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Elmshorner Nachrichten

17. Dezember 2017 | 19:16 Uhr

Elmshorn : So viel Arbeit steckt im Wohlklang

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Zum 150. Geburtstag präsentieren die Chöre der Liedertafel Orffs „Carmina Burana. Die Proben laufen auf Hochtouren.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 12:30 Uhr

Elmshorn | „At – the, da ist ein Sprung“, Susanne Drdack bewegt ihren rechten Arm zur Veranschaulichung von oben nach unten: „Einige von euch singen recht tief, die wissen dann nicht, wohin.“ Drdacks Appell an die Sänger: „Fangt hoch an!“

Drdack steht in Socken auf einem Tisch. Vor ihr stehen und sitzen an die 150 Leute: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Leute. Sie wollen alle zusammen „Look At The World“ singen; nicht nur für sich, sondern zum großen Festkonzert ihres Vereins am Sonnabend, 20. Februar. Dann werden die fünf Chöre der Liedertafel „Schleswig-Holstein“ von 1866 Elmshorn e. V., so der offizielle Name, gemeinsam das 150-jährige Jubiläum der Liedertafel feiern. Am Sonnabend wird die einzige Gelegenheit sein, auch den Volkslieder-Singkreis im Saalbau zu hören; am Sonntag folgt gleich das zweite Jubiläumskonzert, dann wird der Singkreis allerdings nicht dabei sein.

An beiden Tagen wird eines der berühmtesten und anspruchsvollsten Chorwerke aufgeführt: die Carmina Burana von Carl Orff. Daran arbeiten vier Chöre der Liedertafel seit einem Jahr: Kinder- und Jugendchor, gemischter Chor und die „Leistungsklasse“, das Ensemble Elmshorn.
Das Ensemble hat die Carmina Burana bereits 2012 aufgeführt. Für die rund 50 Sängerinnen und Sänger genügte es, das Stück ab Dezember aufzufrischen. Die anderen drei Formationen beschäftigen sich schon seit einem Jahr mit der szenischen Kantate aus den 1930ern. Zwei Probenwochenenden, jeweils von Freitag bis Sonntag, schlossen die Vorbereitungen ab.

Ein alter Traum

Für Hans-Hermann Brügge erfüllt sich am 20. Februar ein alter Traum: „Wir wollten schon zum 125. Geburtstag die Carmina Burana singen“, erzählt der 81-jährige. Er war damals, 1991, Vorsitzender der Liedertafel und suchte einen Chorleiter für das Großprojekt: „Da hat sich keiner rangetraut“.

Da hat Susanne Drdack kein Problem: „Es ist nicht einfach, aber es gibt durchaus anspruchsvollere Stücke“, findet sie. Immerhin erklingt der Chorgesang teilweise achtstimmig, dazu müssen die Musiker eingebunden werden. „Wenn man das geschafft hat, dann ist das was“, gibt denn auch die Leiterin zu: „gerade für den gemischten Chor.“ Populär ist die Carmina Burana jedenfalls: Beide Vorstellungen sind ausverkauft.

Am letzten Probenwochenende geht unterdessen der Feinschliff an „Look At The World“ weiter. „Tommy, wie ist die Aussprache?“, fragt Drdack nach einem Durchgang einen englischen Muttersprachler im Chor. „Sehr deutsch“, antwortet der, alle lachen. Die Stimmung ist konzentriert und produktiv, aber locker. Drdack gibt Anweisungen für den Schluss des Liedes: „Und dann bewegt sich keiner, bis ich die Arme ’runternehme. Wenn das Publikum gut ist, halten sie die Spannung. Wenn nicht, dann“ – sie klatscht, um den verfrühten Applaus vorzuführen.

Sie gibt noch organisatorische Anweisungen: „Ich habe am meisten Respekt, dass die Auf- und Abgänge klappen. Bitte umsetzen, was die beiden Volkers euch sagen“, die regeln den Verkehr auf der Bühne so, dass sich die vielen Leute nicht gegenseitig im Weg stehen.

Die Lieder der Carmina

Der Volkslieder-Singkreis verabschiedet sich, Jugendchor, gemischter und Ensemble machen weiter: einmal die Lieder der Carmina komplett durch. Am Freitag hatten die Männer eine eigene Probe, sie studierten „In Taverna“ ein. Dabei handelt es sich zwar um ein Trinklied, aber: „Das ist nicht so einfach“, findet Drdack.

Sie beendet die Proben mit einem guten Gefühl: „Es läuft wirklich sehr gut“. Vor allem begeistert sie, wie die Chöre an den beiden Wochenenden zusammenfanden: „Es ist sehr emotional, dass alle von 11 bis 85 zusammengewachsen sind.“

Am Freitag vor dem ersten Konzert kommen die Musiker zur Hauptprobe dazu, dann fehlt nur der Kinderchor. Der ist dann am Sonnabend bei der Generalprobe dabei. Um 17 Uhr wird es ernst, dann beginnt das Konzert. Aufgeregt? „Ich habe auch Lampenfieber; wenn ich mal keins mehr habe, sollte ich nicht mehr auf die Bühne gehen“, sagt Drdack. Für alle aufgeregten Sänger hat sie einen Trost parat: „Man ist ja nicht allein auf der Bühne.“ Und: „Wir sind gut vorbereitet.“

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