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Stundenlang vom Netz : So reagierte Elmshorn auf den Stromausfall

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Supermärkte bestellten Kühl-Lkw, beim Gartencenter griffen die Mitarbeiter auf Taschenrechner zurück. Die Strom-Not macht erfinderisch.

Elmshorn | Andrea Möhle und ihre Tochter Jennifer wollten nur kurz bei Famila an der Hamburger Straße reinspringen und ein paar Lebensmittel besorgen. Dort stehen die beiden Frauen jedoch vor verschlossenen Türen. „Alles ist dicht – Stromausfall“, klärt sie eine andere Kundin auf.

Dreieinhalb Stunden lang ging im Süden Elmshorns und in Kölln-Reisiek nichts. Rund 20.000 Menschen waren betroffen, Geschäftsleute mussten erfinderisch werden. Bei Famila ist Warenhaus-Leiterin Karoline Strauß hinter den geschlossenen Türen mächtig am rotieren. Niemand weiß, wie lange der Stromausfall anhalten wird und der Notstrom für die Kühltheken hält nicht ewig vor. Strauß bestellt einen Kühl-Lkw, in den die gekühlten und tiefgefrorenen Lebensmittel im Notfall umgeladen werden können. Die Kassen sind inzwischen verwaist, nur bei der Bäckerei Kolls herrscht noch reger Zulauf. „Die Brötchen müssen ja zum Glück nicht gekühlt werden“, sagt Bezirksleiterin Helene Brant. Sie ist kurzerhand von der Kasse auf Zettel und Stift umgestiegen. „Wir schreiben alles auf und geben das später in die Kasse ein“, sagt sie. „Nur der Kaffee wird nicht mehr lange reichen, wir haben nur zwei Kannen auf Vorrat.“

An einem der Tische im Café sitzen zwei Mitarbeiterinnen vom Kreishaus. Eigentlich wollten die beiden in der Kantine essen, aber da ist wegen des Stromausfalls alles dicht. Deshalb sind sie fürs Mittagessen auf kalte Brötchen vom Bäcker umgestiegen. Weiterarbeiten können die beiden später trotz des Stromausfalls: Im Kreishaus sorgt ein Notstromaggregat dafür, dass alles seinen geregelten Gang geht.

Anders sieht das bei der Shell-Tankstelle gegenüber von Famila aus. Die Zapfsäulen sind alle tot, wer Benzin benötigt, muss weiter in die Stadt hineinfahren. Trotzdem hält Mitarbeiter Vladimir Kvant die Türen offen, Getränke, Süßigkeiten und Zeitschriften verkauft er weiterhin – und notiert alles per Hand auf einen Block. Bei McDonalds an der Lise-Meitner-Straße ist die Einfahrt mit einem Flatterband und zwei Stühlen versperrt. Drinnen haben Filialleiter Adrian Dudziak und seine Mitarbeiter alle Hände voll damit zu tun, die Lebensmittel in den Kühlraum zu bringen. „Zum Glück haben wir einen Kühlspeicher“, sagt Dudziak. „Aber das ganze Fleisch, das wir vorbereitet hatten, mussten wir wegwerfen. Dass wir in der Mittagszeit schließen müssen, bedeutet einen riesigen Umsatzverlust.“

An der Kreuzung Hamburger Straße und Langelohe regeln zwei Polizisten den Verkehr.
An der Kreuzung Hamburger Straße und Langelohe regeln zwei Polizisten den Verkehr. Foto: Cornelia Sprenger
 

Das Gartencenter Bellandris Rostock ist dagegen voller Kunden. Marktleiter Peter Mohr hat einen kleinen Handscanner gefunden und notiert die Preise auf einem kleinen Zettel. Mitarbeiterin Yvonne Stockfleth rechnet später mit einem Taschenrechner alles aus und kassiert Bargeld. „Das alles später in einen Computer einzugeben, wird bestimmt eine abendfüllende Aufgabe“, sagt sie. Die Kunden reagieren gelassen auf die längeren Wartezeiten. Es sei nur schade, dass die Eismaschine im Café ausgefallen sei, sagt ein Mann. Er hätte sich schon sehr auf ein Eis gefreut. Da blieb nur eine Lösung: Warten auf den Strom.

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erstellt am 06.Apr.2017 | 10:00 Uhr

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