Kolumne : Tiedemanns Elbansichten: Wenn die Kinder am Strand schön spielen

Kollmaraner und Kolumnist: Arne Tiedemann.

Kollmaraner und Kolumnist: Arne Tiedemann.

Unser Kolumnist Arne Tiedemann ist eigentlich Bibliothekar und schreibt hier jede Woche über Heimatliebe, Spleens und Alltagsphilosophien.

shz.de von
25. Juli 2018, 14:00 Uhr

Elmshorn | Unterhalten sich zwei Frauen. So fangen nicht nur viele schlechte Witze an, sondern auch ein aufschlussreiches Erlebnis von letzter Woche, welches mich noch immer ratlos zurücklässt.

Vorm Supermarkt unterhalten sich zwei Frauen. Direkt vor der Tür. Ich umkurvte sie mit einem eleganten Schlenker mit meinem Einkaufswagen und im Vorübergehen schnappte ich zusammenhangslos den Satz „Und dann fahr‘n wir noch mit die Family nach Sand Peter, da können die Kids dann schön an‘n Beach!“ auf. Ich war beeindruckt. Ein Satz wie ein Kunstwerk – zu nichts zu gebrauchen!

Gegen viele Wörter dieses Satzes ist bestimmt nichts einzuwenden, selbst die unsaubere Aussprache „Sand Peter“ als Deppenabkürzung für das seit Ewigkeiten am Wochenende und bei gutem Wetter durch unzählige Horden an Ufertouristen heimgesuchte Nordseeheil- und Schwefelbad Sankt Peter-Ording, mit seinem für unsere bescheidenen, norddeutschen Verhältnisse gigantischen und kilometerlangen und -breiten Strand, ist gerade noch so im Bereich des Akzeptablen, sofern man der Frau einen bildreichen Wortwitz zugesteht; was ich aber nicht tue.

Diese ständige Kurznachrichtenerstellung

Es geht hier nur gar nicht um eine falsche, reaktionäre Deutschtümelei und ewige Klugscheißerei über das übertriebene Gebrauchen von englischen Lehnwörtern in der deutschen Umgangssprache und die korrekte Anwendung der drei bestimmten Artikel, sondern darum, dass die Leute allgemein einfach nicht mehr richtig reden, sondern, begründet durch diese ständige Kurznachrichtenerstellung bei WhatsApp und anderen Doofmachern auf dem Smartphone (der deutsche Begriff hierfür wäre wohl „Zweitgehirn“), nur noch seltsame Halbsätze und hohle Phrasen nuscheln. Es wird ja auch nicht mehr geschrieben, sondern nur noch getippt. Wenn überhaupt, im Grunde werden nur noch Fotos oder diese dämlichen Emojis und Zwinkerfratzen verschickt. *Grins*

Jeder soll von mir aus so reden, wie ihm der Schnabel verwachsen ist. Ich aber werde dennoch weiterhin zu halbwüchsigen Menschen beiderlei Geschlechts „Kinder“ sagen, und solange ich keine Reise zu bestimmten Orten in Florida oder Kalifornien machen werde, gehe ich jedenfalls immer noch zum Strand. Auch auf die Gefahr hin, dass mich bald keiner mehr verstehen wird, wenn ich weiterhin mit der korrekten Grammatik und in ganzen Sätzen spreche und schreibe. Und was ich von dem Gebrauch des Wortes „Family“ halte, werden Sie sich sicherlich auch denken können. Und dazu brauchen Sie dann nicht einmal Ihren Kopf!

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