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Elmshorner Nachrichten

20. Oktober 2017 | 21:57 Uhr

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vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Besuch in der Kooperativen Rettungsleitstelle in Elmshorn / Notruf 112 gilt europaweit für mehr als 500 Millionen Menschen

von
erstellt am 11.Feb.2016 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Ob Herzinfarkt in Kopenhagen, Feuer im Ferienhaus in der Toskana, Verkehrsunfall in Paris oder Beinbruch in Elmshorn – die 112 hilft immer. Heute, dem Europäischen Tag des Notrufs 112, besteht die prägnante Telefonnummer seit 25 Jahren in ganz Europa. Der Euronotruf gilt inzwischen für mehr als 500 Millionen Menschen. In 38 Ländern sind die Rettungsdienste kostenlos über Festnetz und Mobilfunk zu erreichen. Für die Betreiber der Leitstellen bedeutet dies eine besondere Herausforderung. „Mindestens sicheres Englisch ist heute eine wesentliche Voraussetzung für die Arbeit der so genannten Disponenten in der Einsatzzentrale“, sagt Stephan Bandlow, Chef der Kooperativen Regionalleitstelle West in der Agnes-Karll-Allee in Elmshorn.

Er und seine 38 Mitarbeiter haben sich längst auf die neuen Anforderungen eingestellt. Um Menschen mit fremder Sprache optimal zu betreuen, gibt es laut Bandlow ein inoffizielles Netzwerk. Menschen, die ausschließlich Dänisch sprechen, werden zum Beispiel an Kollegen der Leitstelle Nord in Harrislee bei Flensburg vermittelt. Für Türkisch wird auf Kollegen in Berlin zurückgegriffen. Im Normalfall komme man aber mit Englisch weiter. Dennoch sei das Netzwerk wertvoll. Denn in den vergangenen Jahren habe sich die Notfallabfrage weiterentwickelt. Eine gute Verständigung sei enorm wichtig. Denn mit dem Notruf von vor 25 Jahren oder gar aus 1973, als die 112 in Deutschland eingeführt wurde, habe die 112 von heute außer der Rufnummer nicht mehr viel gemeinsam. War die Notrufabfrage laut Bandlow früher eine reine Erreichbarkeit für die Aktivierung von Rettungswagen, die Feuerwehr oder den Katastrophenschutz, so ist sie heute auch ein medizinisch vollwertiges Glied der Rettungskette. „Unsere Mitarbeiter trainieren das Erkennen eines Kreislaufstillstandes am Telefon durch gezielte Schlüsselfragen und leiten dann idealerweise nach höchstens 40 Sekunden zu Wiederbelebungsmaßnahmen an.“

Sanierungsfall: Derzeit wird das Dach der 2001 eingeweihten Leitstelle an der Agnes-Karll-Allee repariert. Der Umzug in den Neubau ist für Sommer 2018 geplant. (Foto: Schönstedt)
Sanierungsfall: Derzeit wird das Dach der 2001 eingeweihten Leitstelle an der Agnes-Karll-Allee repariert. Der Umzug in den Neubau ist für Sommer 2018 geplant. (Foto: Schönstedt)
 

Damit würden Notfallzeugen zu Lebensrettern, da sie „telefonisch angeleitet durch die Leitstelle, viel schneller aktiv eingreifen können“, fasst Bandlow den Fortschritt zusammen. Etwa 200 Mal pro Jahr sei das in der von der Elmshorner Leitstelle versorgten Region der Kreise Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen der Fall. „Oft realisiert man erst in einem ruhigen Moment nach dem Telefonat, dass man gerade eben vielleicht einer Familie geholfen hat den Vater, das Kind oder die Großmutter nach einem plötzlichen Herzstillstand zu retten“, beschreibt Disponentin Charlyne Bruder die emotionale Seite ihres Berufes. Waren früher nur die unmittelbar vor Ort tätigen Rettungsassistenten und Notfallsanitäter direkt mit der Einsatzsituation konfrontiert, so seien heute auch die Leitstellendisponenten viel näher dran.

 

Rund 120.000 Notrufe über die 112 erreichen die Elmshorner Leitstelle jedes Jahr. Hinzu kommen noch einmal so viele Anrufe, die über andere Rufnummern in der Leitstelle eingehen. „Wir sind der erste professionelle Anlaufpunkt für Menschen in Not. Zeit die hier verloren geht, kann an keiner der nachfolgenden Stellen wieder aufgeholt werden“, sagt Charlyne Bruder. Daher sei die Abfragestruktur in den vergangenen Jahren immer professioneller geworden. Das bedeute, dass die Anrufer mit standardisierten Fragen konfrontiert und durch das Gespräch gelenkt werden. Heute meldet sich der Disponent sofort mit den Worten „Notruf 112, wo genau ist der Notfallort?“ Was überfallartig klingt, hat seinen Sinn. „Der Notfallort ist neben dem Geschehen selbst und dem Zustand des Patienten eine der wichtigsten Informationen“, nennt Bandlow den Grund für diese Strategie. „Sollte das Gespräch getrennt werden, wissen wir zumindest, wo genau der Notfallpatient zu finden ist.“ Übrigens: Der europaweite Notruf funktioniert nur über die 112. Die Nummer 110 für die Polizei ist nur auf Deutschland bezogen.

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