Elisabeth Pauls : "Tagesmütter sind kein Notnagel"

Berät Eltern und vermittelt Tagesmütter und -väter: Elisabeth Pauls  von der Familienbildungsstätte (FBS) Elmshorn.  Foto: KOCH
Berät Eltern und vermittelt Tagesmütter und -väter: Elisabeth Pauls von der Familienbildungsstätte (FBS) Elmshorn. Foto: KOCH

Nach Hatje-Äußerung: Elisabeth Pauls von der Familienbildungsstätte (FBS) Elmshorn sieht Tagesmütter als Alternative zu Krippen.

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08. März 2013, 09:39 Uhr

Elmshorn | Die gesetzlich vorgeschriebene Quote für Betreuungsplätze für unter Dreijährige wird in Elmshorn locker erreicht (wir berichteten). Die 477 verfügbaren Plätze werden zu 43 Prozent durch Krippenplätze und zu 57 Prozent durch Plätze in der Kindertagespflege besetzt. Darin sieht Stadtrat Volker Hatje dennoch ein Problem: Den Bedarf für Eltern sieht er klar bei den Krippenplätzen, viele würden ihre Kinder gerne in eine Krippe geben - und nicht in eine Kindertagespflege. Für Elisabeth Pauls von der Familienbildungsstätte (FBS) Elmshorn ein Unding: "Tagesmütter sind kein Notnagel", betont die Pädagogin.

Die Tagespflege sei keine Konkurrenz oder Ergänzung zu den Krippenplätzen, sondern vielmehr eine andere Möglichkeit der Betreuung. "Jeder muss für sich entscheiden, welche Art von Betreuung, ob Kindertagespflege oder Krippe, für sein Kind die richtige ist", sagt Pauls, die seit 19 Jahren an der FBS in Elmshorn arbeitet. Sie ist zusammen mit ihrer Kollegin Susanne Ehlers dafür zuständig, Tagesmütter und -väter zu qualifizieren, sie zu vermitteln und Eltern zu beraten. Zum 1. April gibt es 99 Personen (94 Mütter, fünf Väter), die im Zuständigkeitsbereich der FBS-Elmshorn, dem nördlichen Kreis Pinneberg, arbeiten. "Verzweifelte Eltern kommen zu mir, weil sie einen Betreuungsplatz benötigen", berichtet Pauls. Vor allem Neuzugezogene Elmshorner Familien haben nur wenige Chancen, einen Platz in der Krippe zu bekommen. Die Wartelisten sind dann meist schon randvoll. "Wir springen ein, um diese Lücke zu schließen", so Pauls. Allerdings eben nicht als Notnagel, sondern als gleichwertige Alternative.

In der Kindertagespflege gibt es im Gegensatz zu den Krippen meist Kleinstgruppen von zwei bis fünf Kindern. Diese werden hier individuell und in einer familiären Atmosphäre betreut. Vorteil der Tagesmütter beziehungsweise Tagesväter: Sie bieten flexible Betreuungszeiten an - so können Kinder beispielsweise nur zwei oder drei Tage betreut werden. In der Krippe sind es meist die vollen fünf Tage.

Auch die Kindertagespflege hat einen Bildungsauftrag zu erfüllen: Spielerisch werden die kleinen Kinder in den Tagesablauf integriert. "Es gibt Rituale, wie den Tischspruch zu Mittagessen oder das tägliche Spielen in Garten oder Wald", berichtet Pauls. So können die Kleinsten lernen, welche Dinge es dabei zu beachten gilt.

Der Bedarf für Kindertagespflege-Personen ist nach wie vor ungebrochen hoch. "Es fehlt an Personal. Dieses Problem wird sich auch so schnell nicht lösen lassen", ist sich Elisabeth Pauls sicher. Immer mehr Eltern müssen oder wollen berufstätig sein und benötigen dadurch Betreuungsbedarf für ihre Kinder. In Elmshorn wird zum 1. August eine Sozialstaffel für die Kindertagespflege eingeführt. "Alle Eltern von ein- bis dreijährigen Kindern haben dann die Möglichkeit, eine finanzielle Förderung für die Betreuung ihres Kindes in der Kindertagespflege zu bekommen", so Pauls. Die ist dann allerdings einkommensabhängig. Die Stadt Elmshorn sei hierbei genau wie Wedel im Kreis Pinneberg vorbildlich.

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