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Flüchtlinge in Elmshorn : Steiniger Weg in den Beruf

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Eine Arbeitsgruppe des Willkommensteams will eine Informations-Börse und einen Smartphone-Lehrgang veranstalten.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 11:45 Uhr

Elmshorn | Ein iranischer Bauingenieur, der einen Praktikumsplatz bekommen hat, ein syrischer Gefäßchirurg, der bis zu seiner Approbation in der Klinik Hilfsarbeiten durchführen kann. Seit Februar gibt es im Willkommensteam eine Arbeitsgruppe zum Thema „Integration in Ausbildung und Arbeit“, die Flüchtlingen den Zugang zu Arbeit erleichtern will. Bernd Halbuer und Frank-Ulrich Dentler haben sie gegründet, um Netzwerke zwischen ehrenamtlichen und professionellen Helfern zu knüpfen (wir berichteten). Denn die beiden wissen: Ohne Unterstützung und Kontakte ist es für Flüchtlinge nahezu unmöglich in Lohn und Brot zu kommen.

„Unser Hauptproblem ist, dass wir einfach zu wenige sind“, sagt Bernd Halbuer. Die Gruppe hat gerade einmal fünfzehn Mitglieder – und nur vier bis fünf davon engagieren sich aktiv. Deshalb können Dentler und Halbuer auch erst die beiden oben genannten Erfolge vorweisen. Denn es kostet viel Zeit und Aufwand, Kontakte zu knüpfen, die Erfahrungen der Flüchtlinge abzuklopfen, sie ins Jobcenter oder zu einem Bewerbungsgespräch zu begleiten.

Im Hintergrund ist allerdings schon viel passiert. „Wir haben einen Fragebogen entwickelt, in dem wir den Werdegang, die sprachlichen Fähigkeiten, den Aufenthaltsstatus und die Vorkenntnisse der Flüchtlinge auf Jobsuche festhalten“, sagt Bernd Halbuer. „Denn das sind die Dinge, die der Arbeitgeber als erstes wissen wolle. Ein ganzer Stapel solcher Fragebögen liegt schon fertig ausgefüllt vor. „Darauf können wir jetzt zurückgreifen, wenn sich Arbeitgeber bei uns melden“, sag Frank-Ulrich Dentler.

Hindernisse, auf die die beiden immer wieder stoßen, sind neben dem geringen Sprachkurs-Angebot die fehlenden Informationen darüber, wann ein Flüchtling unter welchen Voraussetzungen wo arbeiten darf. Aus diesem Grund hat die Arbeitsgruppe die Veranstaltung „Informationen aus erster Hand“ ins Leben gerufen. Am Mittwoch, 25. Mai, haben sie professionelle Helfer, also Vertreter der Bundesagentur für Arbeit, des Jobcenters, der Industrie- und Handelskammer und der Diakonie ins Haus der Begegnung am Hainholzer Damm 11 eingeladen. Hier können sich Betreuer, die Flüchtlinge auf dem Weg der Integration begleiten, ab 18 Uhr Antworten auf ihre Fragen holen. „Willkommen sind natürlich auch Flüchtlinge“, sagt Bernd Halbuer. „Einzelfallprobleme werden wir an diesem Termin nicht lösen, aber grundsätzliche Fragen können geklärt werden. Gesetzlich ändert sich ständig etwas.“

Eine zweite Veranstaltung richtet sich direkt an die Flüchtlinge. „Wir hatten die Idee, dass auch Schüler für Flüchtlinge aktiv werden könnten“, erklärt Frank-Ulrich Dentler. „Viele Flüchtlinge haben ein Handy und dafür gibt es viele gute Programme zum Deutschlernen.“ Gewinnen konnten sie drei Schüler aus der zehnten Klasse der KGSE, die am Dienstag, 31. Mai, Flüchtlingen ab 17 Uhr im katholischen Gemeindezentrum hilfreiche Apps und informative Internetseiten näher bringen wollen. Gleich vor Ort sollen die entsprechenden Programme auch auf die Handys geladen werden.

„Die Schüler waren sofort begeistert und wollten helfen“, sagt Bernd Halbuer. „Vielleicht werden sie in Zukunft Flüchtlinge sogar auch bei den Hausaufgaben unterstützen.“ Vorstellen könnten sich Dentler und Halbuer auch, dass Flüchtlinge in Schulklassen gehen und von ihren Erlebnissen und der Situation in ihrem Heimatland berichten. „Denn es ist wichtig, dass die jungen Leuten so etwas aus erster Hand erfahren“, sagt Bernd Halbuer. Auf diese Weise könnten Vorurteile gar nicht erst entstehen.

Wer Frank-Ulrich Dentler und Bernd Halbuer kontaktieren möchte, erreicht sie am besten per E-Mail: b.halbuer@t-online.de oder frank-ulrich.dentler@t-online.de

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