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St.-Nikolai-Kirche : Seit 100 Jahren im heutigen Glanz

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Abriss der St.-Nikolai-Kirche war bereits beschlossen. Dann doch 1913 Neugestaltung abgeschlossen. Wer macht den Turm begehbar?

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erstellt am 08.Mai.2013 | 08:57 Uhr

Elmshorn | Wer die Elmshorner und ihre Stadtgeschichte kennt, ist nicht sonderlich verwundert: 1897 sollte die 1661 nach einem Brand wiedererbaute St.-Nikolai-Kirche im Herzen der Stadt abgerissen werden. Wie alle wissen, ist dies nicht geschehen. Stattdessen wurde die Elmshorner Hauptkirche saniert und neu gestaltet. Genau vor 100 Jahren war das Werk vollbracht, seitdem ist St. Nikolai (fast) so, wie sie sich heute dem Besucher darstellt.

Vor mehr als 100 Jahren hatte der Kirchenvorstand bereits für einen Abriss und einen Neubau votiert, eine Abrissgenehmigung lag vor. Das Gotteshaus entsprach nicht dem Geschmack der Zeit, war heruntergekommen und sah armselig aus. Es fand sich zudem ein gutachtender Professor, der die angebliche historische und ästhetische Bedeutungslosigkeit des Baus attestierte. Das passte gut, zumal sich Elmshorn um 1900 im großen wirtschaftlichen Aufschwung befand: Statt der Kirche hätte es einen größeren Wochenmarkt auf dem Platz geben können, der heute Alter Markt heißt.

Letztlich konnten sich doch einige Denkmalschützer durchsetzen. Die Kirche blieb an Ort und Stelle und die Elmshorner ließen selbige im Dorf. Sie sanierten und erneuerten das Gotteshaus, erhielten, was zu erhalten war und erneuerten, was nicht mehr gerettet werden konnte. Am 23. Februar 1913 weihten die Elmshorner ihre "neue" Kirche ein und verlegten stattdessen 1928 den Wochenmarkt auf den heutigen Buttermarkt.

Mit einer großen Festwoche wollen jetzt die Aktiven der Nikolai-Gemeinde zusammen mit allen Elmshornern die Erneuerung des besonderen Kulturdenkmals vor 100 Jahren feiern. Seit November 2010 bereitete ein eigens dafür geschaffener Jubiläumsausschuss das Ereignis vor, erstellte ein sehr umfangreiches Programm, erarbeitete eine Festschrift und beschäftigte sich auch mit der Zukunft des Hauses.

Von Sonntag, 12. Mai, bis Pfingstsonntag, 19. Mai, ist die Kirche jeden Tag von 10 bis 16 Uhr geöffnet, wird in dem Gotteshaus musiziert und debattiert, Theater gespielt und sogar erstmals gemeinsam gefrühstückt - ein Morgenmahl statt Abendmahl.

Das Pop-Ensemble "E-Motion" und die "King Street Jazzman" treten genauso auf wie die Kantorei mit Haydns Nikolaimesse und die angesagte Elmshorner Nachwuchs-Rockband "Mary Jane killed the cat". Kulturpreisträger Anders Petersen und der Glasrestaurator Bernhard Loers stellen den Besuchern ihre Arbeit vor, Kirchenvor standsvorsitzende Rosmarie Lehmann bietet eine plattdeutsche Kirchenführung an und Musiklehrer Matthias Wichmann und seine Schüler machen St. Nikolai zum Klangraum.

Eine eigens für das Jubiläum gegründete Theatergruppe führt in neun Bildern unter dem Titel "Krach im Kirchenvorstand" die Entwicklung von St. Nikolai in den Jahren 1897 bis 1913 auf. Autorin und Regisseurin ist Stadtkulturpreisträgerin Jutta Ivens.

Leider wird es zum Jubiläum nicht möglich sein, den 1881 gebauten, 63 Meter hohen Kirchturm zu besteigen. Zwar ist das Gros der Sanierung abgeschlossen, sind feste Treppen installiert, jedoch das in sieben Jahren vom Förderkreis gesammelte Geld - stattliche 40 000 Euro - sind auch verbraucht. Jetzt fehlen noch gut 30 000 Euro für rest liche Arbeiten und den Brandschutz, damit der 2002 gesperrte Turm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Die Kirche sucht dafür Sponsoren, denn in drei Jahren läuft die Baugenehmigung ab. "Es wäre schade, wenn die Genehmigung verfällt", so Kirchenvorstandsvorsitzende Rosmarie Lehmann. Sie gibt aber die Hoffnung nicht auf: "Es geschehen noch Zeichen und Wunder, und es wäre doch schön, wenn man mal wieder vom von oben bis zur Elbe gucken kann."

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