Konstituierende Sitzung in Elmshorn : Stadtverordneten-Kollegium: Wenig Frauen und viele „alte“ Männer

39 Männer und Frauen werden bis 2023 über die Zukunft der Stadt bestimmen. Die Frauen sind in Elmshorn deutlich in der Unterzahl.

39 Männer und Frauen werden bis 2023 über die Zukunft der Stadt bestimmen. Die Frauen sind in Elmshorn deutlich in der Unterzahl.

Am 21. Juni konstituiert sich Elmshorns neues Stadtverordnetenkollegium. shz.de hat sich die personelle Zusammensetzung genauer angeschaut.

shz.de von
20. Juni 2018, 16:00 Uhr

Elmshorn   | Eine Fraktion mehr, aber die Anzahl der Politiker im Stadtverordnetenkollegium bleibt unverändert. 39 Männer und Frauen werden bis 2023 über die Zukunft der Stadt bestimmen. Aber wer entscheidet da eigentlich über den Stadtumbau, Kita-Plätze, das neue Rathaus und den Bahnhofsumbau? 

 

Der Faktencheck:

Die Elmshorner Politik wird  weiter vor allem von Männern dominiert, von „alten“ Männern jenseits der 50. Frauen spielen zahlenmäßig nur eine kleine Rolle. Ihr Anteil liegt prozentual bei 28,2 Prozent – und ist damit  sogar noch geringer als nach der Kommunalwahl 2013, als er bei mehr als 30 Prozent lag. Elf Frauen gehören dem neuen Kollegium an – und 28 Männer. Die Frauen verteilen sich ganz unterschiedlich auf die fünf Fraktionen. 

Die Grünen setzen auf Frauen

Mehr Frauen als  Männer in der Fraktion: Das geht auch. Das schaffen in Elmshorn aber nur die Grünen. Und so ist es auch kein Zufall, dass die Grünen als einzige Partei mit Silke Pahl eine Spitzenkandidatin für die Kommunalwahl aufgestellt hatten. Alle andere Parteien haben „Spitzen“-Männer  in den  Wahlkampf geschickt.  Der Frauenanteil bei den Grünen liegt bei satten  57Prozent.

Die FDP setzt auf Männer

Ganz ohne Frauen, das geht auch – wie wiederum die Elmshorner FDP zeigt. Unter den vier Abgeordneten findet sich  gar keine Frau. Die Liberalen  als Männerpartei. Das ist nicht nur dem Wahlergebnis geschuldet. Denn auf der Wahlliste präsentierte die Elmshorner FDP auf den ersten sieben Plätzen nur Männer. Erst Platz acht war dann der ersten liberalen Frau vorbehalten.

Auch Die Linke ist männlich

Ja, die Neuen, die Linke, ist  auch eine reine Männerbastion. Eine zweite  Fraktion ohne Frau. Drei Männer. Aber im Unterschied zu den Liberalen  stand mit  Ilona Menck-Tapper eine Frau auf Platz vier der Liste. Das  Wahlergebnis von 7,3 Prozent reichte aber nur für drei Abgeordnete.

SPD-Frauenanteil liegt bei 33 Prozent

Zwölf Abgeordnete, vier Frauen:  Dabei hatte  die SPD ihre Wahlliste immer schön abwechselnd mit Mann und Frau besetzt. Für die 20 Wahlkreise gab es  aber auch nur sieben weibliche Kandidaten. Am Ende liegt der Frauenanteil im neuen Kollegium bei 33,3Prozent. Ein Umstand, der auch dem Wahlergebnis geschuldet ist. Die SPD konnte elf Direktmandate gewinnen. Vanessa Mangels, Sandra Bock und Johanna Skalski unterlagen im direkten Duell dem CDU-Kandidaten. Von der Liste zog am Ende noch ein Sozialdemokrat ins Kollegium ein – mit Detlef Witthinrich ein Mann. Für mehr reichte das Wahlergebnis von 31,7 Prozent nicht.

CDU: Nur drei Frauen in der stärksten Fraktion

In der CDU liegt der Frauenanteil in der neuen Fraktion bei 23,1 Prozent. Mit 13 Sitzen sind die Christdemokraten stärkste Kraft im neuen Kollegium. Schaut man sich die Direktkandidaten und die Wahlliste an, dann ist ein Männer-Überschuss unverkennbar. Bei den Direktkandidaten stellte die CDU in sechs der 20 Wahlkreise eine Frau auf. Auch auf den ersten zehn Plätzen der Wahlliste standen sieben CDU- Männer. 

Nicht nur männlich, sondern auch „alt“ ist das neue Kollegium:

Der Jüngste ist 24, der Älteste 74: Nachwuchs verzweifelt gesucht

„Schade, dass  nur so wenig junge Politiker dabei sind“, entfuhr es Pascal Mangels  noch am Wahlabend. Der FDP-Mann ist Jahrgang  1987, engagiert, ehrgeizig. Der Speditionskaufmann muss gemeinsam mit seiner Frau Vanessa, die sich für die SPD politisch engagiert, Familie, Beruf und Politik unter einen Hut bringen. Bei zwei kleinen Kindern oft ein Kraftakt.

 

Die Mangels – Vanessa ist  Jahrgang  1988 –  zählen  zur neuen Generation Lokalpolitiker. Doch einen politischen Generationswechsel hat es bei der Wahl  in Elmshorn wahrlich nicht gegeben. 21 Abgeordnete sind älter als 50 Jahre. Unter 30 Jahre ist nur ein einziger Stadtverordneter: Marcello Hagedorn (SPD), Jahrgang 1994, Student. Eine Frau unter 30? Fehlanzeige. 

Der älteste Stadtverordnete ist  Martin Schippmann (CDU) mit 74 Jahren. „Es ist wichtig, dass wir jüngere Menschen an die Politik heranführen“, betont CDU-Fraktionschef Immo Neufeldt. Er hat vor der Wahl gezielt Elmshorner angesprochen, um sie für die Politik zu begeistern. Durchaus erfolgreich, wie er betont. Aber  das Werben um  die  jüngere Generation bleibt ein schwieriges Geschäft – das müssen Neufeldt und die Kollegen aus den anderen Parteien immer wieder feststellen. Das Durchschnittsalter bei der CDU liegt bei gut 53 Jahren. Bei der SPD bei 46 Jahren,  bei den Linken bei 57 Jahren,  den Grünen bei  52 Jahren und bei der FDP – trotz Mangels – bei  45 Jahren.

Junge Politiker verzweifelt gesucht: Es gibt in  der Stadt nicht nur einen engagierten und politisch interessierten Kinder- und Jugendbeirat. Es gibt an den  Schulen aktive Schülervertretungen, die sich sogar gemeinsam mit dem  Jugendbeirat für ihre Klientel einsetzen. Und mit der Jungen Union und den Jusos – im Verbund mit Tornesch –  gibt es sogar zwei politische Nachwuchsorganisationen in Elmshorn. Viel Potenzial, um Nachwuchs-Talente für Politik zu begeistern.

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