Tiedemann zum Anhören : Lesung in Tornesch: So wurde unser Kolumnist zum Bibliothekar

Dutzende Gäste verfolgten den Abend mit Arne Tiedemann in Tornesch.

Dutzende Gäste verfolgten den Abend mit Arne Tiedemann in Tornesch.

Bei seiner Lesung in Tornesch zog Arne Tiedemann die Zunft der Leihbuchhändler durch den Kakao.

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01. Dezember 2019, 16:00 Uhr

Tornesch | Bibliothekar – nein. Das sei man nicht von Geburt an. Das werde man eher „amazonasgleich auf verschlungenen Wegen“, höchstens durch Zufall oder vielleicht, „weil man den Verstand oder eine Wette verloren hat“, erklärte Arne Tiedemann. Doch nie freiwillig und schon gar nicht, weil es der Berufswunsch aus Kinderzeiten sei. So ein Outing in der Schulzeit wäre „sozialer Selbstmord“ gewesen, meinte er. „Dann hätten mir auf dem Flur sogar die Lehrer ein Bein gestellt.“

 

Bei der sechsten Tornescher Tortenlesung unter dem Titel „Ich bin Batman“ in der Stadtbücherei Tornesch zog der studierte „Leihbuchhändler“ und Kolumnist von shz.de am Freitagabend sich und seine ganze Zunft durch den Kakao und sorgte damit für Lachanfälle im ausverkauften Haus.

Arne Tiedemann gibt es bei uns jetzt auch zum Hören. Lauschen Sie jede Woche unserem Kolumnisten, wie er seine einzigartigen Elbansichten vorliest und das wann und wo immer Sie wollen. Alles, was Sie dazu brauchen, ist ein internetfähiges Gerät. Die Hörbeiträge zu den Elbansichten finden Sie auf www.shz.de/elbansichten. Jeden Mittwoch gibt es eine neue Folge, zum Anhören und Schmunzeln. Um einen Eindruck zu bekommen, sind die ersten fünf Folgen für eine Woche kostenlos im Internet verfügbar. Im Anschluss ist eine Registrierung oder ein Digital-Abo notwendig.

Eigentlich wollte Tiedemann Tierfänger werden. Oder zumindest reich. Irgendetwas, womit man Frauen beeindrucken könne eben. Doch seine Tierphobie, Matheschwierigkeiten und auch sonst „fehlenden Talente“ verhinderten die Karrierewünsche. Stattdessen müsse er heute mit Lesungen und Amüsements wie diesem sein Gehalt aufbessern, bedauerte der 46-Jährige.

Tiedemann ist beliebt

Nordisch trocken, eloquent formuliert, überspitzt und dabei trotzdem herrlich ehrlich erzählt Tiedemann in seinem anderthalbstündigen Programm, warum er für zwölf Jahre Schule 14 Jahre brauchte, wieso er in einer Englisch-Arbeit einmal eine 7 kassierte und weshalb der Anmach-Spruch „Übrigens Baby, ich bin Bibliothekar“ noch niemals zog. Besser sei da der Spruch: „Ich bin Batman“ – oder?

Ist er Batman? Etwa 70 Zuschauer erfuhren das am Freitag von Arne Tiedemann in Tornesch.
Lisa Kleinpeter
Ist er Batman? Etwa 70 Zuschauer erfuhren das am Freitag von Arne Tiedemann in Tornesch.
 

„Er ist so offen und ehrlich“, schwärmte Sina Liebreich aus Uetersen in der Tortenpause. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Susanne Fuchs und Mirja Holz war sie wegen Tiedemann nach Tornesch gekommen. „Bisher kannte ich ihn nur von der Kolumne Elbansichten in der Zeitung“, sagte Fuchs.

Tiedemanns Lesung sei die „beste, wichtigste und schönste Veranstaltung im Jahr“, betont Michael Harbeck, Leiter der Stadtbücherei. Die beiden Männer verbindet eine lange Freundschaft. 1997 begann Tiedemann bei ihm sein erstes Praktikum im Bibliothekswesen. Vor zehn Jahren folgte dann die erste Tortenlesung. Damals mit sieben Zuhörern. An diesem Abend sind es zehnmal so viele.

Unser Kolumnist Arne Tiedemann ist eigentlich Bibliothekar und schreibt hier jede Woche über Heimatliebe, Spleens und Alltagsphilosophien. Sie wollen noch mehr Elbansichten lesen? Hier finden Sie die bisher erschienenen Kolumnen.
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