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360 Jobs weg : Telekom schließt Technikzentrum in Elmshorn

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Standort an der Heinrich-Hertz-Straße wird nun doch geschlossen. Spätestens im September 2019 gehen die Lichter in dem Telekom-Technikzentrum endgültig aus.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2017 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Das ist ganz bitter für die Beschäftigten der Telekom in Elmshorn. Der Standort an der Heinrich-Hertz-Straße wird nun doch geschlossen. Spätestens im September 2019 gehen die Lichter in dem Telekom-Technikzentrum endgültig aus, vielleicht auch schon ein Jahr früher. Das bestätigte Betriebsrat Michael Heuer. Ein harter Schlag auch für die Stadt Elmshorn: Sie verliert damit insgesamt zirka 360 Arbeitsplätze. „Die Schließung des Standortes war für viele Kollegen ein Schock“, beschrieb Betriebsrat Heuer die Situation. Entlassungen soll es laut eines Sprechers der Telekom aber nicht geben.

Der finale Kahlschlag: Am Montag vor einer Woche waren die zirka 160 Mitarbeiter aus dem Bereich Material und Warenwirtschaft darüber informiert worden, dass auch diese Abteilung dicht gemacht und teilweise nach Hannover verlagert wird. Die Beschäftigten haben das Angebot erhalten, an den Standort nach Hannover zu wechseln. Bereits 2015 war die Entscheidung gefallen, dass die zirka 200 Mitarbeiter des Innendienstes nach Hamburg wechseln. Der Aufschrei und der Kampfeswille waren groß, aber vergeblich. „Ab September werden unsere Kollegen an den Überseering in die Hansestadt wechseln“, sagte Heuer. Mit dem Bereich Warenwirtschaft verliert der Telekom-Standort an der Heinrich-Hertz-Straße damit sein letztes Standbein.

Das Gelände an der Heinrich-Hertz-Straße gehört dem Elmshorner Wohnungsbauunternehmen Semmelhaack. Der Mietvertrag läuft laut Heuer im September 2018 aus. „Es gibt aber die Option, ein Jahr länger hier zu bleiben, wenn es nötig ist.“ „Ich bedauere diese unternehmerische Entscheidung sehr. Aber sie hatte sich abgezeichnet“, sagte Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje. Er hoffe, dass die Mitarbeiter in der Region neue Arbeitsplätze fänden.

Einst einer der größten Arbeitgeber

Auf dem weitläufigen Gelände des Telekom-Technikzentrums an der Heinrich-Hertz-Straße stehen viele Büros schon ganz lange leer. Der Abbau und die Verlagerung von Arbeitsplätzen hatte schon vor Jahren begonnen. Früher waren in dem Technikzentrum bis zu 1000 Beschäftigte tätig. „Das Unternehmen war einer der größten Arbeitgeber in der Stadt“, erinnert sich Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje.

Die gute alte Zeit. Das ehemalige Fernmeldezentralzeugamt (FZZA) wurde 1968 an die Heinrich-Hertz-Straße verlegt. Heute gehört es zur Deutschen Telekom – und die schafft nun endgültig Fakten. In Zukunft spielt die Musik für den Bereich Material und Warenwirtschaft in Hannover und für den Innendienst in Hamburg.

Licht aus: Von der kompletten Schließung des Standortes sind viele Elmshorner Familien und Beschäftigte aus dem Umland betroffen. „Einige arbeiten in der dritten Generation für das Unternehmen“, sagt ein frustrierter Mitarbeiter. Viele Kollegen seien älter als 50 Jahre. „Da ist es noch zu früh für den Ruhestand.“ Und auf der anderen Seite schwierig, einen neuen Job zu finden. Er hatte gehofft, dass seine Abteilung mit dem großen Zentrallager eine Überlebenschance hat. „Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt“, sagt der Elmshorner. Nach Informationen unserer Zeitung wurden Mitarbeitern, die nicht nach Hannover wechseln möchten, Jobs in Hamburg angeboten. Anscheinend aber teilweise zu finanziell schlechteren Bedingungen.

Täglich nach Hannover pendeln: „Natürlich ist das normalerweise für die Kollegen nicht zumutbar“, sagt Betriebsrat Michael Heuer. Er und seine Kollegen werden mit der Geschäftsführung innerhalb eines Interessensausgleichs auch über einen Sozialplan verhandeln. „Es geht einerseits um Abfindungen für die Mitarbeiter, die nicht nach Hannover wechseln. Andererseits aber auch um finanzielle Hilfen für die Kollegen, die pendeln oder umziehen werden“, betont Heuer. Wichtig für den Betriebsbsrat: Es soll keine Entlassungen geben. „Wir planen im Gegenteil für alle Mitarbeiter, die die Wechsel nicht mitmachen, interne oder externe Alternativ-Angebote“, sagte gestern ein Telekom-Sprecher. Es werde auch Altersteilzeit-Angebote geben.

Modernere Strukturen

In puncto Materialwirtschaft sollen die Strukturen modernisiert werden. Deshalb wird ein Teil der Aufgaben aus Elmshorn abgezogen. „In Hannover existiert bereits ein weiterer Standort, dessen Lagerhaltung schon heute wesentlich moderner ausgestaltet und der auch weiter ausbaufähig ist“, betonte der Unternehmenssprecher. Für einige Aufgaben seien auch Lösungen in Hamburg und Schleswig-Holstein denkbar.

Das Telekom-Gelände an der Heinrich-Hertz-Straße gehört dem Elmshorner Wohnungsbauunternehmen Semmelhaack. Die Telekom hatte es verkauft und dann zurückgemietet. Was aus dem Areal in Zukunft wird, ist noch unklar. „Da gibt es noch keine Überlegungen bei uns“, sagte gestern Hartmut Thede, Leitung Projektentwicklung bei Semmelhaack.

Elmshorns Bürgermeister Hatje sprach gestern von einem „sensiblen Gebiet“, das im Landschaftsschutzgebiet liege. „Da ist nicht jede Nutzung möglich.“ Die Stadt werde sich mit diesem Thema aber erst befassen, wenn endgültig feststehe, wann das Areal für eine Überplanung zur Verfügung stehe.

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