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Nach Diskussion um Angst-Orte in Elmshorn : Selbstverteidigungskursus bereitet Teilnehmerinnen auf den Ernstfall vor

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Initiiert wurde er von Patricia Capurso, die sich ehrenamtlich seit Oktober vergangenen Jahres gegen Angst-Orte in der Stadt einsetzt.

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2016 | 16:50 Uhr

Elmshorn | „So, jetzt bist du das Opfer“ – normalerweise würde sich wohl niemand gerne so bezeichnen lassen. Doch die junge Frau nickt und läuft ein paar Schritte, bis ihr von hinten jemand an die Schulter fasst. „Fassen Sie mich nicht an!“, schreit sie los. „Sehr gut“, antwortet der vermeintliche Angreifer, „aber du musst daran denken, ein böses Gesicht zu machen.“

Zwölf Frauen nehmen an dem zweitägigen Selbstverteidigungskursus in der Elmshorner Wing Tsun Schule teil. Initiiert wurde er von Patricia Capurso, die sich ehrenamtlich seit Oktober vergangenen Jahres gegen Angst-Orte in der Stadt einsetzt. Mehr Beleuchtung und das Zurückschneiden von Gebüsch für mehr Übersicht an dunklen Orten konnte Capurso schon durchsetzen. In dem Selbstverteidigungskursus sollen die Frauen nun lernen, wie sie sich in einer bedrohlichen Situation am besten verhalten.

Auch wenn danach mehr Anmeldungen eingegangen seien, sei der Kursus aber keine Reaktion auf die Ereignisse der Kölner Silvesternacht, sondern seit mehreren Monaten geplant, betont Capurso. Nachdem ein ehrenamtlicher Trainer abgesprungen war, zahlt sie die Veranstaltung nun zum Teil aus eigener Tasche. „Ich wollte, dass auch Frauen mit wenig Geld teilnehmen können“, so Capurso. Geleitet wird der Kursus von Oliver Drobczyk, der sich als Fachtrainer für Frauenselbstverteidigung spezialisiert hat.

„Hey, du bist ja schnuckelig, du riechst so gut. Komm her, du willst es doch auch“, ruft eine Teilnehmerin einer anderen hinterher. Rollenspiele wie diese seien wichtig, um die Frauen auf konkrete Situationen vorzubereiten, sagt Drobczyk. Daher werden Stressmomente imitiert und den Frauen gezeigt, wie sie darauf reagieren können. „Kämpfen, flüchten oder Angststarre – mehr Auswahl hat der Körper nicht“, so Drobczyk.

Die Teilnehmerinnen sind zwischen 20 und 50 Jahre alt und haben über Facebook, Presse oder Mundpropaganda von dem Kursus erfahren. Nicht jede von ihnen ist schon einmal in eine bedrohliche Situation geraten. „Aber ich finde es wichtig zu wissen, wo man hinschlagen muss, um sich zu wehren“, sagt die Teilnehmerin Vibeke Hein. Doch nicht nur wo man einen Angreifer am besten trifft, ist Thema des Kurses. „Das Wichtigste ist, dass die Teilnehmerinnen überhaupt die Hemmung zu Schlagen abbauen. Nur so können sie in gefährlichen Situationen handlungsfähig bleiben“, so Drobczyk.

Selbstverteidigungstrainer Oliver Drobczyk und Patricia Capurso im Rollenspiel. (Foto: Lottmann)
Selbstverteidigungstrainer Oliver Drobczyk und Patricia Capurso im Rollenspiel. (Foto: Lottmann)
 

Schlagen ist aber erst der zweite Schritt. „Am Anfang muss man sich erst einmal trauen, laut zu sein“, sagt Capurso. Auch das bekommen die Teilnehmerinnen gezeigt. Aufrecht stehen, Abwehrhaltung, ein böses Gesicht machen und die Hände des Angreifers wegwischen, „Fassen Sie mich nicht an!“ schreien. „Wenn du das überzeugend machst, kann es gut sein, dass die Situation gar nicht körperlich wird“, erklärt Drobczyk.

Der Erfolg des Kurses ist schon am ersten Tag sichtbar. „Am Anfang waren viele zu leise und das Schlagen war zuerst eher ein Streicheln. Aber jetzt werden die Schläge härter“, erzählt Capurso. Auch die Teilnehmerin Manuela Thumann zieht ein positives Fazit: „Das Schwierigste war vom Boden hochzukommen oder das Rollenspiel in der U-Bahn, wo man von zwei Tätern angegriffen wurde. Doch hierdurch fühle ich mich schon sicherer.“

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