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Zug um Zug mehr Sicherheit : Spezielle Schwimmkurse in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Flüchtlinge sind meist Nichtschwimmer, viele überschätzen sich. Spezielle Kurse in den Ferien.

Elmshorn | Im vergangenen Jahr sind vier junge Flüchtlinge in Hamburg in einem Badesee und in der Elbe ertrunken. Dazu ist es im Elmshorner Freibad glücklicherweise noch nicht gekommen, aber auch hier mussten die Bademeister im vergangenen Jahr vier in Not geratene Flüchtlinge aus dem Wasser ziehen. „Ich erlebe das immer wieder, vor allem die jungen Männer überschätzen sich und springen einfach ins tiefe Wasser, ohne schwimmen zu können“, berichtet Anne Müller.

Die Elmshornerin hat sich 2015 mit ihrer eigenen Schwimmschule selbstständig gemacht und bietet spezielle Kurse für Flüchtlinge an. In den vergangenen zwei Jahren hat sie unter anderem im Auftrag einer gemeinnützigen Organisation die Bewohner einer Elmshorner Wohngruppe im Badepark unterrichtet. In Horst war es die Grundschule Op de Horst, die mit einem Spendenlauf den Schwimmunterricht für Flüchtlingskinder ermöglichte, in Lägerdorf die Diakonie. Denn: Flüchtlinge in regulären Schwimmunterricht zu integrieren, ist oft nicht möglich. Das liegt zum einen an der Sprachbarriere, vor allem aber am Alter. „Schwimmanfänger sind etwa sechs Jahre alt“, sagt Müller. „In so eine Gruppe kann ich keinen 16-Jährigen stecken.“ Sie hält es gerade im Land zwischen den Meeren für besonders wichtig, dass auch Flüchtlinge schwimmen lernen. „Aus ihrer Heimat kennen sie das nicht“, erklärt Müller. „Aber hier wollen sich diese Jugendlichen natürlich auch im Freibad erfrischen – und zwar nicht im Kinderbecken. Und dann kommt es oft zu Unfällen.“

Diese Situation kennt auch Elmshorns Stadtwerke-Chef Sören Schuhknecht. „Wasser ist da gnadenlos“, sagt er. „Wer nicht Radfahren kann, läuft einfach. Aber wer ins Wasser gehen will, muss schwimmen lernen.“ Mangelnde Schwimmkenntnisse beobachtet er nicht nur bei Flüchtlingen, sondern grundsätzlich: Immer mehr deutsche Erwachsene und Kinder könnten sich kaum über Wasser halten (wir berichteten). Jedoch: Bei Flüchtlingen ist die Herausforderung, dass sie eben nicht in den üblichen Nichtschwimmergruppen schwimmen lernen können. „Einzelanmeldungen bekomme ich immer wieder, aber das macht wenig Sinn“, sagt Anne Müller. „Am besten ist es, wenn Träger, Vereine oder Organisationen an mich herantreten und wir ganze Gruppen aufbauen.“

Nach dem Wissen von Badepark-Betriebsleister Jürgen Gerweler ist Anne Müller derzeit die Einzige, die in Elmshorn Schwimmunterricht für reine Flüchtlingsgruppen anbietet. Vereine und Organisationen haben oft keine Kapazitäten für eigene Flüchtlings-Gruppen. „Unsere Schwimmzeiten sind voll und unsere Warteliste ist gut belegt“, erklärt Birgit Schmidt von der DLRG. „Es gibt zu wenig Wasserfläche und zu wenige Trainer. Eigene Schwimmgruppen für Flüchtlinge haben wir deshalb nicht.“

Anne Müller hat viel Freude an der Arbeit mit Flüchtlingen. „Sie wollen wirklich schwimmen lernen – dadurch kommen wir sehr schnell mit dem Unterricht voran.“ Müller arbeitet ohne Schwimmhilfen. „Ich erkläre meinen Schülern alles ganz genau – zum Beispiel wie sie ihre Atmung einsetzen müssen, um Auftrieb zu haben.“ Indem die Teilnehmer ihrer Kurse wissen, was beim Schwimmen passiert, sei es möglich, ihnen Ängste zu nehmen. „Ich hatte Flüchtlinge in meinen Kursen, die durch ihre Flucht in Schlauchbooten Angst vor dem Wasser hatten.“

Mit Sprachproblemen hatte Müller kaum zu kämpfen. „2015 habe ich mit einem Dolmetscher zusammengearbeitet. Viele der Jugendlichen sprechen aber schon gut deutsch oder englisch.“ Ihre nächsten Kurse bietet Müller in den Sommerferien in Horst, Lägerdorf und Elmshorn an.

Der Kontakt zu Anne Müller: schwimmanne@gmx.de oder 0176-49488902.  
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erstellt am 16.Jun.2017 | 12:00 Uhr

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