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Elmshorn : Todesschütze stellt sich der Polizei

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Mit einer Maschinenpistole töte Osman T. 1996 einen Mann in Elmshorn. Sechs der zehn Jahre Haft saß er ab, dann wurde er in die Türkei abgeschoben. Jetzt ist der 42-Jährige wieder im Gefängnis.

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erstellt am 24.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Elmshorn | Es ist eines der spektakulärsten Verbrechen der vergangenen Jahrzehnte im Kreis Pinneberg: Im Juni 1996 wurde Igor Kostyrko in seiner Wohnung in der Elmshorner Jürgenstraße mit einer Maschinenpistole regelrecht hingerichtet. Zwölf Kugeln trafen den 26-Jährigen in Kopf und Bauch. Jetzt sitzt der Todesschütze wieder im Gefängnis. Osman T. stellte sich in der vergangenen Woche direkt nach seiner Einreise aus der Türkei den Behörden am Hamburger Flughafen. Bei der Passkontrolle wies er darauf hin, dass er in Deutschland noch eine Reststrafe abzusitzen habe.

1504 Tage Gefängnis warteten noch auf T. Dieser war erst acht Jahre nach der Bluttat zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Sechs der zehn Jahr saß er ab. Dann wurde der Türke in sein Heimatland abgeschoben – allerdings unter der Bedingung, nie wieder nach Deutschland zurückkehren zu dürfen.

Doch warum stellte sich der Todesschütze jetzt in Deutschland? „Er wollte nicht mehr alleine in der Türkei bleiben. Seine Familie lebt hier“, berichtet Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Tochter und Frau von Osman T. sollen in Deutschland leben. Dreeßen vermutet, dass der 42-Jährige die Behörden milde stimmen möchte. So habe er die Chance, nach zwei Dritteln der Strafe auf Bewährung frei zu kommen. In diesem Fall wäre Osman T. statt in etwa vier Jahren schon in zehn Monaten wieder auf freiem Fuß und mit seiner Familie vereint. Allerdings droht dann die Abschiebung durch die Ausländerbehörde. „Bei einer so schwerwiegenden Straftat wird in der Regel die Ausweisung verfügt und auch durchgesetzt“, sagt Dreeßen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Osman T. direkt von seiner Gefängniszelle in Lübeck wieder zum Flughafen geleitet wird. Der Antrag auf vorzeitige Haftentlassung sei bislang aber noch nicht gestellt worden.

Das Landgericht Itzehoe hatte 2004 eine zehnjährige Haftstrafe wegen Totschlags gegen Osman T. verhängt. Obwohl auch der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing von „einer Art Hinrichtung“ sprach, wurde Osman T. nicht wegen Mordes verurteilt. Das Gericht ging von einer Tat im Affekt aus, da sich Täter und Opfer zuvor verbal über die Rückzahlung einer Geldschuld gestritten hatten. Der Todesschütze hatte sich von der Ehefrau des Opfers, mit der er ein Verhältnis hatte, eine größere Summe geliehen.

Der Prozess gegen Osman T. verzögerte sich so lange, weil sich der Täter direkt nach den Schüssen in die Türkei abgesetzt hatte. Dort wurde er zwar im Herbst 1996 festgenommen, eine Auslieferung nach Deutschland verweigerte die Türkei aber. Die Anklage vor dem türkischen Gericht endete mit einem Freispruch, weil eine Bekannte dem Täter ein Alibi gab. Osman T. reiste kurz darauf als freier Mann wieder in Deutschland ein. 2003 widerrief die Bekannte jedoch ihr Geständnis. Sie gab an, von ihrem Zuhälter Osman T. unter Druck gesetzt worden zu sein. Im folgenden Prozess wurde der Schütze schließlich verurteilt.

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