zur Navigation springen
Elmshorner Nachrichten

18. Oktober 2017 | 02:31 Uhr

Sofa-Kritik: Von Liebe und Küssen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

TFernsehen EN-Autorin Laura Kalbow nimmt „Die Bachelorette“ mit ihren Gästen unter die Lupe - ihre Bilanz

Es ist wieder so weit. Die nächste Elmshorner Sofa-Kritik steht auf dem Programm. Nachdem ich beim letzten Mal mit Eva, Rita, Mery, Kim und Mia über den Erfolgsgarant „Germanys Next Topmodel“ gerätselt habe, lässt sich am Mittwochabend sogar männlicher Besuch in meinem Wohnzimmer blicken.

Es geht nämlich um die älteste Kraft unserer Gesellschaft: die Liebe! Diesmal schöpfen wir für unsere Sofa-Kritik ein besonderes Sahnebonbon aus der höchst intellektuellen Fernsehlandschaft: das große Finale „Die Bachelorette“ des Privatsenders RTL. Sie ahnen nichts Gutes oder? RTL und wahre Liebe, das klingt gefährlich. Zunächst muss in unserer privaten kleinen Runde, die sich vorsorglich schon mit jeder Menge Wein zum Betäuben kognitiver Fähigkeiten eingedeckt hat, erst einmal das Konzept dieser Sendung erklärt werden, scheinbar haben uns irrelevante Dinge wie Studium und Arbeit von dem Genuss dieses merkwürdigen Formats abgelenkt: Die Bachelorette heißt Jessica Paszka, ist von Beruf Realityshow-Teilnehmerin und „It-Girl“, 27 Jahre alt, hat zwar keinen Bachelor, dafür aber einen gelifteten Hintern und ist in Marbella, dem neuen Mallorca für deutsche Z-Prominenz, auf der Suche nach der wahren Liebe, die sie unter 20 Männern finden will.

Jetzt stehen nur noch drei Männer im Finale: Johannes (macht irgendetwas mit Geld), Niklas (angehender, ja angehender (arbeitsloser) Gastronom und David (Schlagzeuger bei einer Band mit dem poetischen Namen „Eskimo Callboy“. Ja, wir befürchten auch schon Schlimmes. Aber RTL bleibt konsequent auf der Fahrt Richtung „wahre Liebe“, ein Schelm wer denkt, dass die ganzen Rosenblätter, die romantischen Dates beim Hubschrauberfliegen, die zahlreichen Flaschen Champagner und die brennenden Feuerherzen nur geschickte Requisiten in der modernen Romeo und Julia-Inszenierung sind.

Wir Sofakritiker sind fasziniert! Während der weibliche Teil der Gruppe über die künstlichen Augenbrauen, Wimpern, Nägel, Nasen sinniert, diskutiert der männliche Teil über die Zweckmäßigkeit von Silikonbrüsten. Ja, es ist nicht mehr weit bis zur völligen Stagnation geistiger Fähigkeiten. Aber wir werden wiederbelebt: Anlass ist das „Dreamdate“ von Jessica und Johannes auf Mauritius. Denn die Bachelorette stellt erstaunlicherweise fest, dass im Meer Fische leben und dass diese ganz schön nah sind. „Ja, wer hätte es ahnen können“, ist der knappe Kommentar der männlichen Sofaecke. Die weibliche Sofaecke erwacht hingegen aus dem Dornrösenalptraum, es folgt ein meeresbiologischer Diskurs über die Gefahr von Feuerfischen und Quallen und die Feststellung: Gute Idee mit einer Fischphobie für ein Traumdate Tauchen zu wählen. Ach ne, das war ja RTL, sorry Jessi! Die männliche Sofaecke, die inzwischen mysteriöser Weise häufig das Wohnzimmer verlässt, (typisch Mann eben, kein Blick für die wichtigen Dinge im Leben) meldet sich aber doch noch einmal zu Wort.

Die Bachelorette düst nämlich auf der Suche nach Mr. Right durch die Welt. Erst viel nackte Haut auf Mauritius mit Johannes, dann Elefanten-Selfies mit David in der Savanne, schließlich ein romantischer Heiratsantrag in der leeren Wüste von Niklas. Der männliche Kommentar: „Was? Die knutscht mit allen rum?“ Ja, Jungs, so ist das, Frauen dürfen das eben auch, oder etwa nicht? Außerdem ist das doch die romantischste Kennenlerngeschichte: „Liebe Kinder, nachdem ich vor den Augen der Nation mit vielen Männern knutschte, habe ich in der afrikanischen Savanne bei einem romantischen Candle-Light-Dinner euren Vater kennen-und liebengelernt.“

Ich bin jetzt sauer. Denn wenn ich an die vielen Frauen denke, die für Frauenrechte, Gleichberechtigung und Bildung kämpften, schafft es die Bachelorette die Emanzipation so aussehen zu lassen, als dass sie aus gleichberechtigtem Geknutsche bestünde. Ach, „gewonnen“ hat übrigens der antarktische Callboy David: Wenn das nicht Liebe ist!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen