Elmshorn : SPD-Bundespolitiker Rossmann wirbt für Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Ausbildung

Daniel Balke (2.v.l.) und Jorge Kremin (2.v.r.) erläutern dem SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann (Mitte) ein Automatikgetriebe. Interessierte Zuschauer: BBE-Leiter Detlef Spitzmüller (l.) und Joachim Behm (Ausbildungsleiter Kfz-Werkstatt).
Daniel Balke (2.v.l.) und Jorge Kremin (2.v.r.) erläutern dem SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann (Mitte) ein Automatikgetriebe. Interessierte Zuschauer: BBE-Leiter Detlef Spitzmüller (l.) und Joachim Behm (Ausbildungsleiter Kfz-Werkstatt).

130 Chancen im Handwerk. Besuch in der Berufsbildungsstätte Elmshorn (BBE).

shz.de von
21. Januar 2015, 10:00 Uhr

Elmshorn | Abitur und was dann? Eine Frage, vor der Jahr für Jahr viele jungen Menschen stehen. Etliche gute Alternativen zum Studium bieten die vielfältigen Handwerksberufe. Davon konnte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann bei einem Besuch der Berufsbildungsstätte Elmshorn (BBE) überzeugen.

Wichtiges politisches Ziel, so Rossmann, sei es, die „Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung“ umzusetzen. Unter anderem bietet die Handwerkskammer ein spezielles Programm für Studienabbrecher an. 20 bis 30 junge Menschen haben diese Chance ergriffen.

Derzeit wird zudem überlegt, die Absolventen von Bachelor-Studiengängen in eine Meisterausbildung überleiten zu können. Denkbar, so Detlef Spitzmüller, Leiter der BBE, sei das für technische Studiengänge oder Betriebswirtschafter. Möglich sei eine Verkürzung der Ausbildung. Das sei aber alles noch Zukunftsmusik. Konkreter, wenn auch noch nicht beschlossen, ist hingegen die Reform des Meister-Bafögs. Derzeit kostet eine Meisterausbildung rund 10.000 Euro. 30,5 Prozent davon sind als staatliche Zuschüsse möglich. Ziel ist es laut Rossmann, diesen Betrag auf mindestens 50 Prozent aufzustocken.

Zudem werde, so der Bundespolitiker, eine bessere Möglichkeit angestrebt, sich nicht nur an den Wochenenden oder in der Freizeit auf die Meisterprüfung vorzubereiten, sondern auch in Teilzeit. „Wir müssen sehen, wie das finanziell gefördert werden kann“, so Rossmann. Ziel müsse es sein, den leichten Rückgang bei der Zahl von Meisterfortbildungen umzukehren.

Fast 4000 Ausbildungsverträge

Wie auch andere Berufssparten, werde sich das Handwerk angesichts sinkender Schülerzahlen verstärkt um den Nachwuchs bemühen müssen, sagte Andreas Katschke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck. Im vergangenen Jahr konnten nicht ganz 4000 Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Eine Steigerung auf 4000 wäre ein toller Erfolg. „Wir bieten mehr als 130 Ausbildungsmöglichkeiten. Das Handwerk ist vielfältig“, sagt Katschke. Deshalb wird geworben, auch in weiterführenden Schulen. „Man kann es in wenigen Jahren mit einer qualifizierten Ausbildung von der Schule zu einem eigenen Betrieb schaffen“, so der Geschäftsführer.

Und wer unbedingt studieren möchte, kann das durchaus mit einer Lehre kombinieren. Angeboten wird das für die Bereiche Bau, Maschinenbau und Elektro in den Fachhochschulen Kiel und Lübeck. „In fünf Jahren hat man den Bachelor und den Gesellenbrief“, sagt Katschke. Sogar Jugendlichen, die gern Auslandspraktika machen wollen, die ihnen ein kleiner Ausbildungsbetrieb nicht bieten kann, müssen nicht darauf verzichten. Hier hilft die Handwerkskammer.

Bei der Modernisierung der Berufsbildungsstätten wiederum engagiert sich die Bundesregierung. Die habe, so Rossmann, die Mittel für die Berufsbildungsstätten von 32 auf 42 Millionen Euro aufgestockt. „Das wirke sich auch auf Schleswig-Holstein positiv aus“, sagte er. Die Berufsbildungsstätten würden umfangreich modernisiert, kündigte Katsche an. Rossmann rechnet damit, dass 2017 die Maßnahme in Elmshorn in Angriff genommen wird.

Betreiber der Berufsbildungsstätte Elmshorn ist die Handwerkskammer Lübeck, zuständig für den südlichen Teil Schleswig-Holsteins. Weitere Berufsbildungsstätten sind in Kiel, Lübeck und Travemünde. Unter anderem werden Lehrlingen Qualifizierungen ermöglicht, die ihre Ausbildungsbetriebe zum Teil nicht bieten können.
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