Initiative in Elmshorn : Spielen trotz Gegenwind

<p>Kämpfen für weitere Straßensperrungen: Elke-Maria Lutz, Peter Hölzel und Silke Pahl.</p>
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Kämpfen für weitere Straßensperrungen: Elke-Maria Lutz, Peter Hölzel und Silke Pahl.

Erfolg für die erste temporäre Spielstraße in der Jürgenstraße. Kinderschutzbund von Verwaltung enttäuscht.

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13. Juli 2018, 14:58 Uhr

Elmshorn | Elmshorn Mitten auf der Fahrbahn der Jürgenstraße ist eine Bühne vor einem bunt bemalten Bauwagen aufgebaut, davor sitzen rund hundert Kinder und schauen mit großen Augen den Jongleuren des Kreisjugendrings zu. Andere probieren Einräder aus oder spielen mit bunten Bändern. Für drei Stunden sind die Autos aus der Straße verbannt, Absperrungen halten den Verkehr draußen und Zettel an den Häusern informieren über ein Parkverbot.

„Ich war ganz überrascht, wie gut das bei der Nachbarschaft aufgenommen wurde“, erzählt Elke-Maria Lutz. „Heute Mittag stand hier kein Auto mehr, beschwert hat sich noch niemand.“ Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes hat das Projekt „temporäre Spielstraße“ ins Rollen gebracht, das erste seiner Art in ganz Norddeutschland, wie sie sagt. Bis September sperrt die Stadt die Jürgenstraße einmal im Monat für drei Stunden für die Kinder.

Einfach zu erreichen war das für den Kinderschutzbund nicht. „Wir haben den Antrag bereits vor sieben Monaten gestellt, die Genehmigung kam erst vor drei Wochen“, erzählt Peter Hölzel, stellvertretender Vorsitzender des Kinderschutzbunds. „Wir dachten eigentlich, wir würden damit etwas Gutes tun, sowohl für die Kinder, als auch für die Stadt. Aber dann haben wir unerwartet Gegenwind aus der Verwaltung bekommen.“ Dort habe man Sorge gehabt, dass der Autoverkehr durch die Sperrung zu stark beeinträchtigt sei. „Uns wurden hohe  Auflagen wie für Gewerbetreibende auferlegt, wir sollten ein Sicherheitskonzept vorlegen, in dem wir unter anderem Fragen zum Alkoholausschank beantworten sollten – völlig absurd“, sagt Hölzel. Außerdem sollte der Kinderschutzbund viel Geld für eine Sondergenehmigung bezahlen.

Dass die Genehmigung jetzt doch durch ist und der Verein „nur“ hundert Euro pro Veranstaltung für die Straßensperrung zahlen muss, das verdanke man ausschließlich der Politik.  Grüne, SPD und Linke hatten bereits einen interfraktionellen Antrag zum Thema vorbereitet, dann habe die Verwaltung doch noch eingelenkt.

„Wir sehen uns hier als Pilotprojekt“, erklärt Lutz. „Wenn es gut läuft, könnten wir uns vorstellen, dass auch andere Viertel  unserem Beispiel folgen. Temporäre Spielstraßen bieten Chancen für ganze Quartiere.“ Das Angebot sei niedrigschwellig, bringe die Menschen zusammen und sei deutlich kostengünstiger umzusetzen als der Bau einer richtigen Spielstraße. Im September will der Kinderschutzbund eine erste Bilanz ziehen– weitere geplante Termine in diesem Jahr sind der 7. August und der 4. September, jeweils von 15 bis 18 Uhr. Dann sollen für das nächste Jahr Termine von Mai bis Oktober beantragt werden. Silke Pahl von den Grünen versprach, das Thema auch politisch einzubringen. Pahl: „Ich vermute, dass es fraktionsübergreifend Unterstützung geben wird.“

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