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Mieter gegen Vermieter : Streit um Schimmel-Wohnungen in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Dirk Knesebeck hat Schimmel in der Wohnung und sieht seinen Vermieter in der Schuld – der wiederum sagt, sein Mieter lüfte falsch.

Elmshorn | Anklagend zeigt Dirk Knesebeck auf die schwarzen Flecken an seiner Badezimmerwand. „Wir haben Schimmel im Bad, in der Küche, im Zimmer meiner 16-jährigen Tochter und seit neuestem auch im Flur“, sagt der Elmshorner. Die Schuld gibt er seinem Vermieter. „Seit den 70er-Jahren ist an diesem Haus nichts mehr gemacht worden. Mein Vermieter lässt hier alles verfallen.“

Deshalb seien die Wände des Mehrfamilienhauses an der Friedensallee mit 35 Wohneinheiten nicht isoliert, die Fensterdichtungen undicht und die Feuchtigkeit könne ungehindert in die Wohnungen eindringen. Im Hausflur habe es vor längerer Zeit einen Wasserschaden gegeben, der immer noch nicht behoben sei, und auch das Dach sei beschädigt.

Eine Luftfeuchtigkeit zwischen 65 und 70 Prozent misst Knesebeck regelmäßig in seinem Schlafzimmer. Ideal sind 40 bis 60 Prozent. „Morgens ist die Scheibe von innen komplett feucht. Dabei stellen wir mindestens dreimal am Tag alle Fenster gegeneinander auf.“

Sein Vermieter jedoch verweigere die Übernahme der Kosten für die Beseitigung des Schimmels und wolle auch ansonsten am Haus nichts machen. „Er sagt, wir würden nicht lüften, weil meine Frau und meine Tochter aus Vietnam kommen und das kalte Klima nicht vertrügen“, berichtet Knesebeck empört. „Das ist absoluter Unsinn.“

Mittlerweile weiß er kaum noch, wie es weitergehen soll. „Wir brauchen Hilfe. Der Hausmeister versucht alles was er kann, wird aber vom Vermieter, meist aus Kostengründen, gestoppt.“ Knesebeck weiß noch von sechs anderen Wohnungen im Haus mit Schimmelproblemen. Ein anderer Mieter, der seinen Namen nicht bekanntegeben möchte, zeigt drei große Schimmelflecken im Bad, im Eltern- und im Kinderschlafzimmer. Dabei würde er ständig lüften, um die Feuchtigkeit aus seiner Wohnung zu bekommen.

Sorgen um die Gesundheit

Vor allem macht sich Dirk Knesebeck Sorgen um die Gesundheit seiner 16-jährigen Tochter. Schließlich können Schimmelpilze Allergien und Atemwegserkrankungen auslösen. Vor einem Jahr ist die dreiköpfige Familie in die Friedensallee gezogen. „Damals mussten wir schnell eine größere Wohnung finden, weil meine Frau und meine Tochter zu mir gezogen sind“, erzählt Knesebeck. Er selber arbeitet als Busfahrer, seine Frau war zu dem damaligen Zeitpunkt arbeitslos. Deshalb waren sie auf eine günstige Wohnung angewiesen und unterschrieben den Mietvertrag – trotz einer festgeschriebenen Mindestmietdauer von vier Jahren.

Schon eine Woche später tauchte der erste Schimmel hinter dem Kühlschrank in der Küche auf. Knesebeck meldete das seinem Vermieter, der einen Maler kommen ließ. „Der hat die Tapete runtergerissen, hat festgestellt, dass die Außenwand komplett durchnässt war und hat gesagt, da müsse ein Fachmann kommen“, erzählt Knesebeck. „Als der Vermieter das später gesehen habe, habe er nur geschimpft, die Entfernung des Schimmels und die Installation einer Platte zur Abdeckung sollte ich dann zahlen.“

Der Streit zwischen Mieter und Vermieter läuft jetzt schon seit vielen Monaten. Im November drohte Knesebeck schließlich 60 Prozent Mietminderung an. Daraufhin kündigte der Vermieter an, Anfang Februar einen unabhängigen gerichtlichen Gutachter zu schicken. Knesebeck geht davon aus, dass er dann von jeglicher Schuld freigesprochen wird. „Und dann muss mein Vermieter zahlen.“

Häufige Gerichtsverfahren

Sein Vermieter sieht das ganz anders. Auf Anfrage erklärte er, die Schuld liege für ihn ganz klar bei Dirk Knesebeck. „Herr Knesebeck hat zu viel Fantasie. Er will mir Schaden zufügen und sieht nicht ein, dass er selber sich nicht korrekt verhalten hat.“ Schon häufig habe er wegen Schimmel in seinen Mietwohnungen Gerichtsverfahren anstrengen müssen. „Und immer wurde mir am Ende Recht gegeben. Alle Gutachten haben gezeigt, dass die Bewohner falsch gelüftet haben.“

Gerichtsprozesse zum Thema Schimmel in der Mietwohnung sind häufig nicht einfach, weiß Rechtsanwalt Hauke Petersen. Er berät die Mitglieder des Mietvereins Elmshorn und hat vor Gericht häufig mit Fällen wie dem von Dirk Knesebeck zu tun. „Das Problem ist, dass die Ursache von Schimmel nur schwer festzustellen ist“, erklärt Petersen. „Schimmel kann entstehen, wenn die Wände von außen undicht sind, aber feucht wird eine Wohnung auch dadurch, dass Menschen atmen, duschen, kochen und Wäsche waschen.“ Wenn sich die Luft an kalten Fenstern oder Mauerstellen abkühlt, schlägt sich überschüssige Feuchtigkeit als Kondenswasser nieder. Wird durch unzureichendes Lüften oder einen behinderten Luftaustausch die Feuchtigkeit nicht abgeführt, bilden sich an kalten Stellen dauerfeuchte Stellen, an denen sich schnell Schimmelpilze ansiedeln können.

Vor Gericht, so Rechtsanwalt Petersen, muss der Vermieter erst einmal beweisen, dass keine baulichen Mängel vorliegen. Anschließend muss dann der Mieter beweisen, dass er ausreichend gelüftet hat. Diese Beweise werden durch ein Sachverständigengutachten erbracht. „Am Ende handelt es sich in den meisten Fällen um eine Mischung aus beidem“, sagt Petersen. Dann werden die Kosten für das Gericht und den Sachverständigen unter beiden Parteien aufgeteilt.

Würde ein Sachverständiger bauliche Mängel feststellen, wäre das für die Familie Knsebeck die einzige Möglichkeit, aus ihrer Schimmel-Wohnung vor Ablauf der vierjährigen Mindestmietdauer auszuziehen. „Solche Fristen legen natürlich nur Vermieter fest, die einen Grund dazu haben“, sagt Petersen. „Bei einer guten Wohnung muss man keine Mindestmietdauer festlegen, da bekommt man problemlos neue Mieter.“ Deshalb seien es vor allem Mieter, die sich in einer Notlage befinden und schnell auf eine günstige Wohnung angewiesen sind, die solche Verträge unterschreiben.

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erstellt am 04.Feb.2016 | 10:00 Uhr

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