Schutzanzüge und Schleudersitze

Geschäftsführer Martin Kroell präsentiert „crash-sichere“ Sitze aus dem Truppentransportflugzeug A400.
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Geschäftsführer Martin Kroell präsentiert „crash-sichere“ Sitze aus dem Truppentransportflugzeug A400.

Das Unternehmen Autoflug produziert in Rellingen Sicherheit für Piloten / Vorfreude aufs Jubiläumsjahr

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19. März 2018, 15:49 Uhr

Die Metropolregion Hamburg gilt nach Seattle in den USA und dem französischen Toulouse als weltweit drittgrößter Standort der Luftfahrtindustrie. Über 40 000 Fachleute arbeiten hier in mehr als 300 Unternehmen unterschiedlicher Größe. Zu ihnen gehört ein traditionsreicher Familienbetrieb in Rellingen: Autoflug. Im kommenden Jahr feiert die Firma ihr 100-jähriges Bestehen.

Rellingen, Industriestraße 10: Seit mittlerweile sechs Jahrzehnten ist die Autoflug GmbH hier zu Hause. Ein Name, der in der Branche untrennbar mit der Rettung und Sicherheit von Menschen verbunden ist. Autoflug entwickelt und produziert Sicherheitssitze für Luftfahrzeuge und militärische Sonderfahrzeuge, Kraftstoffsensoren für Luftfahrzeuge sowie Fallschirme, Gurte und Pilotenschutzanzüge und Sonderausrüstungen.

„Thinking safety – heißt unsere Devise. Übersetzt bedeutet das, wir schützen die, die andere schützen“, sagt Martin Kroell. Er lenkt die Geschicke des Unternehmens zusammen mit Andreas Sedlmayr, dem Enkel des Firmengründers und legendären Flugpioniers Gerhard Sedlmayr. Andreas Sedlmayr ist der geschäftsführende Gesellschafter, sein Kollege Kroell kümmert sich um das operative Geschäft. Gerade kommt Martin Kroell aus Las Vegas zurück. Auf der weltgrößten Hubschraubermesse „Heli Expo“ hat er viele Kunden getroffen, neue Kontakte geknüpft und die innovativen Produkte aus seinem Unternehmen vorgestellt. „Überhaupt zählen die großen Messen zu unserem Pflichtprogramm“, erläutert der Geschäftsführer. Dazu gehört auch die Internationale Luftfahrtausstellung ILA, die in wenigen Wochen wieder in Berlin stattfindet.

„Wir waren dort 1926 unter den ersten Ausstellern“, berichtet Kroell und zitiert einen Satz des Firmengründers: „Es war immer mein Bestreben, dass Piloten zu jeder Zeit sicher fliegen können – und in größter Not die Möglichkeit haben, sich zu retten.“

Ob ABC-Schutzanzug für fliegendes Personal, Schleudersitze, Fallschirme, Rettungsinseln, komplette Kabinenlösungen für Luftfahrzeuge – die Produktpalette des mittelständischen Unternehmens aus Rellingen ist groß. Dazu gehören beispielsweise Sitze, die bei einem möglichen harten Aufprall das 50-fache des eigenen Körpergewichts auffangen oder auch der größte Teil im Innenbereich der modernen Transportflugzeugs Airbus A400 M.

90 Prozent der Kunden stammen aus dem militärischen Bereich, zu den wichtigsten zählt neben Airbus auch die Bundeswehr. Aber auch Polizei, Helikopterunternehmen, die zu Gasplattformen im offenen Meer fliegen, und viele andere profitieren vom Know-how der Holsteiner. Rund 17 000 Quadratmeter Fläche umfasst mittlerweile das Rellinger Gelände, auf dem Autoflug ständig erweitert wurde und durchaus noch weitere Wachstumsmöglichkeiten sieht. Drei Kompetenzfelder nennt Geschäftsführer Kroll als Fundament für die Arbeit der rund 250 und Mitarbeiter in den Werkstätten: Textil, Mechanik und Elektronik. „Was uns stark macht, ist die Kombination aller drei Komplexe. Zum Beispiel hat uns im Textilbereich die Entwicklung von fast 100 Jahren von der echten Fallschirmseide bis zu den heute entwickelten Kunstfasergeweben geprägt. Wir haben heute die Möglichkeiten, textile Werkstoffe auch in Bereichen einzusetzen, wo man sie nicht immer vermuten würde.“ Etliche der Mitarbeiter, die überwiegend aus der Region kommen, sind seit Jahrzehnten dabei. Die Berufe sind vielfältig, unter ihnen Konstrukteure, Textilingenieure, Segelmacher, Elektroingenieure, Softwareentwickler. „Der Bedarf an Fachkräften bedeutet für uns zunehmend eine Herausforderung“, sagt der Geschäftsführer. „Solche Kollegen gibt es nicht wie Sand am Meer. Bei uns kommt erschwerend dazu, dass wir bei unseren Produkten die sehr strengen Anforderungen der Luftfahrtbehörden erfüllen müssen. Aber das ist auch verständlich, denn es geht Notfall um Menschenleben.“ Rund 40 Millionen Euro Umsatz macht Autoflug jährlich – Tendenz steigend. Ohnehin geht der Blick auch ein Jahr vor dem 100-jährigen Bestehen immer nach vorn. Längst macht man sich Gedanken über die künftige Mobilität in den Städten – etwa mit Hilfe von Drohnen. Thema Nummer eins ist auch hier die Sicherheit der Insassen.

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