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Elmshorn : Theater der Ehemaligen der EBS überzeugt mit „Die letzte Station“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Beeindruckend bedrückend - das Stück thematisiert den Zweiten Weltkrieg.

shz.de von
erstellt am 31.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Berlin, 30. April 1945. Eines der vielen Bombardements erschüttert die Stadt. Zwischen dem Lärm von Flugzeugen und einschlagenden Bomben hört man den Fliegeralarm. Und das Klagen einer schwangeren Frau, die um ihr ungeborenes Kind fürchtet. Die Atmosphäre, die das Theater der Ehemaligen der EBS beim Stück „Die letzte Station“ auf der Bühne in der Elsa-Brändström-Schule entstehen lässt, ist bedrückend.

Die Wohnungsinhaberin Anna Walter (Nadine Albert-Konetzny), resigniert und apathisch, verlässt nicht einmal mehr bei Luftangriffen ihr Appartement. Sie wird aus ihrer Lethargie herausgerissen, als der während des Luftangriffs entflohene KZ-Häftling Ross (Wahagn Ajdinjan) bei ihr auftaucht. Nach einigem Zögern überlässt Anna Walter ihm zur Tarnung die Offiziersuniform ihres Mannes. Kurze Zeit später treffen SS-Männer ein, die nach dem Entflohenen suchen. Die Situation spitzt sich zu, denn Ross hat keine Papiere. Noch brenzliger wird es, als die SS den Mithäftling Koch (Sönke Weidemann) von Ross in die Wohnung holt. Der Oberscharführer Schmidt (Mike Eschenbach) bietet diesem erst einen schnellen Tod ohne Folter, dann sogar das Leben, damit er Ross verrät. In dem unangenehmen Wissen, dass auf ihn so oder so der Tod wartet, stürzt er sich aus dem Fenster.

Eine Radiomeldung unterbricht alle: Hitler ist tot. Die SS verlässt das Zimmer. Am nächsten Tag hat die Rote Armee Berlin in ihrer Hand. Der Oberscharführer kommt zurück – in Zivil und mit den Papieren eines KZ-Häftlings. Als russische Soldaten in die Wohnung einfallen, spannt sich die Situation erneut. Der Oberscharführer denunziert Ross als Nazi. Aber die Russen glauben der eintätowierten Nummer auf Ross’ Arm mehr als den falschen Papieren des SS-Mannes. Schmidt flieht aus der Wohnung, es fallen Schüsse. Dann wird auch Ross aus der Wohnung geschleppt – noch ein Schuss. Danach ist es still. Kurz darauf kommt Ross wieder. Die russischen Soldaten haben ihm geglaubt.

Das Theaterstück „Die letzte Station“ von „Im Westen nichts Neues“-Autor Erich Maria Remarque ist keine leichte Kost. Die Stimmung ist durchgehend bedrückend. Eigentlich wartet man als Zuschauer die ganze Zeit darauf, dass es endet. Man hofft auf ein gutes Ende. Und wenn es dazu nicht kommen kann, dann wenigstens auf einen schnellen, schmerzlosen Tod der Hauptfiguren. Die Hauptsache ist, dass das Leiden und die Angst ein Ende haben. Auf erschreckende Weise wird zumindest ansatzweise klar, wie sich die Zeitzeugen gefühlt haben müssen.

Anna Walter (Nadine Albert-Konetzny, rechts) ist von den Methoden des Oberscharführers Schmidt (Mike Eschenbach, links) und der SS angeekelt. (Foto: Pflaumbaum)
Anna Walter (Nadine Albert-Konetzny, rechts) ist von den Methoden des Oberscharführers Schmidt (Mike Eschenbach, links) und der SS angeekelt. (Foto: Pflaumbaum)
 

Das Stück beschäftigt sich mit dem Sinn des Krieges, der vielen Toten auf dem Schlachtfeld und in den Konzentrationslagern. „Was wäre, wenn jeder Soldat einfach nach Hause ginge, wie es ihm passt?“, wird Anna Wolter an einer Stelle gefragt. Ihre Antwort erinnert an den US-Amerikanischen Dichter Carl Sandburg, der in seinem Gedicht „The People, Yes“ „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“ schrieb: „Frieden.“

Das Theater der Ehemaligen der EBS führte das Stück am vergangenen Freitag- und Sonnabendabend in der Aula der EBS auf. Dabei machte das Ensemble deutlich, dass „Laienschauspieler“ bei Weitem nicht „schlechter Schauspieler“ heißt. Die zwölf Schauspieler spielten ihre Rollen überzeugend und verstanden es, die Spannung der Situation herüberzubringen. „Es gefiel mir sehr gut“, sagt Besucher Michael Mohr, „man konnte nachvollziehen, wie es damals war. Ich fand es sehr authentisch.“ Die kostenlose Vorstellung ist eine Spende, die für Bühnenbild oder Requisite genutzt wird, allemal wert.

In Elmshorn wird das Stück nicht mehr zu sehen sein. Allerdings wird die EBS-Truppe „Die letzte Station“ auf dem Kirchentag in Stuttgart aufführen. Dort gastieren die Elmshorner am Sonnabend, 6. Juni, um 11 sowie um 16.30 Uhr im Theaterhaus Stuttgart.

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