Sechs Tage Bangen um Aika

Irmtraut Babbe und Herbert Boger  sind froh, dass   'Aika' ihr Abenteuer gut überstanden hat.  Foto: uma
Irmtraut Babbe und Herbert Boger sind froh, dass "Aika" ihr Abenteuer gut überstanden hat. Foto: uma

Junge Habicht-Dame machte sich selbstständig /Trotz kleiner Fußverletzung konnte die Ausreißerin wieder nach Hause geholt werden

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07. Dezember 2012, 07:16 Uhr

Elmshorn | Diese sechs Tage wird Irmtraut Babbe aus Elmshorn so schnell nicht vergessen. Knapp eine Woche lang hatte sich ihr Habicht Aika, den sie erst seit August besitzt, ihrer Obhut entzogen und erkundete die Landschaft zwischen den Krückauwiesen in Kölln-Reisiek und den landwirtschaftlich genutzten Feldern und Koppeln von Bevern.

Während eines Trainings setzte sich das Tier vor Ort plötzlich ab. "Es handelt sich um ein noch junges Tier mit wenig Erfahrung und das auch noch weiterhin mehr an den Menschen gewöhnt werden muss", erzählt die 54-Jährige, die die Falknerei erst seit kurzem voller Leidenschaft als Hobby betreibt.

Beim dem so genannten Federspiel, wo das Tier freigelassen und mittels einer Beuteattrappe immer wieder zurückgelockt wird, ging etwas schief. Krähenschwärme kreuzten die Flugbahn von Aika und erschreckten das Tier nachhaltig. "Sie geriet in Panik und machte sich auf und davon", so Babbe.

Alle Versuche, den Vogel wieder anzulocken, scheiterten. Gemeinsam mit dem Falkner Herbert Boger konnte Babbe in den zwei darauffolgenden Tagen zwar das Tier noch orten, weil es mit einem Sender versehen war, doch auch das half nicht wirklich weiter. "Wir kamen ihr zwar immer wieder recht nahe, doch dann nahm sie Reißaus. Es war wie ein Katz-und-Maus-Spiel", erzählt Boger.

Dann der Schrecken: Aika schien plötzlich ganz fort zu sein. "Wir konnten nicht mehr feststellen, wo sie sich aufhielt. Der Grund dafür war, dass die Batterie des Senders am Ende war", so Babbe, die sich spätestens seit diesem Moment sehr um das wertvolle Tier sorgte. In dieser Situation entschloss sie sich, alles nur Erdenkliche zu unternehmen, um Aika wiederzubekommen - unter anderem dachte sie daran, sich an die Zeitung zu wenden, um nach Zeugen zu suchen, die das Tier vielleicht irgendwo gesehen haben.

Und diese Strategie war richtig: Auf eine Meldung in unserer Zeitung hin reagierte ein Landwirt aus Bevern und meldete sich bei Babbe. Volltreffer! Aika hielt sich zu diesem Zeitpunkt bereits einige Tage am Rande einer Wiese des Landwirts in Bevern auf. Aufgrund des Geschirrs, das sich an dem Tier befand, realisierte der Mann, dass der Habicht entflogen sein musste. Glückliche Fügung: Der Vogel hatte an diesem Ort im wahrsten Sinn des Wortes leichte Beute bekommen. "Auf der Weide hatte eine Kuh eine Totgeburt erlitten. An dem Kadaver des Kalbes hatte sich dann Aika bedient", so Babbe.

Der Landwirt habe das tote Tier extra liegen lassen, um die Habicht-Dame am Ort zu halten. "Das war unser Glück", freut sich Babbe, die gemeinsam mit Boger dann daran gehen konnte, den majestätisch anmutenden Vogel wieder einzufangen. "Das gelang aber erst nach mehreren Versuchen. Mit einer für solche Fälle durchaus üblichen Schlingenweste kamen wir zunächst noch nicht ans Ziel, aber schließlich mit einem Fangkorb samt einer Beute attrappe, die wir an die Stelle des Kalbkadavers positionierten", so Babbe. Überglücklich konnte die Elmshornerin, die erst vor kurzem ihre Jäger- und Falknerprüfung erfolgreich abgelegt hatte, ihren Habicht wieder mit nach Hause nehmen.

Das Abenteuer hat der unerfahrene Vogel glücklicherweise relativ unbeschadet überstanden. Es kam zu einer kleinen Fußverletzung, die eventuell von einem Stacheldraht verursacht wurde, sowie zu einer Abschürfung, die zu einer kahlen Knochenstelle am Gefieder führte und die nach wie vor noch fachmännisch behandelt werden muss.

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