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„Schüler wachsen über sich hinaus“ : Theaterspielen an der Waldorfschule in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Achtklässler proben das Stück „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Die Premiere findet am 17. März statt.

shz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Die Klasse baut sich ganz hinten im großen Theatersaal der Waldorfschule auf und singt probeweise ein paar Takte. Lara, die zusammen mit dem Lehrer vorne auf der Bühne steht, erkennt sofort das Problem:„Ihr müsst lauter und deutlicher singen – ich habe überhaupt nichts vom Text verstanden.“

Singen und Schauspielern steht in der Waldorfschule sechs Wochen lang anstelle von Mathe und Deutsch auf dem Stundenplan der achten Klasse. „Das ist richtiger Unterricht. Wir proben sechs bis acht Stunden täglich“, sagt Klassenlehrerin Anja Müller-Friede. Sie hat zusammen mit Michael Handschuch die Regie übernommen und unterrichtet die 35 Schüler bereits seit der ersten Klasse. An der Waldorfschule ist das Theaterstück in der achten Klasse für den Klassenlehrer traditionell auch der Abschied von den Jugendlichen. Denn ab jetzt werden sie nur noch von Fachlehrern unterrichtet.

Vor allem aber soll das Theaterspielen die Schüler in ihrer Entwicklung weiterbringen. „Das ist auch Unterricht, nur werden die Schüler anders gefordert, als sie es gewohnt sind. Sie wachsen über sich hinaus und haben die Möglichkeit, mal jemand anderer zu sein als sonst“, sagt Müller-Friede. „Für die Jugendlichen ist das ein super Projekt, das ihnen kaum noch Zeit für etwas anderes lässt.“ Am meisten Spaß macht es den Schülern aber, wenn ihre Lehrerin ihnen etwas vorspielt. „Sie ist sich für nichts zu schade und hat sogar schon einmal ein Wildschwein nachgemacht“, erzählt Tim Luca begeistert.

Die 14- und 15-Jährigen haben sich für ihr Theaterprojekt das Stück „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ausgesucht, das vor allem durch eine Literaturverfilmung mit Johnny Depp bekannt ist. Es handelt von dem geheimnisvollen Willy Wonka, der fünf Kinder zu der Besichtigung seiner Schokoladenfabrik einlädt. Augustus, Veruca, Violet und Mike, die alle Opfer einer falschen Erziehung sind, fallen alle nach und nach ihren Fehlern und Schwächen zum Opfer. Nur Charlie, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, erhält von Wonka am Ende das Angebot, die Schokoladenfabrik zu erben.

Einkaufswagen werden zu Booten

„Wenn wir versuchen, uns mit dem Film zu vergleichen, können wir nur verlieren“, erzählt Müller-Friede. „Natürlich können wir keine riesigen Fantasiewelten mit echten Schokoladenflüsse auf die Bühne zaubern. Wir ändern das Stück für unsere Zwecke ganz kreativ um.“ Auf der Bühne der Waldorfschule werden Einkaufswagen zu Booten umfunktioniert, eine Treppe mit braunem Tuch spielt den Schokoladenfluss und anstelle eines Willy Wonkas gibt es zwei Brüder Wonka.

Die Schüler haben auf der Bühne alle Hände voll zu tun. Während die eine Besetzung in die Haut von Kindern, Eltern, Fabrikbesitzern, Reportern und Passanten schlüpft, ist die andere Hälfte der Klasse für die Musik zuständig. Die Jugendlichen tanzen, singen im Chor oder spielen in der Band. Die Lieder – es gibt für jedes der fünf Kinder in der Schokoladenfabrik ein eigenes – haben die Musiklehrer Martin Pahnke und Winfried Scheunemann extra für das Theaterstück komponiert und geschrieben.

Mittlerweile haben sich die Schüler alle wieder auf der Bühne versammelt und im Kreis um ihren Musiklehrer Winfried Scheunemann versammelt. Der gibt ihnen für diesen Tag die letzten Ratschläge mit auf den Weg. „Ihr müsst den Mund bewegen, wenn ihr singt – und zwar so übertrieben, dass ihr euch richtig blöd dabei vorkommt. Erst dann fängt das Publikum an, euch zu verstehen.“

Keine leichte Aufgabe. Zum Glück haben die Schüler bis zur Premiere noch etwas Zeit – Zeit zum Üben, zum Textlernen, Szenen einstudieren, zum Basteln der Kostüme und Kulissen. Premiere ist am Donnerstag, 17. März ab 19 Uhr. Weitere Vorführungen gibt es am 18. März ab 10 Uhr und ab 20 Uhr und am 19. März ab 18 Uhr. Die Aufführungen sind nicht öffentlich und in erster Linie für die Mitschüler, Eltern und Freunde gedacht. Aber wer will, darf trotzdem kommen.

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