zur Navigation springen
Elmshorner Nachrichten

23. Oktober 2017 | 12:20 Uhr

Spargelstechen: Auswirkung des Mindestlohns

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Georg Kleinwort ist Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Pinneberg. Den Mindestlohn in der Landwirtschaft sieht er in seiner aktuellen Umsetzung kritisch

Der Betrieb „zum Tannenbaum“ in Klein Nordende ist ein ganz besonderes Modell, in dem die Familie selbst den Spargel zieht und sticht, den sie im eigenen Restaurant serviert. Die große Spargelproduktion sieht aber anders aus. Jahrzehntelang war das Spargelstechen ein Symbol für schlechtbezahlte Saisonarbeit für meist polnische Schwarzarbeiter. Wie hat sich das seit der Einführung des Mindestlohns verändert? Wir befragten dazu Georg Kleinwort (Foto), Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Pinneberg.

Herr Kleinwort, wer sticht momentan den Spargel?

Es sind immer noch überwiegend Arbeiter aus Rumänien oder Polen. Das betrifft alle Sonderkulturen, zu denen auch der Spargel zählt – besonders arbeitsintensive Bereiche, bei denen viel Handarbeit gefordert ist.

Sind das Schwarzarbeiter?

Nein, der Zoll kontrolliert das relativ engmaschig und führt stichprobenartige Kontrollen durch, gerade auch hier in der Haseldorfer Marsch. Die Betriebe stellen die Arbeiter offiziell als Saisonarbeiter ein.

Da stellt sich die Frage nach dem Mindestlohn. Wie wirkt der sich auf die Situation in der Spargelproduktion aus?

Das ist sehr schwierig. Wir hatten dadurch innerhalb von zwei Jahren bei den Sonderkulturen einen Lohnanstieg von 25 Prozent. Wie sollen wir das auffangen? Am Ende kostet der Spargel nicht viel mehr. Spargel der Güteklasse eins aus Italien, Spanien, Ungarn und Rumänien liegt ungefähr bei 3,50 Euro pro Kilo. In Deutschland müsste er mit all den Auflagen eigentlich bei sieben Euro liegen. Unsere Spargelpreise sind aber nicht gestiegen, ich habe sogar das Gefühl, dass wir noch günstiger geworden sind. Das gräbt unserer Landwirtschaft das Wasser ab. Und es sind zuerst kleine Betriebe, die es trifft – obwohl die Kleinbetriebe ja eigentlich gefördert werden sollen. Ich finde den Mindestlohn grundsätzlich richtig, die Arbeiter sollen ja bezahlt werden. Aber wenn die Politik das will, dann muss sie auch die Konsequenz ziehen.

Das klingt, als seien Sie wütend. Welche Konsequenzen meinen Sie?

Ich sehe es als eine Doppelmoral der Politik. Wenn man eine Norm einführt, wie einen Mindestlohn, und im Prinzip gute Auflagen hier einführt, müsste man aus dem Ausland nur Produkte importieren, die auch diesen Auflagen genügen. Nicht nur beim Spargel oder Gemüseanbau. Was Renate Künast sich erlaubt hat, ist ein Witz. Käfighaltung zu verbieten ist sicher gut, aber dann Eier aus Käfighaltung aus dem Ausland zu importieren geht nicht.

Aber die Landwirte machen nur einen Bevölkerungsanteil von zwei Prozent aus. Unsere Interessengemeinschaft ist nicht stark genug, um das durchzusetzen. Die Entwicklung wird noch spannend in den nächsten Jahren.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen