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Nach dem Betrugsskandal : So stemmt Elmshorn das Projekt KGSE

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Es gibt viel Arbeit für das neues Projektteam. Trotz Problemen durch den Betrugsskandal sollen Mensa und Sporthalle im Herbst 2015 fertig sein.

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erstellt am 27.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Der Korruptionsskandal im Rathaus hätte Elmshorns Mega-Baustelle nicht härter Treffen können. Auf einen Schlag war mit Nicole H. und Inga B. die komplette Projektleitung für den Neubau der Erich Kästner Gemeinschaftsschule (KGSE) weg. Die Stadt stand mit dem Rücken zur Wand. Noch weitere Verzögerungen auf der größten Schulbaustelle des Landes konnte und wollte man sich nicht leisten. Schnell war klar, dass der 36 Millionen Euro teure Bau oberste Priorität genießt. Ein Trio soll jetzt die Lücke schließen, die durch die Freistellung der Architektinnen entstanden ist.

„Das ist eine ganz schwierige Situation“, betont Stadtrat Dirk Moritz. Mit Alexander Kirschmann habe nun ein erfahrener Bauingenieur die Projektleitung übernommen, der schon viele Neu- und Umbauten von Kitas und Schulen geleitet hat. Ihm zur Seite stehen mit Diplom-Ingenieur Udo Bay und Energiemanager Stefan Bennke zwei Fachkräfte, die fast von Beginn an beim KGSE-Bau mitgewirkt haben, bislang aber in anderer Funktion. „Wir springen jetzt ein und werden uns durchboxen“, so Kirschmann. Ziel ist es, nicht nur den Kostenrahmen von 36 Millionen Euro, sondern auch den Zeitplan zu halten. Nach den Herbstferien 2015 soll das Mammut-Projekt komplett fertig sein. Derzeit sind noch Bauteil C und D in Arbeit, Mensa und Sporthalle.

Die Ermittlungen wegen Betrugsverdachts gegen die städtischen Architektinnen Nicole H. und Inga B. sowie zwei weitere Mitarbeiter des Gebäudemanagements laufen. Staatsanwaltschaft und Kripo sind noch dabei, die bei der groß angelegten Razzia gesicherten Unterlagen zu sichten und Beweise zu sammeln. Unklar ist unter anderem noch, wie lange das Quartett durch Unterschlagung der Stadt Elmshorn Schaden zugefügt hat. Auch die Höhe des Schadens ist noch unklar.

Dem Pfusch auf der Spur

Wie viele Seiten in Aktenordnern er schon gewälzt hat, kann Alexander Kirschmann gar nicht zählen. Der Bau-Ingenieur der Stadt muss sich so schnell wie möglich den Überblick über Elmshorns größte Baustelle verschaffen. Ab sofort hat er die Projektleitung für den Bau der Erich Kästner Gemeinschaftsschule übernommen.

„Wir werden das Projekt auf mehrere Schultern verteilen“, berichtet Stadtrat Dirk Moritz. Neben Kirschmann werden Diplom-Ingenieur Udo Bay und Energiemanager Stefan Bennke in die Projektleitung eingebunden. „Anders ist es nicht zu schaffen“, so Moritz. Während Bay und Bennke immerhin schon in anderer Funktion mit der KGSE-Baustelle zu tun hatten, ist für Kirschmann alles neu. Eine große Herausforderung für den erfahrenen Ingenieur, schließlich ist die KGSE nicht irgendein Bau, sondern das größte Schulbauprojekt in Schleswig-Holstein.


Bis dahin wartet auf ihn und seine Kollegen aber noch jede Menge Arbeit. Denn der Baufortschritt muss ständig überprüft werden, damit keinerlei Mängel übersehen werden. Denn eins ist klar: Gepfuscht wird auch auf der KGSE-Baustelle. Und das nicht zu knapp. „Es sind gar nicht die Insolvenzen von am Bau beteiligten Firmen, die uns zurückwerfen, sondern die vielen kleinen Fehler, die ausgebessert werden müssen“, sagt Kirschmann. Beispiele dafür gebe es viele. Und so führt Energiemanager Bennke auf, dass beim Anbringen von Heizkörpern auch schon mal in die Dämmung gebohrt wird, sodass eine Wärmebrücke entsteht. Oder auch im Mensa-Bau. Dort sollte ein Wasseranschluss in einer Mauer verlegt werden. Wurde er aber nicht. Die Rohre kommen gut zwei Meter vor der Mauer aus dem Boden. Nun muss geprüft werden, ob der geplante Anschluss auch so machbar ist. Einen schlimmen Pfusch hat es auch bei der Verkleidung von Rohrleitungen gegeben. Anstatt die Rohre vorschriftsmäßig in die Wand einzulassen, zu dämmen und zu verputzen, haben Handwerker jede Isolierung weggelassen und stattdessen lediglich Styroporplatten verputzt. „Die Wand wäre sofort eingestürzt, wenn sich da mal ein Schüler angelehnt hätte. Vom Thema Brandschutz mal ganz zu schweigen“, sagt Bennke.

 

Die Bauüberprüfung sei eine Mammutaufgabe bei einer derart großen Baustelle wie der KGSE. „Sie ist aber enorm wichtig“, betont Stadtrat Moritz. Mängel müssten jetzt festgestellt und beseitigt werden. „Übersehen wir etwas, kommt es vielleicht erst nach Ablauf der Gewährleistungsfrist zum Schaden – und dann bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen“, so Moritz. Kirschmann und seine Kollegen sind deshalb so gut wie jeden Tag zu Kontrollen auf der Baustelle unterwegs.

Kommt es zu keinen größeren Fehlern und weiteren Insolvenzen, ist aus Sicht der neuen Projektleitung der Termin zu halten. Die jüngste Insolvenz des Küchenlieferanten für die Mensa führe zu keinen Verzögerungen. „Das kriegen wir aufgefangen“, so Kirschmann. Läuft alles glatt, sollte auch der gesteckte Kostenrahmen von 36 Millionen Euro gehalten werden können.

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