Horst/Itzehoe : Tödlicher Unfall: Mitfahrer verurteilt

Gebrüderpaar forderte Todesfahrer zur Flucht auf. Haft- und Geldstrafen erteilt.

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09. April 2013, 08:29 Uhr

Horst/Itzehoe | Samantha B. war nur 16 Jahre alt, als sie nach einem Unfall auf der Heisterender Chaussee in Horst starb. Todesfahrer Umut A. hatte sich im Juli 2011 nach einer durchfeierten Nacht in der Elbmarschenhalle betrunken ans Steuer gesetzt, wenig später verursachte er auf dem dunklen Feldweg den folgenschweren Unfall. Umut A. wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Gestern wurden die Urteile gegen seine beiden Mitfahrer, die Gebrüder S. aus Westerhorn, gesprochen.

Es war nicht das erste Verfahren gegen die Brüder in dieser Sache. Der Ältere (27) wurde in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen verurteilt, sein jüngerer Bruder (25) freigesprochen. Gegen beide Entscheidungen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein - mit Erfolg. Das Brüderpaar wurde nun bedeutend härter verurteilt. Bei der Strafzumessung übertraf Richter Werner Hinz sogar die Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Seiner Überzeugung nach sind die Brüder gemeinsam mit dem Todesfahrer zu einer Party in der Elbmarschenhalle gefahren. "Ziemlich früh hat man dann eine Flasche Wodka bestellt, die innerhalb kurzer Zeit leer war", rekonstruierte Hinz den Tatabend. Das Trio habe die meiste Zeit zusammen gefeiert, "der Fahrer war offenkundig fahruntüchtig, das haben die beiden Angeklagten auch wahrgenommen", so Hinz weiter. Eigentlich habe man ein Taxi nehmen, das Auto später abholen wollen - beides scheiterte. Wieso blieb unklar. Stattdessen setzte sich Umut A. an das Steuer des Pritschenwagens - betrunken. "Das war allen klar. Deswegen befuhren sie einen Schleichweg", so Hinz.

Dann passierte der Unfall. Und jetzt, da ist sich der Richter sicher, machten sich die Brüder strafbar. Denn: der Ältere der beiden forderte den Unfallfahrer auf, mit seinem jüngeren Bruder fortzufahren. "Der Fahrer war zu diesem Zeitpunkt nicht fest entschlossen, loszufahren", sagt Hinz - erst diese Aufforderung veranlasste ihn zur Unfallflucht. Als ihn der jüngere Bruder dann auch noch am Ellenbogen anfasste und womöglich in Richtung des Autos schob, sei sein Entschluss klar gewesen: Umut A. verließ die Unfallstelle, ließ die tödlich verletzte Samantha B. im Graben zurück. Womöglich, auch das konnte nicht abschließend geklärt werden, leistete der ältere Bruder zunächst Erste Hilfe, hielt dann auf jeden Fall ein Taxi an, dessen Insassen sich um das Mädchen kümmerten.

An der Aussage des Todesfahrers, der die beiden Brüder schwer belastete, hatte Richter Werner Hinz keine Zweifel. "Er hat keine Motivation, sich selbst zu begünstigen. Er wurde bereits verurteilt," so Hinz.

Demnach sei der 27-Jährige S. der Anstiftung zur Unfallflucht und zur Trunkenheit im Verkehr schuldig - und damit sei er genauso zu bestrafen, wie der eigentliche Täter. "Hier handelt es sich um den denkbar schwersten Fall einer Unfallflucht", sagte Hinz. Der Angeklagte habe davon ausgehen müssen, dass das Unfallopfer schwer verletzt wurde, als er den Fahrer zur Flucht überredete. Zusammen mit einer erst vor kurzem erfolgten Verurteilung in einer anderen Sache wurde der 27-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten und zwei Wochen auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte lediglich eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen gefordert, die Verteidigung 90. "Die Strafzumessung war ein Problem und könnte zu Kontroversen führen", räumte Hinz ein.

Der jüngere Mitfahrer wurde wegen Beihilfe zur Trunkenheit im Straßenverkehr und zur Unfallflucht zu einer Geldstrafe von 170 Tagessätzen verurteilt, 30 mehr als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Ebenfalls enthalten ist eine Strafe in einer anderen Sache. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Die Brüder nahmen die Urteile wortlos entgegen; ihre Anwälte Christoph Heer und Marcus Schroeder schüttelten bloß mit dem Kopf.

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