Kolumne : Tiedemanns Elbansichten: Smartphone kaputt – mir geht es gut!

Kollmaraner und Kolumnist: Arne Tiedemann.

Kollmaraner und Kolumnist: Arne Tiedemann.

Unser Kolumnist Arne Tiedemann ist eigentlich Bibliothekar und schreibt hier jede Woche über Heimatliebe, Spleens und Alltagsphilosophien.

shz.de von
08. August 2018, 14:00 Uhr

Elmshorn | Mein Telefon für unterwegs ist kaputt! Aber nur ein bisschen, was im Grunde schlimmer ist als ein Komplettausfall oder Totalverlust. Seit einer Woche funktioniert ein bestimmter Teil des berührungsempfindlichen Bildschirms nicht mehr, durch den man für gewöhnlich per zartem Fingerdruck das Gerät steuert und bei bestimmten Anwendungen mittels einer virtuellen Tastatur Buchstaben, Wörter und sogar ganze Sätze tippen kann. Ich weiß, nicht alle können das. Ich gehe jetzt einmal nur von mir aus, denn zur Abwechslung geht es hier mal um etwas in eigener Sache. In meinem speziellen elektronischen Notfall laufen die Bereiche des Apparats nicht mehr, in dem man die Buchstaben f und c drückt.

Zwar ist mir vollkommen bewusst, dass ich das „Smartphone“ (eine Bezeichnung, die ins Deutsche übersetzt so viel wie „schlaues Telefon“ bedeutet, aber auch nichts bringt, wenn der Telefonbesitzer immer noch so blöd ist wie 3 Meter Radweg) lediglich um 90 Grad zu drehen brauche, um so die Anzeige und den Bildschirm im Querformat zu gebrauchen, doch verlagert das das Problem auf den Buchstaben i, den ich auch ganz gerne und oft verwende.

Ich bin mir ebenfalls im Klaren, dass ich alle Menschen, denen ich umständlich Nachrichten tippe, mittels desselben Geräts auch anrufen oder eine Sprachaufzeichnung (übrigens die dämlichste Erfindung seit dem Selfie, wie ich finde) senden kann, zumal ich mir sicher bin, dass in der Sprachübertragung alle Buchstaben funktionieren und verständlich sind. Doch wissen wir doch alle, dass man mit einigen Leuten gar nicht sprechen möchte. Also tippt man lieber umständlich auf dem kleinen Kasten herum.

Man muss zudem kein großer Literat sein, um ohne f und c, diese beiden unscheinbaren Konsonanten und überschaubaren Mitglieder des modernen lateinischen Alphabets, schnell an die Grenzen der schriftlichen Texterstellung zu kommen. Man denkt ja gar nicht, wie oft diese beiden Schriftzeichen zwingend gebraucht werden, wenn man von sich, seinem Alltag oder Leben schreiben und nicht pauschal jede Nachricht mit „Mir geht es gut!“ beantworten möchte.

So muss ich wohl nun auf eine vollkommen textfreie und dafür bildliche Kommunikation mittels diesen vielfältigen Symbolen und Dutzenden Zwinkerfratzen umstellen, die das kleine Zweitgehirn freundlicherweise zur Verfügung stellt. Oder ich verfasse handschriftliche Sätze auf ein richtiges Blatt Papier, fotografiere das ab und verschicke es als Bild. Wie auch immer, seien Sie sich sicher: Mir geht es gut!

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