Baummensch und Robotertiger : Street-Art-Künstler sprayen an den Knechtschen Hallen

Graffiti-Künstler gestalten mehrere Flächen an den Knechtschen Hallen in Elmshorn. Weitere Aktionen sind geplant.
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Die Graffiti-Künstler Benny (v. l.) und Christoph gestalten eine Fläche an den Knechtschen Hallen.

Graffiti-Künstler gestalten mehrere Flächen an den Knechtschen Hallen in Elmshorn. Weitere Aktionen sind geplant.

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28. Juni 2016, 12:30 Uhr

Elmshorn | „Wir sind da einfach hingegangen und haben gesagt, wir wollen kein Blödsinn machen“, so beschriebt Christoph das Treffen mit dem Freundeskreis Knechtsche Hallen, zu dessen Stammtisch er und seine Freunde mit einer besonderen Idee gekommen sind. Christoph gehört zu der vierköpfigen Gruppe Vanartizm. Blödsinn machen – das wird Graffiti-Sprayern oft nachgesagt. Dabei ist das, was hier auf dem Gelände der Knechtschen Hallen passiert, weit entfernt von bloßer Schmiererei.

Mehrere Flächen sollen in der nächsten Zeit von den Street-Artists, mit Zustimmung des Freundeskreises, gestaltet werden. „Viel Überzeugungsarbeit mussten wir nicht leisten. Man hat uns einfach machen lassen“, erzählt Christoph. Zusammen mit seinen Kollegen Benny und Lennart gestaltet er die 4,5 mal 10 Meter große Fassadenfläche aus mehreren aneinander geschraubten Platten neben dem Rolltor. Vorgaben bei der Motivwahl gab es nicht. „Wir machen gemeinsam ein Konzept und legen dann fest, wer für welchen Teil zuständig ist“, erklärt Benny das Vorgehen.

Halb Tier - halb Roboter.
Foto: Lottmann
Halb Tier - halb Roboter.
 

Als Motiv haben die Künstler eine Figur gewählt, die halb Tiger, halb Maschine ist. Eine Chimäre aus Tier und Roboter, die zwischen Fabrikgebäudenflucht und Urwald streift. Dabei verschwindet die Bildseite mit dem Dschungel in der real existierenden wilden Bepflanzung auf dem Gelände, während die Seite mit der Fabrikansicht sich an die reale Fassade des ehemaligen Kibek-Lagers anlehnt. Realer Ort und Bild scheinen hier ineinander zu verschwimmen.

Auch in der Tierfigur des Tigers vereinen sich Themen, die zu den Ort passen. So fügt sich der Tiger, halb Natur, halb Technik, in einen Ort ein, wo sich Menschen sowohl zum Gärtnern – beim Urban Gardening – als auch zum Schrauben – etwa beim Repair Cafe – treffen. Dass das Street-Art-Projekt und der Ort auf diese Weise zusammenpassen, ist aber eigentlich ein Zufall, wie Christoph, der das Konzept erstellt hat, verrät: „Ich hatte einfach Lust, einen Tiger zu malen.“

 
Foto: Lottmann
 
 

Auf einer zweiten Fläche neben dem Tiger-Bild entstehen weitere Graffiti. Auch hier wird eine Chimäre entstehen. Eine menschliche Figur, die in einem Baum festgewachsen ist, plant der Street-Artist „Keog“. Daneben verewigt der Artist „Beast“ seinen Künstlernamen. Weitere Flächen wurden vom Freundeskreis freigegeben und dürfen von den Graffiti-Künstlern gestaltet werden. So soll etwa das große Schild an der Straße noch bemalt werden.

Die Künstler werden noch längere Zeit mit dem Sprühen der Bilder beschäftigt sein. Interessierte können jederzeit auf das Gelände kommen, um das Fortschreiten zu beobachten. „Wir verstehen uns als Bürgergarten. Hier gibt es absichtlich keine Zäune“, sagt Matthias Pitzer, Vorstandsmitglied des Freundeskreises Knechtsche Hallen. Über viele Besucher freut sich auch Christoph: „Das ist eine sehr schöne Fläche. Direkt an der Bahn und hier ist viel los.“´

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