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Andrang bei der Geburtstagsfeier : Tag der offenen Tür im Elmshorner Industriemuseum

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Jubiläum in Elmshorn: 200 Besucher kommen zum Tag der offenen Tür in das Elmshorner Industriemuseum. Sonderausstellung rund ums Thema Schreiben.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Es rattert in regelmäßigen Abständen. Jeden Tastendruck quittiert die Maschine mit mechanischer Aktivität, Typen schlagen aufs Papier. Eine Wählscheibe und ein leuchtender Knopf sind an der Vorderseite zu sehen. Mustafa Mohammed Hegazy tippt Buchstabe für Buchstabe seinen Namen und diejenigen seiner drei Geschwister ein, dem Sechsjährigen gefällt es offenbar, dass der Fernschreiber sein tastendes Schreiben mit eifrigem Klappern quittiert.

Ums Schreiben geht es bei der aktuellen Sonderausstellung im Elmshorner Industriemuseum, um dieses Thema drehten sich auch viele der Aktionen und Stände am Sonntag. Aber Anlass für die große Aktivität war ein anderer: „Wir feiern Geburtstag mit einem Fest für alle – feiern Sie mit!“, heißt in der Internet-Ankündigung. 25 Jahre und sechs Tage vorher war das Industriemuseum 1991 eröffnet worden. Nach dem offiziellen Festakt für geladene Gäste am Montag vergangener Woche waren am Sonntag alle Elmshorner eingeladen zum „Jubiläumstag“.

„Sagenhaft, sie sind stundenlang hier“, schwärmte Museumsleiterin Bärbel Böhnke von der Resonanz. Rund 200 Besucher bevölkerten die vier Stockwerke, darunter viele, auf die es die Museumsmacher vor allem abgesehen haben: Familien mit Kindern, Eltern und Großeltern. „Die gingen zum Mittagessen nach Hause und kamen danach wieder“, beobachtete Böhnke, völlig begeistert vom Engagement.

Geboten wurde den Besuchern ein vielfältiges Programm. Mit dem Fernschreiber und einer Schablonenstanze wurden alte Geräte in Gang gesetzt, weiter oben durften die Besucher Schreiben auf einer Schiefertafel ausprobieren, auf Wunsch auch in Sütterlin. An jeder Station gab es ausführliche Erläuterungen obendrauf. Albertus Lohse aus Borstel-Hohenraden zeigte das Schreiben mit Bambusfedern und präsentierte Stücke aus seiner 80.000 Exemplare großen Sammlung von Schreibfedern: „Tinte gab es schon 2000 vor Christus, aber erst 1000 Jahre später in Europa“, erklärte er.

Der sechsjährige Mustafa Mohammed Hegazy probierte einen Fernschreiber aus.
Der sechsjährige Mustafa Mohammed Hegazy probierte einen Fernschreiber aus. Foto: Roolfs
 

Im Erdgeschoss gab es fremde Schriften zu erkunden: Wie sieht der eigene Name in arabischer Schrift aus oder in tigrinja, einer Schrift aus Eritrea? An einem Extra-Stand zwei Stockwerke höher führte Raphael Hachmann Blindenschrift und Blindenschreibmaschinen vor.

Gleich neben dem Kuchentresen verzierte Soaad Ibrahim Unterarme und Hände mit orientalischen Mustern in schwarzem Henna. „Kinder, Frauen und ältere Damen“ ließen sich bei ihr schmücken, den ganzen Tag über bekam die junge Frau wegen des Andrangs an ihrem Tisch nur eine kurze Pause. Der Henna-Schmuck ist traditionell Frauen vorbehalten, erläuterte sie, und wird vor allem für Feiern und besondere Anlässe wie Hochzeiten aufgetragen; Ausnahme ist der Bräutigam, der ein kleines Zeichen auf die Handfläche bekommt.

Hans Jürgen Schütts Präsentation hatte nichts mit Schreiben zu tun. Er hatte zwischen den Museumsfahrrädern sein privates Projekt aufgebaut: Den weitgehend originalgetreuen Nachbau einer „Laufmaschine“, so die offizielle Bezeichnung des Laufrads, das Freiherr von Drais 1817 erfand. Aus Kirschen- und Eschenholz hat der Uetersener sein Exemplar mit Holzrädern nach einer Zeichnung gebaut und führte es auf Wunsch gern vor, angetan mit blauem Mantel mit wehenden Schößen und schwarzem Zylinder.

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