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Elmshorner Nachrichten

12. Dezember 2017 | 21:04 Uhr

So hilft Kollmar den Brandopfern

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Gemeinde findet neue Heimat für Flüchtlinge im Ort / Bürgermeister lobt Zusammenleben mit den Neubürgern aus Afghanistan

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Gerade erst haben Zekrollah und Maghull Sanjari mit einer Schwester, vier Kindern und zwei Nichten in Kollmar Zuflucht vor dem Terror in ihrer Heimat Afghanistan gefunden. Die Familie ist im Dezember in das Haus im Neuen Weg eingezogen und hat sich dort sehr wohlgefühlt. Man hat sie in der kleinen Elbgemeinde sofort willkommen geheißen. Ein großer Kreis von freiwilligen Helfern kümmert sich dort um die insgesamt 32 Flüchtlinge, begleitet sie zu Behördengängen, Arztbesuchen und zum Einkaufen, betreut ihre Kinder, gibt ihnen Sprachunterricht oder bringt ihnen das Fahrradfahren bei.

Am Dienstag vor einer Woche hat ein Feuer der Familie Sanjari zum zweiten Mal alles genommen, was sie hatten. Kollmars Bürgermeister Klaus Kruse und seine Frau Charlotte Israelsen-Kruse engagieren sich stark in der Flüchtlingshilfe und erinnern sich noch gut an jenen Tag. „Ich hatte schon die Jacke angezogen, weil ich für einen Termin in Brunsbüttel abgeholt werden sollte“, erzählt Klaus Kruse. „Plötzlich habe ich den Rauch gesehen, der aus dem Neuen Weg kam – und sofort gedacht: hoffentlich ist das nicht das Haus, wo die Flüchtlinge wohnen.“ Aber es brannte das Haus, in dem Familie Sanjari lebte, außer ihnen wohnten dort noch fünf junge Männer, ebenfalls aus Afghanistan, in einer Einliegerwohnung im ersten Stock.

Dabei lief es so gut mit der Familie Sanjari, sagt Klaus Kruse. Wie eigentlich mit allen Flüchtlingen in Kollmar. „Das sind sehr ordentliche Leute, wenn man sie besucht, ist alles immer tip top. Auch mit den Nachbarn kommen sie gut zurecht.“ Als das Feuer in dem einzigen Schlafzimmer, das von der Familie nicht genutzt wurde, ausbrach – wohl durch eine technische Ursache – waren viele Nachbarn und Helfer sofort zur Stelle, brachten die Menschen ins Warme und gaben ihnen Kleidung. Auch andere Flüchtlinge kamen zur Hilfe, einige holten das letzte Kind aus dem brennenden Haus, das dort vor dem Fernseher eingeschlafen war. Andere überredeten einen der jungen Männer aus einem der Fenster im ersten Stock zu springen.

Die Familie Sanjari und die anderen Bewohner des abgebrannten Hauses am Neuen Weg sind jetzt erst einmal in der Landesunterkunft in Glückstadt untergekommen. Aber sie wollen unbedingt zurück nach Kollmar. „Selbst die jungen Männer, dabei hätten wir gedacht, dass die lieber an einen Ort wollen würden, an dem mehr los ist“, sagt Bürgermeister Klaus Kruse. „Sie fühlen sich hier offenbar gut betreut. Und sie stehen in Kontakt mit anderen Flüchtlingen und wissen, wie es anderswo ist.“

Klaus Kruse war sehr erleichtert, als er hörte, dass es sich bei dem Brand nicht um Fremdverschulden handelte. „Das hätte auch nicht zu der Stimmung hier vor Ort gepasst. Als das Feuer brannte, hat keiner Beifall geklatscht. Aber man kann so etwas ja nie ausschließen.“

Gleich ab dem ersten Tag nach dem Feuer haben Helfer und andere Flüchtlinge aus Kollmar die Familie und die jungen Männer in Glückstadt besucht. Und fürs Osterfeuer haben sie sie wieder nach Kollmar geholt. „Wir waren uns nicht sicher, ob sie so schnell wieder etwas mit Feuer zu tun haben wollten“, erzählt Kruse. „Aber sie wollten unbedingt kommen.“

Am Osterfeuer hat er mit der Familie vereinbart, dass sie einige Tage später in das verbrannte Haus gehen und nach noch nicht verbrannten Habseligkeiten suchen dürfen. Am Dienstag kamen die Eltern mit den ältesten Kindern nach Kollmar, zu ihrem alten Haus. „Dem ältesten Mädchen und der Mutter kamen die Tränen, als sie das Haus gesehen haben“, erinnert sich Kruse. „Es ist weitestgehend zerstört, die Deckenbalken sind völlig verkohlt, die Treppe nicht mehr vorhanden.“ Aber als die Familie einige unversehrte Kleidungsstücke, ihre Ausweisdokumente und Bankkarten fanden, verbesserte sich ihre Laune schlagartig.

In der Zwischenzeit hat Klaus Kruse zusammen mit einigen Helfern alles daran gesetzt, eine neue Bleibe für die Familie in Kollmar zu finden. „Das war gar nicht so einfach, weil wir kaum Leerstände haben“, sagt er. Aber Kruse wusste von einer ehemaligen Tischlerei in der Straße An der Chaussee 2, aus dem ein älteres Ehepaar vor Kurzem ausgezogen war und das ein Kollmaraner erworben hatte. „Er war sofort sehr aufgeschlossen und hat sich gleich ans Renovieren gemacht“, erzählt Klaus Kruse.

Die neunköpfige Familie und zwei der Männer aus dem ersten Stock, die mit ihr verwandt sind, können in diesem Haus unterkommen. Nach einer Unterkunft für die anderen drei Männer sucht Kruse noch. „Aber als ich der Familie von dem Haus erzählt habe, strahlte die älteste Nichte und hat spontan einen Luftsprung gemacht.“ Dabei sei das Mädchen sonst eher sehr still und in sich gekehrt, vermisse seine Eltern, die an der türkischen Grenze zurück nach Afghanistan geschickt worden waren.

Klaus Kruse hofft, dass das Haus bis Anfang Mai bezugsfertig sein wird. Die Verträge mit dem Amt seien noch nicht unterschrieben, „aber alle Beteiligten sind dafür“. Dann wird der sehnlichste Wunsch der Familie Sanjari erfüllt und die elf Flüchtlinge aus Afghanistan können in ihre alte neue Heimat Kollmar zurückkehren.

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