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Zwei Räder und jede Menge Fantasie : „Toddi“ Schulz - der Motorradbauer aus Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Torsten „Toddi“ Schulz baut seit zwölf Jahren Motorräder. Auf Shows gewinnt er damit regelmäßig Preise.

shz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Es gibt Motorradfahrer, die fahren nur sonntags, bei sonnigem Wetter und wenn nichts Gutes im Fernsehen läuft. Schön-Wetter-Fahrer nennt man solche Biker. Aber Toddi hat noch einen anderen Namen dafür: „Alles Muschis.“

Toddi, eigentlich Torsten Schulz aus Elmshorn, baut seit vielen Jahren Motorräder selbst. Manche Teile werden dafür gekauft, andere selbst hergestellt. Für die Tanks stellt Toddi vorher Modelle aus Pappe her; die Lenkerform entwirft er aus Kupferrohren, bevor er sie aus Stahl nachproduziert. Herzstück ist aber der Motor, und da gibt es nur eine Marke für ihn: „Das sind alles hundertprozentige Harleys.“

Toddi verbaut nur Motoren, die vor 1984 entwickelt wurden. Damals war Harley-Davidson noch eigenständig. „Ich mochte schon immer das Alte“, erklärt er. Die alten Sachen haben was zu erzählen. Purple Pain heißt sein aktuelles Schaustück, mit dem er bei den Hamburger Harley Days einen Preis gewonnen hat. Lackiert ist das Bike im auffälligen Violett. „Den Motor habe ich vom letzten Wings & Wheels. Da kam ein alter Rocker an und sagte, er hätte noch ein Regal voll Schrott, das könne ich haben.“ Toddi holte mehrere Kartons ab. Ein Motor ist dabei, aber Toddi rümpft ein wenig die Nase, als er davon erzählt – es ist ein E-Starter. „Die sind so anfällig.“

Auf Chopper-Shows trifft Toddi auch Promis. Mit Peter Maffay verbindet ihn eine besondere Beziehung. Die beiden sehen sich öfter und Toddi dürfte auch in Maffays Musikvideos mitspielen.
Auf Chopper-Shows trifft Toddi auch Promis. Mit Peter Maffay verbindet ihn eine besondere Beziehung. Die beiden sehen sich öfter und Toddi dürfte auch in Maffays Musikvideos mitspielen. Foto: Schulz
 

Toddi mag die alten Maschinen, weil man sie noch selbst reparieren kann. „Wenn ich mit meinen Jungs unterwegs bin und einer bleibt mal stehen, dann holen wir unsere Schraubenschlüssel raus und machen die Maschine am Straßenrand wieder flott.“ Er ist oft mit seinen Jungs unterwegs. Auf Facebook zeigt er Videos von ihren Touren; Männer, die sich grüßen und gegenseitig necken. Die Gruppe trägt schwarze Lederjacken und viele haben tatowierte Arme. Alles Rocker? Toddi schüttelt den Kopf. „Rocker ist eigentlich ein Schimpfwort geworden.“ Keine krummen Dinger. Toddi sagt, für ihn stehe der Spaß im Vordergrund. „Ich habe noch nie erlebt, dass es auf unseren Veranstaltungen Ärger gab.“ Er selbst geht sogar noch einen Schritt weiter: „Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich hure nicht rum.“

Vom Gesellschaftsbild, das von Motorradfahrern vorherrscht, ist Toddi eher genervt. Die Möchtegern-Rocker, die sich am Wochenende in dunkle Lederkluft schwingen und einen dicken Max markieren? „Bösegucker nennen wir die. Die lachen wir aus.“ Was Toddi und seine Kumpels beim Motorrad fahren suchen, ist etwas anderes. Freiheit könnte man das nennen. Und auch wenn das ein wenig muschihaft klingt: Sinnlichkeit. Denn Toddis Motorräder sind nicht sehr komfortabel. Erschütterungen werden nicht gedämpft, die Sitzhaltung ist unbequem und er baut im japanischen Stil, das heißt, Toddis Motorräder, und deren Sitzbänke, sind extrem schmal. „Das macht es ruppig. Wenn wir fahren, ist das Arbeit.“ Aber – man spürt was. Die Straße, den Wind, den Regen.

Toddi mit seinem neusten Projekt: die Purple Pain.
Toddi mit seinem neusten Projekt: die Purple Pain. Foto: Daniela Lottmann
 

Was er damit meint wird deutlich, als er sein Bike „One Eye“ starten möchte. Das Motorrad hat einen Kickstarter und Toddi muss mit Schwung und der Kraft seines ganzen Körpers in den Starthebel treten. Es dauert ein paar Versuche, bis „One Eye“ mit lauten Knallen stabil läuft. Das Motorrad ist schmal gebaut, an einigen Stellen wirkt es fast wie ein Fahrrad. Aber es donnert wie ein Ackerbulldog, mit dem man Bäume entwurzeln kann. Und es duftet. Nach Benzin, Öl, Staub und ein wenig nach diesen scharfen Geruch, der beim Flexen von Metall entsteht. „Man riecht, dieses Alte.“ Fast jedes Wochenende ist er mit seinen Bikes unterwegs und nimmt an Wettbewerben teil. „Für mich ist es wichtig, dass ich alles selbst mache. Ich sage nicht, dass meine Bikes perfekt sind. Aber es reicht, um Preise zu gewinnen. Und wenn ein altes Motorrad zu perfekt ist, lebt es nicht mehr.“

Wer selbst das Alte in Toddis Bikes entdecken will, kann ihn und seine Motorräder am Wochenende beim Motorfestival Wings & Wheels in Heist treffen.

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