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Susanne Störmer : Titanic-Verein Deutschland: Leben mit dem Jahrhundertmythos

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit 1997 gibt es den Titanic-Verein in Deutschland. Eine Elmshornerin ist Gründungsmitglied.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2017 | 18:49 Uhr

Elmshorn | Die Zahlen sagen alles – und doch so wenig: 41° 43' 55“ N, 49° 56' 45“ W. Unmissverständlich markieren die Koordinaten den Ort, an dem die Titanic im Nordatlantik versank. Es war der 15. April 1912, 2.20 Uhr, als der untergehende Luxusliner mehr als 1500 Menschen mit in den Tod riss. Ein Eisberg hatte den Bauch des Schiffes aufgerissen. Der Untergang des Wunderwerks der Ingenieurskunst zerstörte auch den Traum von der Unfehlbarkeit der Technik. Die Welt stand still.

Ein bisschen ist das bis heute so geblieben, zumindest für die Mitglieder des Deutschen Titanic-Vereins. Sie wissen alles über die Katastrophe, forschen und informieren unaufhörlich – auch international. Der Verein besteht seit 20 Jahren und feiert den Geburtstag ganz groß während der Hauptversammlung vom 9. bis 11. Juni in Köln. Dann ist auch die Elmshornerin Susanne Störmer (48) dabei. Die Diplom-Kauffrau ist Titanicerin der ersten Stunde. Am 11. Juni 1997 war sie Gründungsmitglied und wurde damals zur Vorsitzenden gewählt. Das wirkt bis heute nach: Der Deutsche Titanic-Verein hat seinen Sitz in Elmshorn.

„Wir dachten vor 20 Jahren: Wenn wir 50 Mitglieder bekommen, sind wir gut“, sagt Susanne Störmer. Heute hat der Verein 240 Mitglieder und pflegt weltweite Kontakte. Susanne Störmer, eine der profiliertesten deutschen Titanic-Expertinnen , erinnert sich noch gut an den Hype um die Titanic, der kurz nach Vereinsgründung einsetzte. James Camerons Spielfilm mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet fachte die Hysterie an. Schnell war Susanne Störmer die gefragteste Titanic-Expertin in Deutschland. „Mein Telefon klingelte rund um die Uhr“, sagt sie. Störmer war Dauergast in den Medien. Auch 2012, als sich das Unglück zum 100. Mal jährte, waren Störmer und ihre Vereinskollegen im Titanic-Stress.

Heute ist alles etwas ruhiger. Die Mitglieder haben Zeit, sich intensiv inhaltlich mit dem Unglück auseinanderzusetzen. Und das tun sie akribisch und anerkannt seriös. Viermal im Jahr erscheint die Vereinszeitschrift „Der Navigator“. Dort publizieren Susanne Störner und ihre Mitstreiter nicht nur Neuigkeiten aus dem Club. Es gibt Abhandlungen, Bilderstrecken, Artikel, Besprechungen und Thesen rund um Schiff, Besatzung und Passagiere. „Es gibt ständig Neues zu berichten, immer wieder tauchen weitere Aspekte auf“, sagt Susanne Störmer.

Susanne Störmer aus Elmshorn ist Gründungsmitglied und Kassenwartin.

Susanne Störmer aus Elmshorn ist Gründungsmitglied und Kassenwartin.

Foto: en

Und was fasziniert die Elmshornerin so sehr an der Titanic? „Ganz einfach“, sagt die gebürtige Eckernförderin, „die Geschichte ist unschlagbar gut: Das damals größte Schiff der Welt sinkt unter dramatischen Umständen. Berühmte Menschen sterben. Da entstehen viele Legenden und Mythen.“

Diesen Geschichten geht die Elmshornerin mit anderen Experten aus ihrer Vereinigung nach. Den Vereinsvorsitz hat Susanne Störmer im Jahr 2000 abgegeben. Heute ist sie als Kassenwartin unter anderem für die Finanzen und die ausführliche Internetpräsenz zuständig. Vorsitzender ist der Historiker Malte Fiebing-Petersen aus Schwedeneck (Kreis Rendsburg-Eckernförde).

Laut Susanne Störmer ist ihre Vereinigung mit seinen 20 Jahren weltweit der jüngste Titanic-Verein. Der älteste wurde 1963 in den USA gegründet. Derzeit gibt es sieben Vereine in Europa, zwei in den USA und einen in Kanada. In der Vergangenheit war der deutsche Titanic-Verein unter anderem Partner von Ausstellungen in Kiel (2007), Wiesbaden (2010), Speyer (2014/15) und Linz (Österreich 2016).

Zu ihren Jahreshauptversammlungen treffen sich die Titanicer jedes Mal an einem anderen Ort. 2011 war das Hotel Cap Polonio in Pinneberg Tagungsort. Der Grund: Teile der Inneneinrichtung des Hauses stammen vom alten Hamburg-Süd-Dampfer „Cap Polonio“.

Dieses Jahr ist Köln Treffpunkt. Dort feiert der Titanic-Verein seinen 20. Geburtstag unter anderem mit einem Vortrag über James Camerons Titanic-Film. Malte Fiebing-Petersen durchleuchtet den Streifen auf seine historische Korrektheit. Schließlich gehört das Hollywood-Epos wie der Verein seit 20 Jahren zur unendlichen Titanic-Geschichte.

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