

Meinen letzten Strafzettel habe ich kassiert für...
zu schnelles Fahren.

Ich habe das letzte Mal gelogen, als...
ich jemanden für einen Fehler kritisieren wollte, mich aber nicht getraut habe, das in der notwendigen Deutlichkeit zu tun, weil ich Angst hatte ihn zu verletzen. Da habe ich dann etwas geschwindelt.

Richtig abschalten kann ich, wenn...
ich meine Kopfhörer auf habe und guten Jazz höre.

Mein schönstes Urlaubsziel ist...
Schleswig-Holstein.

Wenn ich einen Tag lang...sein könnte, dann wäre ich gern...
Koch im Noma, einem der besten Restaurants der Welt in Kopenhagen.

Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war...
INRI – Die Schatulle von Thorsberg. Das ist ein Historien-Thriller, der in Schleswig-Holstein spielt und von meinem Büroleiter, Raju Sharma, geschrieben wurde. Ein sehr spannendes Buch, das ich jedem nur empfehlen kann.

Die Familie ist für mich...
etwas sehr Privates und sie gehört nicht in die Öffentlichkeit und auch nicht in die Politik.

Die größte Herausforderung meines Lebens war...
Ich glaube, die kommt noch.

Wenn ich selbst koche, dann...
alles, quer durch den Garten. Ich probiere gern neue Rezepte. Aber wenn ich ganz sicher sein will, dass es alle mögen, dann mache ich Nudeln mit einer leckeren Tomatensauce. Selbstgemachte Nudeln natürlich, die schmecken sehr viel besser.

Meine Kinder haben mich das letzte Mal stolz gemacht, als...
Mein Sohn als er seine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann abgeschlossen hat. Meine Tochter als sie angefangen hat, bei der Kieler Tafel mit zu helfen – ich fand es sehr schön, dass sie das für sich entdeckt hat.

Das letzte Geschenk für meine Frau außer zum Geburtstag und zu Weihnachten waren...
Blumen.

Wenn ich mal fünf Stunden offline bin, dann...
lese ich ein Buch.

Mein Lieblingsort in Schleswig-Holstein ist...
der Strandkorb in meinem Garten.

Für Schleswig-Holstein wünsche ich mir...
dass es den Mut nicht verliert trotz der vielen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Dass es weiter so weltoffen bleibt wie wir es momentan jeden Tag erleben und dass uns noch stärker bewusst ist, dass wir tatsächlich das schönste Bundesland der Welt sind.

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