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Chris Tomasina und Thomas Schimansky aus Elmshorn : Sie sorgten auch in diesem Jahr für Spaß in Wacken

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Elmshorner Chris Tomasina und Thomas Schimansky sowie ihre Mitstreiter bieten Show und Spiele beim Heavy-Metal-Festival.

Elmshorn/Wacken | Wacken. Das ist Heavy Metal. Das sind manchmal auch Matsch und Schlamm. Das ist Bier. Das ist eine friedliche Megaparty in einem kleinen Steinburger Dorf. Das sind mehr als 75.000 Menschen. Und das ist jede Menge Spaß. Und damit es außer der Musik weiteren Spaß für die vielen Besucher gibt, haben die Veranstalter verschiedene Menschen oder Gruppen von Menschen engagiert. Zwei, die seit einigen Jahren fest dazu gehören, stammen aus Elmshorn: Chris Tomasina und Thomas Schimansky.

Ihr Hobby ist Schwertschaukampf. Nach einem Grundkursus über die VHS Elmshorn sind sie dabei geblieben, haben weitere Kurse belegt und gehören zur Schule für mittelalterlichen Schwertschaukampf, die ihren Sitz in Henstedt-Ulzburg hat.

Bei den Schwertern handelt es sich um so genannte Anderthalbhänder, auch Bastardschwert genannt. Sie sind stumpf, werden mit beiden Händen am Knauf gehalten und wiegen bis zu zwei Kilogramm. Rund zwei Minuten dauert ein Kampf, „danach ist man fertig“, sagt Schimansky. Treffer sollen vermieden werden. „Man kämpft gemeinsam mit dem Kampfpartner, das macht den Reiz aus“, sagt er. Einmal pro Woche wird unter anderem in Elmshorn trainiert.

Vor allem bei Mittelalter-Festivals, beispielsweise beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) in Hohenwestedt, treten die Kämpfer auf. Mit 40 bis 120 Personen in 30 bis 40 Zelten ist die Gruppe dabei.

Wacken-Beauftragte der Schule

So wurden die Veranstalter des Wacken Open Air auf die Schule aufmerksam. „Heavy-Metal-Fans haben oft eine große Affinität zum Mittelalter“, sagt Chris Tomasina. Sie und Thomas Schimansky sind seit 2005 jedes Jahr bei dem Metal-Festival dabei, privat, weil sie die Musik mögen. Als sich Schule und Festival-Veranstalter einig waren, wurden sie deshalb Wacken-Beauftragte der Schule. Ein wichtiger Punkt des künftigen Programms sollte Bruchenball sein. Der Ursprung des Bruchenballspiels liegt in der Ausbildung der Knappen zum Ritter. Aus einer Kuhhaut wurde ein Sack genäht, der mit Tannenzapfen gefüllt wurde und bis zu 140 Kilogramm wog. Um den wurde gekämpft.

In Wacken wiegt der Sack nur 40 bis 50 Kilogramm und ist mit Sand und Schaumstoff gefüllt. Zwei Mannschaften kämpfen gegen einander, und müssen versuchen, den Sack über die Linie der gegnerischen Mannschaft zu schieben. Nicht zulässig sind Schlagen, Treten, Beißen. Ansonsten kann nach Herzenslust gerauft werden.

Für dieses Spiel brauchten Tomasina und Schimansky Leute, die mitmachen wollten und zu ihnen passten. „Wir haben ein richtiges Casting gemacht. Mittelalterfreaks und Footballer waren dabei.“ Mit 20 Leuten ging es im Jahr 2012 los. Einmal am Tag gab es Bruchenball.

Sinn des Spiels war es, den Knappen in die Lage zu versetzen, seinen Herren während einer Feldschlacht zu retten, wenn er verletzt wurde. Dieses Spiel war beliebt, es kam aber häufig zu schweren Verletzungen. Die Teilnehmer wurden anfangs nach Waffen untersucht, doch  der Einfallsreichtum, die Waffen zu verstecken, war immens. Man entschied sich deshalb, möglichst wenige Versteckmöglichkeiten für Waffen zuzulassen. Deshalb wurde ab dem 12. Jahrhundert nur noch in der Bruche (Die übliche lange Unterhose) gespielt, was jedoch nicht ausschloss, dass weiterhin schwere Verletzungen durch Fausthiebe an der Tagesordnung waren. Mittlerweile wird vor dem Spiel klar gestellt, was zugelassen wird.

In der ersten Runde spielten die eigenen Leute, um den Besuchern zu zeigen, wie es geht. Danach waren die Festival-Besucher am Zug. Und das Spiel kam an. Immer mehr „Metal-Heads“ wollten beim Bruchenball mitmachen. „Im vergangenen Jahr haben wir 202 Leute durchgeschleust“, berichtet Tomasina.

Dieses Jahr waren es wegen des schlechten Wetters „nur“ 108. „Als das Wetter im Jahr davor so schön war, sind die Leute über den Zaun gesprungen, um mitmachen zu können“, erinnert sich Schimansky. Entsprechend ist Zahl der Helfer gewachsen. Bruchenball gespielt wird mittlerweile zwei Mal am Tag, zwei Mal Frauen, zwei Mal Männer. „Frauen sind richtig krass“, sagt Tomasina. Aber auch bei den Männern geht’s zur Sache. Zwei Schiedsrichter passen auf, dass alles im Rahmen bleibt. Außerdem stehen für Notfälle drei Sanitäter bereit. „Da ist so viel Adrenalin im Spiel. Manche überschätzen sich einfach“, so Schimansky. Dieses Jahr gab es nur einen, der behandelt werden musste. Aber der hatte zu lange in der Sonne gesessen.

Betrunkene dürfen nicht mitmachen, Piercings werden abgeklebt und es steht reichlich Wasser zum Trinken und Abkühlen zur Verfügung. „Die Leute sind total begeistert“, sagen die beiden Wacken-Beauftragten der Schwertkampfschule. Pro Mannschaft raufen vier bis fünf Personen. Jede Mannschaft trägt Baumwollhosen in unterschiedlichen Farben. Zur Belohnung gibt es außer dem Beifall des Publikums für jeden Bruchenballspieler eine Wacken-Medaille, egal ob Sieger oder Besiegte. „Es geht um nichts. Die Leute sollen Spaß haben“, sagt Tomasina.

Zahlreiche Programmpunkte

Das Bruchenballspiel ist ein wichtiger Bestandteil des Wacken-Programms der Schule, aber beileibe nicht das einzige. Schwertkampf, Schnuppertraining für Besucher, mittelalterliches Tanzen, Theaterstück, Walking Acts und Feuershow gehören auch dazu. „Rund 130 Leute waren in unserem Heerlager im Wackinger Village“, so Tomasina. Immerhin wurden die eigenen Leute bekocht und auch Techniker waren mit von der Partie.

Angereist waren sie wegen des Wetters dieses Jahr bereits am Sonntag. Eine Woche später ging’s wieder nach Hause. Der Lohn für die Arbeit auf dem Festival-Gelände: Freier Eintritt und entsprechend viele Heavy-Metal-Konzerte.

„Uns macht das alles unheimlich viel Spaß“, sagen die beiden Elmshorner. Und deshalb steht für sie jetzt schon fest: Beim Wacken Open Air 2016 sind sie wieder dabei. Entweder, um die vielen Besucher zu unterhalten. Oder wie die übrigen 75.000 als ganz normale Festival-Besucher.

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erstellt am 12.Aug.2015 | 14:00 Uhr

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