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Einblick in die Geschichte : Soviel Seefahrt steckt in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Führungen am „Tage der Industriekultur am Wasser“ im Industriemusuem.

Elmshorn | Bernhard Bauer drückt den Gegenhalter, eine Art riesiger Stempel aus Metall, gegen eine große Metallplatte. Auf der anderen Seite der Platte steht Lars Kehrhahn und schlägt mit einem Hammer auf den Niet, den Bauer mit dem Gegenhalter in seinem Loch fixiert. Es dröhnt ohrenbetäubend, als der Hammer auf die Platte trifft. Taubheit war eine verbreitete Krankheit bei Nietern, erklärt Museumsführerin Karen Buchholz.

Sie begleitete die Besucher an diesem Sonnabend durch das Elmshorner Industriemuseum. Am Wochenende fanden in der Hamburger Metropolregion die „Tage der Industriekultur am Wasser“ statt; Das Elmshorner Museum beteiligte sich mit zwei Führungen durch das Haus und einer im Hafen. „Wir interessieren uns für Hafen, Schiffe und Industrie“, sagt Bernhard Bauer. Er hat mit seiner Familie lange im Heidmühlenweg gewohnt, jetzt lebt er in Uetersen. Zum Tag der Industriekultur ist er in seine alte Heimatstadt zurückgekommen: „Hier gibt es immer neue Eindrücke“, lobt er die Führung durch das Museum.

Bernhard Bauer (l.) aus Uetersen und Lars Kehrhahn aus Elmshorn versuchen sich beim Nieten von Stahlplatten.
Bernhard Bauer (l.) aus Uetersen und Lars Kehrhahn aus Elmshorn versuchen sich beim Nieten von Stahlplatten. Foto: Jann Roolfs

Der Hafen um 1910, Schiffbau, Mühlen, Leder und Keramik sind die wichtigsten Stationen der gut einstündigen Tour. Buchholz hat es heute mit Experten zu tun. Wie die Betreiberin der ehemaligen Hafenbahn, die EDAG, vollständig hieß, souffliert ihr Jürgen Hahn: „Elmshorner Dampfschleppschifffahrts-Aktiengesellschaft“. Hahn weiß das so genau, weil sein Vater letzter Geschäftsführer der Reederei war, die später „Elmshorner Schifffahrt“ hieß. Dass die „Flora“, Elmshorns berühmtestes Walfangschiff und Vorbild fürs Stadtwappen, keinen einzigen Wal nach Hause brachte, weiß Sönke Kehrhahn: Er ist Inhaber der Flora-Apotheke und Vorsitzender des Fördervereins fürs Stadtarchiv.

Familie Ulrich wohnt schon lange in Elmshorn, aber eine Museumsführung machen Christina, Olaf und ihr Sohn Dennis zum ersten Mal mit. „Je älter die Kinder werden, desto mehr kann man sie begeistern“, hofft Christina Ulrich. Sie findet es „interessant, kennen zu lernen, wie das früher war“. Mit Wasser haben Ulrichs beruflich zu tun: sie arbeitet in einer Software-Firma für Navigationssysteme, ihr Mann fuhr früher zur See und kümmert sich heute um Arbeitsschutz im Hamburger Hafen.

Aus wirtschaftlicher Sicht hatte die Krückau viele Funktionen. Sie war nicht nur der Weg, auf dem um 1910 pro Jahr 2000 bis 3000 Schiffe den Hafen anliefen und vor allem Getreide brachten. Sie war auch Antrieb für Mühlen, in denen das Korn verarbeitet wurde. Gleichzeitig war sie Ausflugsziel, erläutert Karen Buchholz;. Aber das wurde spätestens in den 1920-ern zum zweifelhaften Vergnügen. Damals arbeitete jeder dritte Industriearbeiter Elmshorns in der Lederindustrie , und deren ungeklärte Abwässer ließen den Fluss zum stinkenden Graben verkommen. Gleichzeitig ließ die moderne Chrom-Gerbung viele Arbeiter krank werden, berichtet Buchholz.

Industriearbeit, das bedeutete früher vor allem schwere körperliche Arbeit. In einen Getreidesack wurden beim Löschen eines Frachters 100 Kilo Gerste oder Hafer gefüllt. Dieses Gewicht mussten dann Schauerleute oder Müllerknechte von Hand transportieren.

Viele Relikte sind inzwischen verschwunden: die Gleise der Hafenbahn oder die Sauganlage, mit der Peter Kölln das Getreide aus den Schiffen ins Silo brachte. Der letzte Elmshorner Getreidefrachter, die Klostersande, wurde 2000 verkauft. Aber er ist inzwischen wieder da, unterhalten von einem Verein. Mit der Klappbrücke über die Krückau hat die Stadt immerhin den Hafen zugänglich gehalten. Ihr Name „Käpten-Jürs-Brücke“ erinnert an den Elmshorner Kapitän Jürgen Jürs, der als einer der letzten Frachtsegler-Führer Kap Hoorn 66 Mal umrundete.

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erstellt am 19.Jun.2017 | 15:20 Uhr

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