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Neuer Online-Service in Elmshorn : Stadt und Radler stimmen sich ab

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Mängelmelder: Die ADFC-Initiative wird von der Elmshorner Verwaltung gelobt, die Zusammenarbeit soll ausgebaut werden.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2014 | 12:00 Uhr

102 Mängel und Kritikpunkte in Sachen Radverkehr haben die Elmshorner Bürger der örtlichen Gruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) per Internet bislang gemeldet. Das hat sogar die Optimisten unter den aktiven Fahrradfreunden überrascht. "Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz", sagt denn auch Ron Mohr, einer der Initiatoren und Kassenwart des ADFC Elmshorn.

Jede Meldung wird geprüft

Die ehrenamtlich tätigen ADFC-Mitglieder mussten aufgrund der vielen Hinweise sogar zu dritt zwei "Sonderschichten" einlegen, um alle Hinweise bearbeiten zu können. Der Grund für den hohen Zeitaufwand: Der ADFC belässt es bei seiner Aktion nicht einfach beim Sammeln von Schwachpunkten im Radwegenetz der Stadt. Die Fahrradfreunde prüfen und bewerten jede einzelne Nachricht, erarbeiten Lösungsvorschläge und tragen die Ergebnisse in eine im Internet veröffentlichte Mängelkarte ein. Außerdem werden die Ergebnisse im Elmshorner Rathaus vorgetragen.

Von Anfang an hat der ADFC sein Engagement mit der Stadtverwaltung abgesprochen. "Die Zusammenarbeit mit den Rathausmitarbeitern läut gut an", berichtet Mohr. Hilfreich sei es, dass die Stadt mit Ellen Unger als Verkehrsexpertin eine neue, zusätzliche Fachkraft im Flächenmanagement eingestellt habe.

Unger wiederum hält den ADFC-Mängelmelder für "eine wirklich tolle, sehr bemerkenswerte Sache". Sie lobt vor allem, dass die Radler nicht nur Kritik üben, sondern auch Veränderungsmöglichkeiten aufzeichnen. "Die Lösungsvorschläge des ADFC sind sehr schön und hilfreich und beschleunigen die Sache. Dafür sind wir dankbar", so Unger. Außerdem stellt die seit sechs Wochen im Rathaus angestellte Mitarbeiterin fest, dass die "Bürger sehr interessiert und aufmerksam sind".

Radfahrer machen ihrem Ärger Luft

Wer auf die Mängelkarte im Internet schaut, wird allerdings feststellen, dass trotz der mehr als 100 Meldungen bislang "nur" 52 Kritik- und Gefahrenpunkte in der Karte eingetragen sind. Das hat mehrere Gründe: Gerade bei den häufigsten Klagen über den schlechten Zustand der Radwege gab es mehrere Beschwerden zu ein und demselben Problem.

Andere Meldungen betrafen Elmshorner Umlandgemeinden (werden weiter geleitet), und bei einer Reihe weiterer Klagen ging es nicht um richtige Mängel, sondern um alltägliche Ärgernisse der Radfahrer wie Lieferfahrzeuge, die immer wieder auf Radwegen parken, oder auch radelnde Schüler, die in großen Gruppen auf der verkehrten Straßenseite unterwegs sind.

Etwa 20 Kritikpunkte befinden sich noch beim ADFC-Team in der Bearbeitungsphase. Diese und noch zukünftige Anregungen werden später in die Karte eingetragen und auch an die Stadtverwaltung weitergeleitet. Der ADFC markiert auf der Karte, ob die Mängel bereits in der Bearbeitung (gelbe Farbe) oder sogar schon behoben sind (grüne Farbe).

Stadt hat bereits Mängel behoben

"Wir versuchen die Mängel nach einer Prüfung so schnell wie möglich zu beheben", erklärt Ole Reimer. Der Straßenbaumeister ist im Rathaus für die Straßen- und Radwegeunterhaltung zuständig. Zahlreiche Beschilderungen sind bereits ausgetauscht oder auch Mängel an Radwege behoben worden. Ein Beispiel ist der Heidmühlenweg, wo die Radwegbahn streckenweise angehoben worden ist, damit Baumwurzeln nicht zu Stolperfallen werden.

Reimer stellt aber auch fest: "Es gibt Punkte, die werden ein bis zwei Jahre auf rot bleiben." So müsste zum Beispiel der Radweg am Ramskamp komplett ausgebaut werden. Für die Unterhaltung und Verbesserung des Radwegenetzes in Elmshorn steht im laufenden Jahr aber nur ein – allerdings bereits zum Vorjahr erhöhter – Etat von 200.000 Euro zur Verfügung.

Wiederum andere Kritikpunkte der Elmshorner Radfahrer müssten noch in der Politik und Verwaltung diskutiert werden. So gab es zahlreiche Beschwerden über sogenannte "Bettelampeln", die nur auf Knopfdruck den Autoverkehr zugunsten von Fußgängern und Radfahrer stoppen. Beispiele dafür sind die Ampeln Heidmühlenweg/Lieth, Hamburger Straße/Adenauerdamm; Wittenberger Straße/ Köllner Chaussee und neuerdings auch Westerstraße/Hafenspange.

Insgesamt strebt der ADFC mit seiner Aktion eine langfristige und nachhaltige Verbesserung der Situation der Radfahrer in Elmshorn an. Mehr Radverkehr bedeute automatisch eine Verkehrsberuhigung und weniger Lärm-, Schmutz- und Umweltbelastung in der Stadt. Das Radeln vermindere zudem Staus in der Stadt und verbessere die Gesundheit der sich bewegenden Menschen.

Für den ADFC-Sprecher Mohr, der kein Auto besitzt und nur mit dem Fahrrad in seiner Heimatstadt unterwegs ist, entwickelt sich Elmshorn in Sachen Radverkehr in die richtige Richtung. Dies zeige sich auch daran, so Mohr weiter, dass Vertreter des Fahrradclubs bei städtischen Ausschusssitzungen angehört werden, wenn es um Themen geht, die Radfahrer betreffen.

Ein Lob für ihr Engagement erhielten die Elmshorner ADFC-Mitglieder indirekt: Mehrere Clubs in anderen Kommunen Deutschlands haben bereits mit den Elmshornern Kontakt aufgenommen, weil sie auch einen Mängelmelder in ihren Städten und Gemeinden anbieten wollen.

Der Elmshorner Mängelmelder soll – darauf weist Tim Christensen als Administrator des Elmshorner Fahrradclubs hin – auf jeden Fall als ein laufender Prozess weiter für die Elmshorner angeboten werden. Auf die ehrenamtlich tätigen ADFC-Mitglieder wird also mit Sicherheit noch einiges an Arbeit zukommen – und auf die zuständigen Mitarbeiter in der Stadtverwaltung Elmshorn auch.

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