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Nach 100 Jahren : „The Brewing Pack“: Elmshorn hat wieder eine Brauerei

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Craftbeer: Drei Unternehmer wollen mit ihren Produkten den heimischen Markt erobern.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Brauen, abfüllen, etikettieren, Kronkorken drauf. Alles Handarbeit. Lutz Dinklage, Thomas Pollum und Charles Schmidt packen richtig an. Die drei Elmshorner leben ihren Traum. „The Brewing Pack“: Die Männer sind Bierbrauer, haben in der Krückaustadt ihr Gewerbe angemeldet. „Damit hat Elmshorn nach 100 Jahren wieder eine Brauerei“, betont Pollum. Die Produktionsstätte befindet sich in einem Einfamilienhaus direkt an der Straße Langelohe – auf nur 30 Quadratmetern. Für Umbauten und die nötigen Bierbrau-Utensilien haben die drei Freunde einen mittleren fünfstelligen Betrag investiert.

Bierbrauen als Handwerk, als Gegenentwurf zum industriell gefertigten Pils. Mit ihren Craft-Bieren – vier Sorten sind bisher im Angebot – wollen die Braumeister den heimischen Markt erobern. Erste Erfolge gibt es schon. „Elmshorner Blondes mit Mütze“: Dieses Bier wird in Zukunft bei Edeka-Hayunga in Elmshorn angeboten und im „Broderick“ am Bahnhof ausgeschenkt. Auch über das Internet soll der Vertrieb jetzt angeschoben werden.

„Wir bringen Geschmack und Qualität ins Bier“, betont Pollum. Die Bierbrauer arbeiten mit verschiedenen Malzen, Hefen und Aromahopfen. Sie haben über Monate Rezepturen getestet und individuelle Sorten entwickelt. Die Flasche Craftbeer aus Elmshorn kostet 2,99 Euro. Die Bierbrauer setzen auf Regionalität, wollen zunächst den heimischen Markt erobern. „Wir werden unser Bier in Zukunft auch bei Veranstaltungen in Elmshorn anbieten“, sagt Dinklage. Von hier aus möchten sie ganz Norddeutschland erobern. Leben können sie von der Brauerei noch nicht – und so gehen Dinklage, Pollum und Schmidt morgens zur Arbeit und nach Feierabend in ihre Brauerei. Schon bald soll nur noch die Brauerei ihr Arbeitsplatz sein.

Elmshorner Blondes mit Mütze

Der Tank fasst 100 Liter. „Elmshorner Blondes mit Mütze“ heißt die Sorte, die nach einer Brauzeit von gut zehn Stunden fertig ist. Dann eine Woche gären. „Die Reifung in den Fässern dauert anschließend noch ein bis drei Wochen“, sagt Thomas Pollum. Der 41-Jährige ist Kaufmann und bei der Elmshorner Brauerei „Brewing Pack“ natürlich vor allem für die Zahlen zuständig. Lutz Dinklage, der Freund aus Schulzeiten, und Charles Schmidt, seit zwölf Jahren sein Schwager, komplettieren das Team der Bierbrauer – „ohne Diplom“, wie Dinklage mit einem breiten Grinsen im Gesicht betont. Dafür mit viel Leidenschaft, Emotionen und Engagement. Dinklage ist auch schon mal mitten in der Nacht aus dem Bett gesprungen, weil ihm eine Idee durch den Kopf geschossen ist.

Das eigene Bier brauen: Pollums Erweckungserlebnis liegt schon ein paar Jahre zurück. „In Montreal habe ich ein Indian Pale Ale getrunken.“ Ein Wow-Effekt für den Bierfreund. Bis dahin war „Köpi“ das Lieblingsbier des Elmshorners. „Der geschmackliche Unterschied zwischen dem handgemachten und dem industriell gefertigten Bier ist eklatant“, sagt Pollum.

Regionalität:  „Elmshorner Blondes mit Mütze“ gibt es bald auch bei Edeka-Hayunga.
Regionalität: „Elmshorner Blondes mit Mütze“ gibt es bald auch bei Edeka-Hayunga. Foto: Brameshuber
 

Bücher, Internet, Videos: Er und seine beiden Kumpel wurden zu Forschern in Sachen Bierbrauen. Es hat gedauert, bis sie die richtige Mischung gefunden hatten. „Wir haben regelrecht experimentiert und anfangs auch viel weg gegossen“, sagt Dinklage, der Maschinenbautechniker. Am Ende hatten sie die richtigen Rezepturen für ihre handgemachten Biersorten gefunden. „Wir haben es im vergangenen Jahr auf einer großen Party ausgeschenkt. Immer wieder kam die Frage an uns, ob man das auch kaufen kann“, erinnert sich Pollum.

Man kann: Bei Edeka-Hayunga in Elmshorn und im „Broderick“ am Bahnhof und übers Internet. Die drei wagten 2016 den entscheidenden Schritt, meldeten in Elmshorn ein Gewerbe an und machten sich mit ihrer Mini-Brauerei selbstständig. Blumig, fruchtig, erdig: Wenn Pollum über Malze und Hopfen spricht, gerät er ins Schwärmen. „Bei der Kalthopfung bekommt unser Bier noch eine zusätzliche Ladung Aromahopfen. Das gibt den Kick.“ Im Angebot: IPA, Stout, Pilsener.

Na dann Prost: Lutz Dinklage (l.) und Thomas Pollum stoßen mit ihren handgemachten Bieren an.
Na dann Prost: Lutz Dinklage (l.) und Thomas Pollum stoßen mit ihren handgemachten Bieren an. Foto: Brameshuber
 

Die drei Unternehmer sind keine Hasadeure. Die nötigen Finanzmittel, um die Brauerei ins Laufen zu bringen, hatten sie angespart. Und natürlich wissen sie, dass die Konkurrenz groß ist, es inzwischen eine Craftbeer-Szene gibt und die Brauereien wie Pilze aus dem Boden schießen. Aber die Drei glauben an sich und ihre Craft-Biere. „Wir wollen in Zukunft von der Brauerei leben können“, sagt Pollum. Das Unternehmen wächst, die Produktion wird nach oben gefahren. Sie stellen zwei neue Tanks auf – mit 300 Litern Fassungsvermögen.  Eine Info, die Pollum aus dem Elmshorner Industriemuseum erhalten hat, ließ ihn aufhorchen. Mit „Brewing Pack“ gibt es seit genau 100 Jahren wieder eine Brauerei in Elmshorn.

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