Appener Gespräche : THW war schon in mehr als 130 Ländern im Einsatz

So kennt man Einsätze des THW in Deutschland. Oft unterstützen die „Blauen Engel“ die Feuerwehr, wie hier in Quickborn.
So kennt man Einsätze des THW in Deutschland. Oft unterstützen die „Blauen Engel“ die Feuerwehr, wie hier in Quickborn.

Klaus Buchmüller, THW-Referatsleiter Ausland, referierte bei den Appener Gesprächen in der Unteroffizierschule.

shz.de von
28. Mai 2018, 10:00 Uhr

Appen | Fast jeder kennt das Technische Hilfswerk (THW). Doch welche Aufgaben übernehmen die Helfer seit der Gründung vor 60 Jahren? Wie sind sie organisiert? Gibt es Nachwuchssorgen?

Beim „Appener Gespräch“, das am Donnerstagabend in der Marseille-Kaserne stattfand, wurden diese und andere Fragen um das Thema „Technische Hilfe im Ausland im Auftrag der Bundesregierung“ beleuchtet. Extra aus Bonn angereist war der Referent Klaus Buchmüller, der für die Einsätze im Ausland verantwortlich ist.

Neu in Schleswig-Holstein

„Mit Blick auf den Tag der Bundeswehr am 9. Juni ist das Thema besonders interessant, da dort Kräfte für den Katastrophenschutz mit THW, der Feuerwehr, dem DRK sowie der DLRG zusammen mit der Bundeswehr ihre Arbeit demonstrieren werden“, sagte Oberstabsfeldwebel Michael Schmidt. Und Buchmüller fügte hinzu: „In Schleswig-Holstein wurde solch eine Übungssituation bisher noch nicht öffentlich gezeigt. Der Höhepunkt dürfte auf jeden Fall die Beladeübung mit dem ebenfalls vor Ort befindlichen Transportflugzeug Transall des Lufttranssportgeschwaders 63 aus Horn sein.“

„Blaue Engel“ wurden die Einsatzkräfte des THW im Jahr 1999 von der französischen Bevölkerung getauft, als sie nach Orkan „Lothar“ dabei halfen, die Schäden in Frankreich zu beseitigen.

Humanitärer Botschafter

„In mehr als 130 Ländern war das THW seit seiner Gründung  im Einsatz. Als humanitärer Botschafter der Bundesrepublik Deutschland kommt das THW der gemeinsamen globalen Verantwortung nach, Menschen in Not zu helfen“, sagte Buchmüller. Mehr als 600 000 Rohingyas sind aus Myanmar geflüchtet und harren zur Zeit im Grenzgebiet auf bangladeschischer Seite aus. Zwei THW-Kräfte sind als Teil eines International Humanitarian Partnership-Team (IHP-Team) seit Ende April vor Ort, um das World Food Programme (WFP) zu unterstützen. So errichten sie beispielsweise ein Camp, von dem aus die logistische Versorgung der Flüchtlingslager gesteuert werden soll.

Ende Februar bat das WFP um Unterstützung bei der Errichtung eines humanitären Logistikhubs. Auf einem rund 2500 Quadratmeter großen Gelände errichten  die Teammitglieder das sogenannte Logistics-hub-Basecamp. 50 Mitarbeiter des WFP werden von dort aus zukünftig die Flüchtlingslager logistisch versorgen. In den kommenden Tagen bauen die Einsatzkräfte acht Sanitärcontainer, 13 Bürocontainer und 16 Unterkunftscontainer aus Einzelteilen auf. Zudem errichten die Teammitglieder eine Küche mit Kantine, befestigen das Gelände und bauen eine Netzersatzanlage für das gesamte Camp sowie eine Wasserverteilung für die Küche und Sanitäranlagen durch einen Brunnen auf.

Strukturen zur Vorsorge

Katastrophen können die Selbsthilfekraft von Regionen oder ganzen Ländern übersteigen. Deshalb ist es wichtig, vorsorglich für Strukturen zu sorgen, die internationale Hilfe zuverlässig und schnell überall auf der Welt ankommen lassen.

Netzwerke, Erfahrungsaustausch und abgestimmte Strukturen spielen bei der internationalen Hilfe eine große Rolle. Das THW steht mit vielen Partnern bilateral, aber auch über die Europäische Union (EU) und über die Vereinten Nationen (UN) in engem Kontakt. Sowohl EU als auch UN haben Strukturen der internationalen Hilfe geschaffen, in denen im Falle einer Katastrophe Einheiten aus verschiedenen Ländern schnell und effizient aufgestellt und koordiniert werden können. „Auslandseinsätze des THW werden im Auftrag des Bundesinnenministeriums auf Ersuchen des Auswärtigen Amtes durchgeführt. Mit beiden Ministerien stimmt die Einsatzzentrale des THW das Vorgehen im Einsatz genau ab“, so Buchmüller.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen