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Elmshorner Nachrichten

15. Dezember 2017 | 21:14 Uhr

Neuendorf : Sie sorgen für leckere Gänsebraten

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Heute ist Martinstag. Auf dem Neuendorfer Geflügelhof Thormählen ist daher Hochbetrieb. Immer größere Nachfrage von Restaurants.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2014 | 14:00 Uhr

Neuendorf | Heute ist Martinstag. Ein Tag mit langer Tradition. Eine davon ist die Martinsgans. Der Hof der Familie Thormählen aus Neuendorf ist einer der Höfe der Region, die Gänse halten. 900 Gänse leben dort. Denn Gänsebraten wird nicht nur am Martinstag gegessen, sondern auch zu Weihnachten. Und das ist nicht mehr weit.

„200 von den Gänsen waren seit einigen Tagen im Stall für den Martinstag“, berichtet Magaretha Thormählen, die den Verkauf im Familienbetrieb regelt. Im Stall sollten die Tiere sauber werden und ihr Gefieder trocknen. So werden sie auf das Schlachten vorbereitet.

Die Gänse laufen sonst frei herum, alle drei Wochen wechseln sie die Weide. „Jede Gans hat ungefähr zwei Quadratmeter Platz“, sagt Magaretha Thormählen. Versorgt werden die Gänse mit eigenem Getreide und speziellem Futter. „Dadurch und weil die Gänse so viel laufen, entwickelt sich besonders gutes Muskelfleisch an Brust und Keule ohne unnötiges Fett“, sagt die Verkaufs-Chefin.

Der Hof bekommt die Gänse im Juni als Küken und zieht sie über den Sommer groß. „Dazu braucht man eigentlich nur Platz, Futter und ein Händchen für Tiere“, sagt Magaretha Thormählen. Im Herbst und Winter werden die Gänse geschlachtet. „Und dieses Jahr müssen wir alle selbst schlachten, der Fuchs hat uns dieses Jahr keine geklaut“, sagt Martina Thormählen, die Mutter von Magaretha Thormählen.

Die Federn und Daunen verwendet die Bettenindustrie weiter. Bei der Schlachtung haben die Gänse keinen Stress. „Die 900 Gänse, die wir haben, leben ein schönes Leben ohne Aufregung und Ängste – und das spiegelt sich dann auch in der Qualität wider“, sagt Martina Thormählen.

Tradition seit dem Jahr 1500

Rund die Hälfte der Gänse werden an Restaurants verkauft. „Das ist viel mehr als früher“, erzählt Martina Thormählen, deren Eltern mit dem Verkauf von Gänsen begonnen haben. „Den Hof gibt es schon seit dem Jahr 1500“, erzählt sie weiter. „Früher hatten wir größtenteils Hühner, weil viele Leute sich auch ein paar Gänse im Garten gehalten hatten.“ Seitdem das nicht mehr so ist, verkauft der Betrieb immer mehr Gänse. Da sich die Menschen zudem ihr Festmahl seltener zu Hause zubereiten, werden immer mehr Tiere an Restaurants verkauft. Die übrigen Gänse werden im Hofladen und auf Wochenmärkten an den Kunden gebracht. Bis nach Kiel fährt Magaretha Thormählen. Und der Verkauf läuft gut. „Wer nicht rechtzeitig genug bestellt, bekommt keine Gans mehr.“

Ob sie selbst noch Gänse essen mag? „Oh ja, total lecker“, sagt Martina Thormählen. „Ich sage immer, dass die Gänse den ganzen Sommer darauf warten, zu Weihnachten knusprig auf dem Tisch zu stehen.“

Um H5N8, die vor Kurzem in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochene Vogelpest, macht sich der Geflügelhof keine Sorgen. „Das kommt bei Gänsen nicht vor, und außerdem greifen die entsprechenden Gesetze hier in Deutschland sehr schnell“, sagt Martina Thormählen. Vierteljährlich werde geprüft, ob alle Auflagen erfüllt sind. Außerdem müsse der Hof Kot- und Staubproben abgeben, die zum Beispiel auf Krankheitserreger untersucht werden.

Besonderen Wert legen die Kunden auch darauf, dass der Hof ein Familienbetrieb ist, wissen die Besitzer. „Unsere Kunden sind davon überzeugt, dass wir unsere Tiere mit Respekt behandeln“, so Martina Thormählen. „In großen Betrieben werden oft 30 000, 40 000 oder 50.000 Gänse gehalten und die alle haben viel weniger Platz als hier“, sagt ihr Mann, Hans-Peter Saß-Thormählen. „Betriebe wie unserer werden selten.“

Der Martinstag ist der Gedenktag an den heiligen Martin von Tours und dessen Grablegung am 11. November 397. In katholischer Tradition galt er lange als Beginn einer 40-tägigen Fastenzeit bis Weihnachten. Da sich Martin vor seinen Verfolgern in einem Gänsestall versteckte und die Tiere ihn durch ihr Geschnatter verrieten, entwickelte sich der Brauch, an diesem Tag einen Gänsebraten zu verzehren. Gleichzeitig galt der 11. November als Tag des Zehnten, an dem die Landbesitzer die Pacht für die bewirtschafteten Flächen kassierten. Da im November das Futter auf den Weiden zurückging, wurde auch mit Gänsen bezahlt. Heute gilt der Martinstag noch immer als Auftakt der Geflügelsaison.
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