Torhaus: Schlick raus, Kunst rein

Dietmar Lutz (links) übergibt als Bürgermeister von Elmshorn die Torhaus-Schlüssel an Ulrich Dose, Vorsitzender des Kunstvereins.
Dietmar Lutz (links) übergibt als Bürgermeister von Elmshorn die Torhaus-Schlüssel an Ulrich Dose, Vorsitzender des Kunstvereins.

Ein Kleinod wird hundert Jahre alt

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16. Juni 2018, 17:10 Uhr

Zum hundertsten Geburtstag des Elmshorner Torhauses, blicken wir zurück auf die Geschichte des Gebäudes. Den ersten Teil lasen Sie in der Freitagsausgabe der EN.

Schon nach der Räumung der Notquartiere 1938 gab es Pläne, das Torhaus abzureißen. Stattdessen sollte eine Schule gebaut werden. Doch diese Pläne wurden nie in die Tat umgesetzt.

Im Jahr 1977 entzündete sich die Diskussion um einen Komplettabriss erneut, nachdem die Stadtbücherei in neue Räume an der Königstraße verlegt wurde und das Torhaus teilweise ungenutzt blieb. Doch durch Engagement und Spenden von zahlreichen Bürgern konnte das Torhaus saniert und umgebaut werden. Ziel dabei war, ein kulturelles Zentrum für Elmshorn zu schaffen. Mehrere Vereine, unter anderem der Kunstverein, der 1978 seine erste Ausstellung auf die Beine stellte, sollten hier eine Heimat finden. Auch die Liedertafel und der Verkehrs- und Bürgerverein sollten hier einen Platz bekommen.

18 400 Mark waren dafür von den Bürgern zusammengekommen und der Elmshorner Architekt Walter Schweim verzichtete auf das Honorar. Trotzdem wurde die Sanierung, die 1979 begann, viel teurer als angenommen. Statt den veranschlagten 172 000 Mark Gesamtkosten mussten am Ende etwa 300 000 Mark ausgegeben werden.

Grund dafür waren bauliche Überraschungen. So stellte sich heraus, das die beiden Giebelwände eigentlich die stehengebliebenen Außenwände der inzwischen abgerissenen Fabrikbauten waren. Der gesamte Bau war dadurch instabil. Ungekannt war bis dahin auch die Unterkellerung, die im Zuge der Baumaßnahmen zum Vorschein kam. „Ein fast verzweifelter Kampf“ sei es gewesen, die Kellerräume von dem eingelaufenen Krückau-Schlick zu befreien, zitierten die EN am 2. Juni 1980 den Architekten Schweim. Fast ein halbes Jahr dauerte es, bis der Schlamm endlich raus war.

Die ausgeuferten Kosten führten in der Kommunalpolitik zu Aufregung. Während FDP und SPD nach anfänglicher Skepsis schnell einen erhöhten Zuschuss der Stadt versicherten, wurde bei der CDU diskutiert, ob man den Architekten Schweim, seinerseits FDP-Mitglied, in Regress nehmen wollte. Viel zu spät habe Schweim über die gestiegenen Kosten informiert. „Die FDP täte besser daran, ihr Mitglied und Vertreter der im Bauausschuss, Walter Schweim, die Leviten zu lesen“, zitieren die EN den damaligen CDU-Fraktionschef Benno Kolberg. Die FPD warf den Christdemokraten dagegen eine kulturelle Ignoranz vor. In ihrer Pressemitteilung zur Fertigstellung der Torhaussanierung schreiben sie: „Wäre es nach dem Willen der CDU gegangen, läge alles längst in Schutt und Asche. Diese Partei hat von Anfang an ihre kulturfeindliche Haltung demonstriert.“

„Was hier auf die Beine gestellt wurde, dürfte im Hamburger Umland so schnell nicht wieder zu finden sein!“, kommentierten die EN den Einstand im umgebauten Torhaus. Am 1. Juni 1980 feierte der Kunstverein hier seine erste Ausstellung – und zog mit dem Hamburger Grafiker und Zeichner Horst Janssen gleich einen großen Namen an Land. „Wenn in 50 oder 100 Jahren einmal die Spreu vom Weizen getrennt wird, ist Horst Janssen dabei – beim Weizen“, schätzte damals der Bildhauer Walter Arno, der die Einführung zur Ausstellung übernahm, den Rang des Künstlers ein. Er sollte Recht behalten: 2000 wurde in Oldenburg ein eigenes Horst-Janssen-Museum eröffnet.

Im Artikel zur Ausstellungseröffnung lässt die EN auch den Architekten zu Wort kommen: „Ich hoffe nun, dass sich nach Beendigung der Arbeit weitere Ansatzpunkte für mehr Menschlichkeit, Toleranz, Nachbarschaft und Kultur in dem Haus entwickeln – im Sinne eines besseren Mitarbeitens der Bürger dieser Stadt.“ Ein Wunsch, der sicherlich auch für die nächsten 100 Jahre gelten wird.

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