Teller, Tanz und tolle Typen

Tanzeinlagen: Sofia Engel und Louisa Fasching, Studio Alavi.
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Tanzeinlagen: Sofia Engel und Louisa Fasching, Studio Alavi.

Die zweite „Lange Nacht der Kleinkunst“ im Haus 13 begeisterte das Puzblikum / 2015 gleich zwei Shows geplant

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31. März 2014, 16:02 Uhr

Das Varietè ist eine Theaterform, die früher zu jeder guten Fernsehshow vergangener Jahrzehnte gehörte. Akrobaten, Zauberer, Tänzer und außergewöhnliche Musiker fernab des Mainstreams waren unverzichtbarer Bestandteil einer Samstagabendunterhaltung. Heutzutage setzen die TV-Unterhaltungschefs allein auf massentaugliche Formate aus Comedy und Pop. Für Varietèkünstler ist kein Platz.

Eine gelungene Renaissance auf lokaler Ebene erlebte das Varietétheater am Sonnabend im Haus 13 in der Adolfstraße. Die Kleinkunstbühne war für diese „Lange Nacht der Kleinkunst“ seit Monaten ausverkauft und immer wieder musste Initiatorin Ivy Kaufner („Kultur Marie“) zahlreichen Kartenanfragen eine Absage erteilen. Der Erfolg dieser Veranstaltung aus dem letzten Jahr wurde in diesem Jahr noch getoppt und das begeisterte Publikum erlebte einen turbulenten Abend mit Witz, Esprit und jeder Menge Erstaunlichem.

Conférencier des Abends war der Kabarettist und Magier Marcel Kösling, der schlagfertig und goldig charmant durch diesen temporeichen Abend führte, aber auch selbst mit einem Mix aus Zauberei, Comedy und Gesang Akzente setzte. Selbstironisch und liebenswert frech spielte er nicht nur mit dem Publikum, sondern verzauberte es regelrecht, etwa als er vor aller Augen einen Tisch zu Schweben brachte.

Die Elmshorner Beteiligung an der Show waren die beiden Nachwuchstalente Sofia Engel und Louisa Fasching vom Studio Alavi. Ihr ausdrucksstarker Showtanz auf der kleinen Bühne heizte den Zuschauern ordentlich ein und zeigte, dass die jungen Frauen neben der Schauspielerei (Louisa Fasching war kürzlich im Hamburger Tatort zu sehen) auch beim Tanzen ordentlich was auf die Beine stellen. So unterstützen Sofia und Louisa auch die Sängerin und Komödiantin Karmen Poppe. Die dralle Diva mit Stimme und dem gewissen Pep gab einen Ausschnitt aus ihrer Kreuzfahrtrevue „Karmen im Nebel“ zum Besten. Die Traum(schiff)frau sparte dabei nicht mit kleinen Gemeinheiten und fiesen Lächerlichkeiten.

Mit Andi Steil gastierte ein Ausnahmekünstler im Haus 13. Der Musiker und wahre Akustikakrobat, der zunächst in einem Tarnfrack auftrat und später ein Modell in Knallrot trug, begeisterte nicht nur optisch, sondern vor allem durch seine schräge und urkomische Musikshow. Der „Ganzkörpertrommler“ gab eine witzige Personality Show, bei der er das Publikum mit einbezog. Seine Versionen von „La Paloma“ und Belafontes „Coconut Woman“ mit vollem Körper- und Geräuscheinsatz waren ein herrlicher Spaß.

Ein weiteres Highlight war der Auftritt von Klirr deluxe. Zwei Herren mit einem charmanten Lächeln boten ein außergewöhnliches Spektakel mit Stuhl- und Tellerjonglage. Julian Böhme und Pierre-Nicolai Scheffler inszenierten eine lustige und atemberaubende Jongliershow und verblüfften mit Ideenreichtum und Überraschungsmomenten. So mancher Teller ging zu Bruch und man wusste in so einem Moment nie, ob ein Trick daneben ging oder ob es ein Teil des Programms war. Das Duo mit der klassischen Rollenverteilung des charmanten Gentleman mit Hang zur Perfektion und der trotteligen aber heiteren Frohnatur war das ganz große Kino der Kleinkunstnacht.

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