Tolle Idee am richtigen Platz

Das Publikum  auf dem Elmshorner Pott-Carstens-Platz ging bei den Auftritten gerne mit.
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Das Publikum auf dem Elmshorner Pott-Carstens-Platz ging bei den Auftritten gerne mit.

Konzert 600 Besucher beim ersten „Festival op platt“ auf dem Elmshorner Pott-Carstens-Platz direkt an der Krückau

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05. September 2017, 17:31 Uhr

„Hebbt ji markt, dat dat in Moll iss?“ Jochen Wiegandt spielt die getragene Melodie nochmal, diesmal in Dur – und jetzt ist es unüberhörbar: „Wir lagen vor Madagaskar ...“ Wiegandt, Musiker und Volksliedforscher, demonstrierte die Entstehungsgeschichte einiger sehr bekannter norddeutscher Lieder und erklärte die Wandlungen: Schifferklaviere – das sind die Akkordeons mit Knöpfen – können kein Moll, also wurde die Ursprungsmelodie nach Dur transponiert, der Text ein bisschen abgewandelt, und fertig war der Evergreen: „... und hatten die Pest an Bord.“

Wiegandt gräbt die Geschichten aus, die hinter dem stecken, was so vertraut wirkt. Am Sonntag erklärte der Hamburger in Elmshorn, wie ein Schweizer Volkslied übers Fensterln zum plattdeutschen Lied wurde, das wohl jeder mitsingen kann: „Datt du mien Leevsten büst“. Wie ein amerikanisches Tanzlied zum „Hamburger Veermaster“ wurde.Und weil er die bekannten Lieder dabei natürlich auch alle spielte, gab es für seine Zuhörer viele Gelegenheiten zum Schwelgen und Mitsingen, die gern genutzt wurde.
„Festival op platt“ hieß die Veranstaltung, zu der 600 Besucher an die Krückau gekommen waren. Die Zuhörer saßen auf Hobelbrettern und Strohballen. Hinter der Bühne der Fluss, links die Klappbrücke und dann die Hafensilhouette mit dem Peter-Kölln-Gebäude, rechts versank die Sonne hinter hohen Bäumen: ein schönes Eckchen Elmshorn präsentierte sich.

Das soll bekannter werden, das steckt hinter dem Festival. Denn nicht nur Moderator Norbert Radzanowski – viele Jahre Gesicht des Schleswig-Holstein-Magazins im NDR – erging es wohl so, dass er den Pott-Carstens-Platz erstmal suchen musste und an zwei Tankstellen im Ort beim Nachfragen keine Auskunft erhielt. „Ich kannte den Platz auch nicht“, bekannte Helmut Hamke, der seinem Sohn Mirko bei der Organisation half. Zwischen Edeka Hayunga und Krückau liegt er, wurde erst im vergangenen Jahr offiziell eröffnet und jetzt zum ersten Mal in großen Stil genutzt. „Wir freuen uns, dass der Platz endlich mal belebt wird“, sagte Bürgermeister Volker Hatje im Interview mit Radzanowski. Am liebsten sähe Hatje es, wenn das Festival zur jährlichen Veranstaltung würde.

„Wir müssen uns hinterher erstmal zusammensetzen“, bremste Helmut Hamke diese Euphorie. Hamke hatte seine alten Kontakte spielen lassen, um für die Premiere prominente plattdeutsche Künstler nach Elmshorn zu holen: Die Finkwarder Speeldeel, Godewind, Gerrit Hoss, Lokalmatador Joki Theege und die junge Hamburger „Tüdelband“. Deren vier Musiker holten ihr Publikum bei der Zugabe in norddeutschem Tempo von den Sitzen: „erst die Finger bewegen, dann aufstehen und den Mors in Bewegung“. Die Tüdelband demonstrierte, dass platt auch bei moderner Popmusik funktioniert. Die Finkwarder brachten Tradition in Tänzen und Liedern auf die Bühne und verplattdeutschten „Surfin’ USA“ zu „Kuddelmuddel an de See“.

„Wunderschön, super Veranstaltung“, lobte Meik Kröger aus Elmshorn: „Nichts Überkandideltes, was nach zwei Jahren vergessen ist“. Hannelore Schreiber aus Osterhorn genoss die plattdeutschen Lieder und Reden: „Ich kann es nicht sprechen, aber alles verstehen. Ich mag die Sprache“.

Andrea Jacobsen aus Klein Nordende war gekommen, weil sie Hamkes Veranstaltungen im dortigen Töverhuus kennt und mag. Jetzt befand sie: „Ort und Ambiente, das ist perfekt“. Ihr Mann ergänzte: „Es wurde ja Zeit, dass der Platz mal belebt wird.“

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