Brauerei : Simian Ales: Ein Bier aus Elmshorn

Sie sind die Gesichter hinter „Simian Ales“: Anne Schrills und Ian Faulkner. Im Hintergrund sind die Brautanks zu sehen.
1 von 2
Das Gesicht hinter „Simian Ales“: Ian Faulkner.

Ian Faulkner verkauft sein Craft-Beer bereits an Bars in Hamburg und Berlin – jetzt eröffnet er eine eigene Brauerei auf Langelohe.

von
24. Januar 2018, 16:30 Uhr

Elmshorn | Ein Engländer, der den Deutschen etwas über Bier erzählen will? Klingt erst einmal komisch, aber Ian Faulkner tut das auf eine äußerst effektive Art und Weise: Der 37-Jährige braut einfach sein eigenes Bier. Damit ist er in Hamburg schon ziemlich erfolgreich. Sein „Balduin Ales“ verkauft der sympathische Mann aus Oxford zum Beispiel im Ratsherrn-Braugasthaus „Altes Mädchen“ oder im „Craft Beer Store“ im Hamburger Schanzenviertel. Und bald wird dieses Bier – unter dem neuen Namen „Simian Ales“ – ein echtes Elmshorner Produkt sein. Damit hat die Krückaustadt dann neben dem „Brewing Pack“ ihre zweite eigene kleine Brauerei.

Für Ian Faulkner und seine Lebensgefährtin ist das Ganze mehr als ein Hobby: 3000 Liter Bier pro Monat wollen die beiden ab Mitte März in ihrer Brauerei auf Langelohe 65a produzieren. Das ist zwar deutlich weniger als andere professionelle Brauereien (zum Vergleich: Bei „Ratsherrn“ wird diese Menge zweimal täglich gebraut) aber doch genug, um ein zweites berufliches Standbein aufzubauen. Während Ian Faulkner also weiterhin zwei Tage in der Woche an einer Hamburger Sprachschule Englisch unterrichtet, wird er künftig die anderen drei Tage in Elmshorn verbringen. „An einem Tag werde ich brauen, an einem Tag das Bier in Flaschen füllen und an einem Tag saubermachen“, sagt Faulkner auf Englisch.

Bis es so weit ist, ist noch viel zu tun. Die zukünftige Brauerei befindet sich auf dem Gewerbehof auf Langelohe. Zwischen Kaminbauer, Fahrradbörse und Fahrschule sind die Räume nur durch eine Glaswand von einem ganz normalen Hausflur getrennt. Früher war hier mal ein Burger-Restaurant untergebracht. Jetzt stehen in einer Ecke drei große, nagelneue Brautanks aus Edelstahl mit jeweils 1250 Litern Fassungsvermögen, ein paar Meter weiter hat Faulkner den Braukessel zur Erzeugung der Maische und den Läuterbottich zum Trennen von Malz und Bierwürze aufgestellt. Ansonsten ist der große, verwinkelte Raum bis auf eine Bierzeltgarnitur noch ziemlich nackt. „Wir wollen einen neuen Boden verlegen und alles streichen“, erklärt Faulkners Lebensgefährtin. „Hier in die Ecke kommt die Flaschenabfüllanlage, am Eingang richten wir einen kleinen Shop ein und ganz hinten wollen wir auch unser Bier ausschenken.“

Sechs Sorten will Faulkner dauerhaft anbieten, dazu sollen weitere saisonale Biere kommen. Alle schmecken unterschiedlich, das eine weist leichte Mango-Aromen auf, das andere schmeckt ein bisschen nach Schokolade. „Ich mag bei Bier keine extremen Geschmäcker, ich habe es lieber subtiler“, sagt Faulkner. Das erreicht er durch verschiedene Hopfen- und Malzsorten aus Übersee, unterschiedliche Röstungen und Temperaturen.

Es ist die Vielfalt der Craft-Beers, die Ian Faulkner überhaupt zum Bierbrauen gebracht hat. Als er 2010 nach Hamburg kam, um Englisch zu unterrichten, fiel ihm bald auf, wie wenig Auswahl es in den deutschen Kneipen beim Bier gab. „Meist konnte man am Zapfhahn nur zwischen Pilsener und Hefeweizen wählen“, erinnert sich Faulkner. „In England bietet jeder Pub mindestens zehn bis fünfzehn komplett verschiedene Biere vom Fass an.“ Faulkner begann, sein eigenes Bier zu brauen – zunächst in der heimischen Küche.

Als er mit dem Brauen anfing, war Craft-Beer in Hamburg noch weitgehend unbekannt. Faulkner gründete mit einigen Freunden einen Hobby-Brauer-Stammtisch. Bis irgendjemand auf die Idee kam, die eigenen Produkte zu verkaufen. „Wir gingen von Bar zu Bar und stellten unsere Biere vor“, erinnert sich Faulkner. Sein Produkt nannte er „Balduins“ – nach der Balduinstraße auf St. Pauli, wo er damals wohnte. Auf den Etiketten, die er mit einem befreundeten Grafiker dafür entwickelte, war ein Affe zu sehen, „weil wir etwas brauchten, das den Namen Balduin trägt – und weil Affen meine Lieblingstiere sind.“ Mit der Zeit lief der Verkauf immer besser, dann schwappte auch die Craft-Beer-Szene in die Hansestadt, „Balduins“ gab es bald in speziellen Geschäften und auf Bier-Festivals zu kaufen. Irgendwann wurde die heimische Küche zu klein. Faulkner braute eine Zeit lang in der Bar „Alles Elbe“ auf St. Pauli, dann kooperierte er mit einer Brauerei auf der dänischen Insel Fanø. Und der 37-Jährige hielt die Augen offen nach Räumlichkeiten für eine eigene Brauerei.

„Das war in Hamburg nicht so einfach“, sagt er. Zentral genug sollte der Standort sein, um auch vor Ort Bier ausschenken zu können. Gleichzeitig musste das Bauamt mitspielen. „Hier im Gewerbehof in Elmshorn stimmt einfach alles“, sagt Faulkner glücklich. Mitte bis Ende März hofft er, sein erstes Elmshorner Bier zapfen zu können – unter dem Namen „Simian Ales“. Seinem Wappentier bleib Faulkner treu, „simian“ bedeutet übersetzt „affenartig“. „Mein Ziel ist es, möglichst viel Bier direkt vor Ort zu verkaufen“, sagt Faulkner. „Dann ist es am frischesten und schmeckt so, wie Bier schmecken sollte.“ Denn: Für Faulkners Geschmack wird Craft-Beer in Deutschland viel zu kalt ausgeschenkt. „Für Pilsener sind fünf bis sechs Grad ideal, aber Dunkelbier muss zehn bis elf Grad haben, sonst geht der Geschmack verloren.“ Da hat der Brite am Ende den Deutschen doch noch etwas über Bier beigebracht.

Mitte bis Ende März eröffnet Ian Faulkner seine Brauerei mit angeschlossenem Bierausschank auf Langelohe 65a. Ausgeschenkt wird zunächst wahrscheinlich mittwochs bis freitags jeweils von 16 bis 21 Uhr. Außerdem soll es Tasting-Events, Braukurse und Bierproduktion nach Auftrag geben.   Zusätzlich will Ian Faulkner mit Supermärkten aus der Umgebung verhandeln. Schon jetzt gibt es das Bier – derzeit noch unter dem Namen „Balduin Ale“ in etwa zehn Hamburger Bars und verschiedenen Craft-Beer-Shops.
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen