So hart ist das Rookie-Leben

Anißa Nowak setzt auf ihr organisatorisches Talent.
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Anißa Nowak setzt auf ihr organisatorisches Talent.

Julian Völling und Daniel Claus über ihre erste Saison in der GFL 2 – und die Vorfreude auf das finale Relegationsspiel am Sonnabend

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30. September 2019, 16:30 Uhr

Elmshorn | Den Moment, der für viele Entbehrungen und auch manch kleine Enttäuschung über weniger Einsatzzeiten als erhofft entschädigte, hat Julian Völling gar nicht so richtig realisiert. Das war vor zwei Wochen sein Touchdown-Catch zum zwischenzeitlichen 39:7 gegen die Düsseldorf Panther (Endstand 47:14), der erste im GFL-2-Team der Elmshorn Fighting Pirates. „Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich in der Endzone war. Auf einmal kamen alle Leute auf mich zugelaufen“, sagt der 19-Jährige, der beim anschließenden Kick-off auch noch den entscheidenden Tackle gegen den Düsseldorfer Returnspieler setzte. Rückblickend betrachtet fiel eine kleine Last von dem Rookie ab. „Ich habe mich gefreut und war erleichtert, dass es funktioniert hat“, so der in Uetersen wohnende Student, der an der Hamburger Uni Sport- und Eventmanagement belegt hat.

Viereinhalb Jahre spielt Julian Völling American Football – und das immer bei den Pirates. Angefangen in der B-Jugend, dann drei Spielzeiten in der A-Jugend-Regionalliga und nun das erste Jahr bei den Männern. „Der Schritt von der A-Jugend zu den Herren ist riesig.“ Das hat der junge Receiver (Passempfänger) in den vergangenen Monaten am eigenen Leib erfahren. „Das Tempo ist viel höher und die Gegenspieler sind viel besser und um einiges schneller“, zählt er auf. Konnte er in der A-Jugend den Verteidiger oft entwischen, so erwischten diese nun ihn mit harten Tackles sobald er das Ei in den Händen hielt. In Lübeck ist ihm das zweimal direkt hintereinander passiert, aber die einstudierte kurze Route klappte im Zusammenspiel mit Quarterback Ryan Sample wie erhofft. Völling sicherte den Pirates ein neues First Down. Dass er natürlich auch Fehler gemacht hat, gibt er freimütig zu.

Footballerisch habe er im Training mit den erfahreneren Akteuren sehr viel dazu gelernt. „Wirklich besseres Training kann ich woanders nicht bekommen“, ist er sich sicher. Das war auch ein Grund, den Pirates trotz Zeiten auf der Ersatzbank die Treue zu halten.
Den einen großen Auftritt hat Daniel Claus bei (fast) jedem Spiel: Er trägt beim Einlaufen der Mannschaft die große blaue Pirates-Fahne mit dem charakteristischen Seeräuberkopf ins Stadion. Da ist der Rookie schon ein Stück weit stolz drauf. „Hier Clausi, nimm mal die Fahne.“ Mit diesen Worten habe sie ihm Sportdirektor Max Paatz vor dem Saisonauftakt in die Hand gedrückt. Dabei ist es dann geblieben. „Das fühlt sich gut an“, sagt Claus, der im Alter von 13 Jahren mit American Football in der Jugend der Fighting Pirates begonnen hat.

Doch der 19-Jährige mag sich selbstredend nicht auf die Rolle des Fahnenträgers reduzieren lassen. Der Defense-Tackle definiert sich über das, was er auf dem Platz abgeliefert hat. „Natürlich habe ich mich über jeden Einsatz gefreut“, sagt der Rookie über sein erstes Jahr in der GFL 2 – auch wenn dies bedeutete, dass andere, erfahrenere Akteure aus der Defense-Line verletzt oder aus anderen Gründen ausgefallen waren. Im ersten Relegationsspiel vor zwei Wochen bei den Düsseldorf Panthern gehörte er sogar zur Startformation und eroberte mit einem gecoverten Fumble einmal das Angriffsrecht für sein Team.

Es gab auch Partien, in denen der Auszubildende zum Informatikkaufmann gar nicht und nur für wenige Spielzüge zum Einsatz kam. Ein ungewohntes Gefühl für den 2,03 Meter großen Brecher, der an der Line of Scrimmage der gegnerischen Offensive Line quasi Nase an Nase gegenüber steht. „In der Jugend war ich nie Nicht-Startspieler. Das war in diesem Jahr für mich eine ganz andere Erfahrung“, so Claus. Kurze Momente der Frustration schob er aber schnell beiseite. „Ich will dabei sein und alles mitnehmen, was geht“, habe er sich immer wieder gesagt und dafür auch geschluckt, dass man sich als Rookie manchmal hinten anstellen muss. Die Begeisterung für den Sport hat nicht gelitten. Zusätzliches Training im Fitness-Studio und in der zweiten Mannschaft macht er gern. „Jede freie Minute wird in den Verein investiert.“

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