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Schnuffeltier und Baukasten : Sonderausstellung mit Spielzeug aus vergangenen Zeiten

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Eine Sonderausstellung im Industriemuseum nimmt das Spielen in den Blick.

Elmshorn | Sabine Stieper steht mit auffordendem Gesichtsausdruck zwischen den Besuchern, zwischen den gespreizten Fingern ihrer Hände verläuft ein Wollfaden in mehreren Bahnen. Es dauert nicht lange, bis jemand mit Daumen und Zeigefinger in die Fäden greift, sie zwischen den eigenen Händen spannt und dann ist Stieper dran, die Fäden wiederum so kunstvoll abzuheben, dass sich eine neue Figur ergibt.

Spielen: Das war wohl für jeden in seiner Kindheit die wichtigste Beschäftigung. Und auch Jahrzehnte später schlummert die Lust daran oft nur knapp unter der erwachsenen Oberfläche. „Der ist vor allem auch vollständig“, staunt eine Besucherin anerkennend angesichts des Steinbaukastens in einer Vitrine. Und fängt gleich an zu erzählen, dass eine ihrer beiden Schwestern früher immer gern freiwillig das Spielzeug aufräumte und einsortierte.

„Alle rosa, alles blau?! Kinderwelten gestern und heute“ heißt die diesjährige Sonderausstellung im Elmshorner Industriemuseum, die gestern eröffnet wurde. Kinderwelten von 1900 bis heute sind darin vertreten; in ihnen spiegelt sich neben vielen persönlichen Geschichten auch Historie: vom Kaiserreich über Weimarer Republik und NS-Zeit, Weltkrieg und Wiederaufbau reicht die Spanne bis über die Wiedervereinigung hinaus.

Mädchen mögen rosa, Jungs blau, das macht heute jede Spielwarenabteilung unmissverständlich klar. Kuratorin Gesine Hübner erklärte in ihrer Einführung in die Sonderausstellung allerdings, dass es um 1900 genau umgekehrt aussah. Blau als die Farbe der Jungfrau Maria war Mädchen zugeordnet; rosa als abgeschwächtes Rot galt als Farbe der Macht, des Blutes und damit des Kriegs und war eine Jungsfarbe.

Andere Klischees wurden sehr lange gepflegt und leben, wenn auch nicht ungebrochen, noch heute fort. Mädchen sind still und niedlich und spielen mit Puppen, Jungs gerieren sich wild und abenteuerlustig. Damit wurde lange das gesellschaftliche Rollenbild von Hausfrau und männlichem Ernährer zementiert. Das lebt auch heute noch fort, aber gleichzeitig hat sich die Auswahl an Rollenvorbildern vergrößert: Es gibt Handwerkerinnen und Piratinnen als Spielfiguren. Hübner erläuterte, dass sogar Barbie einen emanzipatorischen Anspruch vertrat: Sie war keine Kinderfigur, wie Puppen vorher, sondern stellte eine Erwachsene dar, die zudem unterschiedliche Berufe ausübt.

Exponat in der Spielzeug-Ausstellung im Elmshorner Industriemuseum: ein Kaspertheater mit Figuren.
Exponat in der Spielzeug-Ausstellung im Elmshorner Industriemuseum: ein Kaspertheater mit Figuren. Foto: Jann Roolfs
 

Draußen war das Geschlecht beim Spielen schon immer weniger wichtig. Beim Anblick eines Schlittens denkt wohl jeder Elmshorner ans Rodeln auf dem Butterberg oder am Deich, egal, ob männlich oder weiblich. Und am allerwichtigsten war das freie Spielen und Toben draußen.

Das ist eine der Erkenntnisse aus 19 Interviews, die Mitglieder der Elmshorner Frauengeschichtswerkstatt im Vorfeld der Ausstellung führten. Auszüge aus den Gesprächen sind auf der Sonderfläche im zweiten Stock nachzulesen. Die Ausstellung wurde mit vielen privaten Leihgaben bestückt: Teddys vom Dachboden, das Schnuffeltier des eigenen Kindes und viel Spielzeug aus vergangenen Jahrzehnten.

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erstellt am 03.Apr.2017 | 12:30 Uhr

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