Kolumne : Tiedemanns Elbansichten: Da hat man vom Essen schnell die Nase voll

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Kollmaraner und Kolumnist: Arne Tiedemann.

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Unser Kolumnist Arne Tiedemann ist eigentlich Bibliothekar und schreibt hier jede Woche über Heimatliebe, Spleens und Alltagsphilosophien.

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10. Oktober 2018, 15:00 Uhr

Nach so vielen Jahren unterschwelliger Lebenshilfe und latenter Dienstleistung mit unkonkreten Antworten auf nie gestellte Fragen, nun zur Abwechslung mal an dieser Stelle etwas Handfestes und ein ganz direkter Ratschlag gezielt an alle Frauen und Männer, Kinder und Hunde, die, auch mal was Nahrung in fester Form zu sich nehmen. Liebe Mitesser, bitte lassen Sie sich Zeit dabei. Es muss nicht immer alles superschnell gehen und hastig übers Knie gebrochen werden. Schon unsere Großelterngeneration hat es doch gepredigt, jeden Bissen mindestens 30 Mal zu kauen. Dann hat man erstens mehr davon, mit der Verdauung läuft es dann auch gleich viel besser und das Brot und das Lachen bleiben einem nicht im Halse stecken.

Eigentlich versuche ich mich bei jeder Mahlzeit (es sein denn, es gibt Suppe) daran zu halten, was die Oma schon wusste, nur gelingt mir das nicht immer. Als ich kürzlich gemütlich beim Frühstück saß und den Tag gemächlich angehen wollte, fiel mein Blick eher nebenbei auf die Uhr und die ungeahnt vorgerückte Zeit deutete mir, dass ich spät dran war für das, was ich mir alles für den Tag vorgenommen hatte. Ich wollte noch einkaufen, sauber machen, den Keller aufräumen, die Steuern erklären, einen Baum pflanzen und abends auf die Piste sowieso.

Im Aufstehen trank ich den Kaffee hastig in einem Zug und stopfte mit dem halben Brötchen mit Erdnussbutter hektisch nach. Und selbstverständlich verschluckte ich mich dabei und bekam einen nicht gerade kleinen Teil der Semmel durch mir unbekannte Umstände von innen in die unmittelbare Nasengegend. Für einen Moment dachte ich sogar, nun müsste ich doch etwas über das Knie und auf den Teppich brechen.

Das Stück Brötchen im vorderen Nasen-Rachen-Raum bestimmte fortan den Tag und wie ein übereifriger Spürhund, der gerade einen tonnenschweren Drogenfund am Flughafen gemacht hat, hyperventilierte ich zwar ebenso geräuschvoll, aber weniger glücklich durch den Tag. Ich atmete im Sekundentakt geräuschvoll durch die Nase und versuchte, mich irgendwie von dem Fremdkörper dort zu befreien. Beim Aufräumen, beim Saubermachen und auch im Discounter an der Kasse, wo die Frau vor mir in der Schlange sich langsam und befremdet nach mir umdrehte, weil ihr meine laute Atmung alles andere als geheuer vorkam.

Erst spät am Abend löste sich das Problem dann langsam auf, bis dahin roch aber alles irgendwie nach Erdnuss. Also, lassen Sie sich beim Essen ruhig alle Zeit, denn vom hastigen Essen hat man schnell die Nase voll.

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