„Aktion E“ – Ein starkes Zeichen : Schüler des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Schüler-Performance zum Gedenktag auf dem Alten Markt: Oberstufenschüler, ausgestattet mit weißen Stöcken, symbolisieren Häscher, die Einzelne aus der Gruppe herausfischen und abführen. Die Schüler haben über ihren Köpfen mit gelben Bändern einen Davidstern geformt, der sie schützen soll.
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Schüler-Performance zum Gedenktag auf dem Alten Markt: Oberstufenschüler, ausgestattet mit weißen Stöcken, symbolisieren Häscher, die Einzelne aus der Gruppe herausfischen und abführen. Die Schüler haben über ihren Köpfen mit gelben Bändern einen Davidstern geformt, der sie schützen soll.

Aus gelben Bändern formen die jungen Leute in Elmshorn über ihren Köpfen einen großen Davidstern.

shz.de von
28. Januar 2015, 16:00 Uhr

Elmshorn/Barmstedt | Sie stehen eng zusammen. Aus gelben Bändern formen die jungen Leute über ihren Köpfen einen großen Davidstern. Er soll sie schützen. Doch immer wieder fischen Häscher mit weißen Stöcken Einzelne aus der Gruppe, führen sie ab und schaffen sie schließlich fort. Niemand wehrt sich oder schreitet ein. Alles geschieht schweigend. Nur das elektronisch verstärkte fortwährende Ticken eines Metronoms begleitet die gespenstische Szene. Nach zehn Minuten ist alles vorbei.

Es war ein starkes Zeichen, das die 100 Schüler des Barmstedter Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums   am gestrigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus gesetzt haben. Auf dem Alten Markt in Elmshorn zeigten sie ihre Performance „Aktion E“. Das „E“ steht für Erinnern. Die Jugendlichen gedachten der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945.

Der Auftritt zeigte Wirkung: Viele Passanten in der Elmshorner City nahmen sich Zeit, um das Projekt der Jugendlichen zu verfolgen. Ein Beamter der Elmshorner Polizei sicherte die Veranstaltung im Hintergrund.

Die Schüler verteilten unter den Zuschauern Handzettel, die Motivation und Ablauf ihrer Performance erklärten. Die Jugendlichen sprachen die Menschen an und kamen mit einigen ins Gespräch. 

Gemeinsam mit ihrem Kunstlehrer Thomas Eigen hatten die Jugendlichen „Aktion E“ entwickelt und im Unterricht 14 Tage lang an der Umsetzung gearbeitet. Beteiligt waren Schüler des sechsten bis achten Jahrgangs des Gymnasiums. Dazu kamen Schüler der zwölften Klassenstufe.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus sei wenig bekannt, stellten die Schüler auf ihren Handzetteln fest. Und weiter: „Aus diesem Grund wollen wir mit der Aktion auf den heutigen Tag aufmerksam machen“. Kunstlehrer Thomas Eigen: „Die Performance soll einen Anstoß zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus bieten“. Anders als Veranstaltungen in geschlossenen Räumen vor geladenem Publikum treffe die „Aktion E“ das zufällig am Ort befindliche Publikum spontan und unvorbereitet. „Die Performance selbst ist das Produkt vieler Menschen, hervorgebracht in einer gemeinsamen Aktion. Die Intensität und das Resultat der Auseinandersetzung mit dem Gesehenen bestimmt jedoch jeder Zuschauer für sich  allein“, so Kunstlehrer Thomas Eigen.

Für das Barmstedter Gymnasium ist die Kunstaktion keine einmalige Sache. Bereits 2001 und 2004 haben Schüler und Lehrer mit Projekten in der Elmshorner City auf den ganz besonderen Gedenktag aufmerksam gemacht.

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