Elmshorn : Strauß-Melodien im Saalbau

Unter Leitung von Stefanos Tsialis spielten die Hamburger Symphoniker Wiener Operettenmelodien.
1 von 2
Unter Leitung von Stefanos Tsialis spielten die Hamburger Symphoniker Wiener Operettenmelodien.

Neujahrsgala mit Polka- und Walzermusik und den selten gespielten „Nordseebildern“ begeistert das Elmshorner Publikum.

shz.de von
12. Januar 2015, 16:39 Uhr

Elmshorn | 1879 verbrachte der Komponist seine Sommerfrische auf der Insel Föhr. Dort inspirierte ihn die Natur zu seinen „Nordseebildern“; aber obwohl sie auch ein Gewitter und heranrollende Wogen bei Sturm musikalisch darstellen, irgendwie klingen sie doch nach Walzer und Festball. Kein Wunder, der Komponist Johann Strauß Sohn ist als „Walzerkönig“ bekannt.

Seine Nordseebilder werden selten gespielt, aber bei der Neujahrsgala in Elmshorn wurden sie von den Hamburger Symphonikern als norddeutsche Reminiszenz aufgeführt. Dort blieben sie allerdings etwas exotisches Einsprengsel; im Mittelpunkt standen die Wiener Melodien, die klassisch zu einer Neujahrsgala gehören. Sie atmen längst vergangene Österreich-ungarische Champagnerseligkeit, wie sie Strauß’ Operetten „Der Zigeunerbaron“ und „Die Fledermaus“ feiern. Polka, Walzer und Czardas gaben den Ton vor. Alles schwingt, Dramen dienen vor allem als Gesprächsstoff und lösen sich zum Ende des dritten Aktes zuverlässig in Wohlgefallen auf. Ein komplettes Sinfonieorchester und die Solisten Magdalena Hinterdobler sowie der Bassbariton Sönke Tams Freier führten die üppige Musik in entsprechender Qualität auf: „Wiener Blut“, „An der schönen blauen Donau“, „Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh, ist Schweinespeck“.

„Lustig, witzig, ein bisschen spritzig“, diese Stimmung gefiel Ismet Stahmer aus Bokel. „Die Musik ist gut, das letzte Stück war sehr schwungvoll“, lobte die Elmshornerin Ute Bandelmann in der Pause und hob die Polka „Ohne Sorgen“ von Josef Strauß hervor. Bandelmann hatte schon in den Vorjahren die Elmshorner Neujahrsgala besucht, die Neuerung einer Moderation zwischen den Stücken überzeugte sie nicht ganz. „Teils interessant, aber ein bisschen zu langatmig“ lautete ihr Urteil. Die Moderation von Stefanie Fricke stieß bei anderen Besuchern auf Begeisterung: „Die super perfekten Ansagen“ gefielen Ismet Stahmer besonders.

Fricke ist künstlerische Leiterin der Pinneberger Drostei. Die versteht sich als Kreiskulturzentrum, die Elmshorner Gala war als Schritt dieser Institution ins Kreisgebiet gedacht. Das gleiche Programm wurde am Freitag in Schenefeld und am Sonnabend in Elmshorn aufgeführt. Dieses Konzept brachte einige neue Besucher aus dem Umland in den Saalbau; Margit Ziegler aus Pinneberg zeigte sich angetan: „Sehr schön hier, dieses Ambiente.“ Die bekannt sehr gute Akustik steigerte für sie den Genuss: „Ich bin ganz beeindruckt, wie die Sänger den Raum gefüllt haben.“

Das überzeugte sogar kritische Geister: „Ich war skeptisch“, berichtete Ilonka Grebe von ihren Bedenken vor der Gala. Aber ihre Schwiegermutter hatte ihr die Karte geschenkt, also kam Grebe zum ersten Mal in ihrem Leben statt ins Musical zur Operette. Ihr Fazit: „Gut, sehr gut!“ Live sei doch etwas anderes als Konserve via Radio oder Fernseher, stellte sie fest.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert