Informieren statt verdrängen : Tag des offenen Friedhofs in Elmshorn

Informieren am Tag des Friedhofs: Sven Dieks (Steinmetzbetrieb, von links), Peter Heine (Steinmetzbetrieb), Jürgen Kölln (Betriebshof), Andreas Voelzke (Dobbratz Bestattungen) und Friedhofsverwalter Hermann Stieler.
Informieren am Tag des Friedhofs: Sven Dieks (Steinmetzbetrieb, von links), Peter Heine (Steinmetzbetrieb), Jürgen Kölln (Betriebshof), Andreas Voelzke (Dobbratz Bestattungen) und Friedhofsverwalter Hermann Stieler.

Der städtische Friedhof lädt am 16. September zum Tag des offenen Friedhofs ein. Good Shepherd Gospel Choir tritt auf.

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05. September 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | Urnenwand oder Grab, Bestattungswald oder Zeremonie auf hoher See – wenn es um den Tod geht, ist heutzutage einiges möglich. Aber viele Menschen scheuen sich davor, sich rechtzeitig mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. „Die Hemmschwelle ist groß“, sagt Hermann Stieler, Verwalter des Städtischen Friedhofs in Kölln-Reisiek. Dabei sei es gut, die eigenen Wünsche rechtzeitig zu formulieren und sich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren.

Alle Fachleute vor Ort

Einfach machen will es die Stadt den Elmshornern am Tag des offenen Friedhofs, am 16. September. Dann sind alle Fachleute vor Ort – egal ob Steinmetze oder Floristen, Bestattungsunternehmer oder Krematorium. Und es geht nicht nur um das Thema Tod: Neben regelmäßigen Führungen über den Friedhof gibt es Auftritte des Good Shepherd Gospel Choir unter der Leitung von Sören Schröder, Kaffee und Kuchen. „Mit einem solchen Rahmenprogramm bekommt die Ehefrau, die sich schon länger mit dem Thema Begräbnis auseinandersetzen wollte, ihren Ehemann, der sich noch sträubt, vielleicht eher zum Friedhof“, sagt Stieler mit einem Lächeln.

Mit dem Tod auseinandersetzen

Trotz aller Scheu vor dem Tod beobachtet Stieler, dass die Zahl derjenigen, die sich rechtzeitig mit dem Thema Begräbnis auseinandersetzen, zunimmt. „Wir hatten zum Beispiel ein Paar hier, das mehrere Monate im Jahr im Ausland lebt und bereits eine mögliche Überführung nach Deutschland organisiert und eine Grabstelle ausgesucht hat“, sagt Stieler. Vorsorge spiele insbesondere dann eine große Rolle für die Menschen, wenn keine nahen Angehörigen mehr da sind. „Es gibt immer mehr Singles und kinderlose Paare.“ Und selbst wer Nachkommen hat, wolle immer öfter dafür Sorge tragen, dass die Kinder und Enkel nach dem eigenen Tod nicht zu sehr mit Kosten belastet werden. „Viele kommen deshalb mit dem Wunsch nach einer anonymen Bestattung zu uns“, erzählt Andreas Voelzke vom Bestattungsunternehmen Dobbratz. „Meistens können wir den Leuten das ausreden. Vielen ist nämlich gar nicht bewusst, dass anonyme Bestattung auch bedeutet, dass niemandem die Grabstelle bekannt ist, es also keine Begräbnisfeier gibt und auch keinen Ort, an dem sich die Enkelkinder an den Toten erinnern können.“ Alternativ gebe es die Möglichkeit, sich für eine Waldbestattung oder ein Rasengrab zu entscheiden und auf den Grabstein zu verzichten.

Alternativen zum klassischen Begräbnis

Beliebter würden auch Alternativen zum klassischen Begräbnis, wie Urnenwände, See- oder Waldbestattungen. „Das sind oft Menschen, die zur See oder zum Wald eine besondere Verbindung haben“, sagt Voelzke. Und Stieler ergänzt: „An solche Veränderungen in der Begräbniskultur müssen wir uns als Friedhof anpassen.“ Deshalb gibt es seit einiger Zeit eine Urnenwand und einen Bestattungswald auf dem Städtischen Friedhof. Und statt langer Grabreihen wünschen sich die Menschen kleine, voneinander abgegrenzte Bereiche. Im nächsten Jahr wird Stieler ein neues muslimisches Grabfeld mit Ausrichtung nach Mekka anlegen lassen. „Das Vorhandene ist fast belegt.“ Auch über solche Besonderheiten können sich die Besucher beim Tag des offenen Friedhofs informieren.

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